Hochwasser-Katastrophe: Niederösterreich im Ausnahmezustand – Donau-Pegel steigen weiter

Hochwasser-Katastrophe: Niederösterreich im Ausnahmezustand – Donau-Pegel steigen weiter

Die aktuellen Prognosen deuten auf ein "außergewöhnliches Hochwasser-Ereignis" an der Donau hin, teilten Bezirksfeuerwehrkommando bzw. die FF Krems mit. Sollte die Gefahr größer werden, werde eine Warnung der Bevölkerung über Rundfunk, Internet "und wenn notwendig auch mit Sirenen erfolgen".

Bei Kienstock in der Wachau soll die Zehn-Meter-Marke der Donau demnächst überschritten werden. Für den frühen Abend lautete die Prognose vorerst auf 10,92 Meter. Das würde dem Wert des August-Hochwassers 2002 (10,90 Meter) entsprechen.

Die Gemeinden und Bezirke an der Donau in Niederösterreich wurden bereits am Sonntagabend zum Katastrophengebiet erklärt. Der Landesführungsstab unter der Leitung von Landesrat Stephan Pernkopf traf diese Entscheidung. An der Donau müsse mit einem 100-jährigen Hochwasser gerechnet werden, hatte Pernkopf schon zuvor erklärt. Das Bezirksfeuerwehrkommando Krems wies Sonntagabend darauf hin, dass trotz des Vollaufbaus der Hochwasserschutzwände in der Wachau ein Wasserübertritt "nicht ausgeschlossen werden" könne.

Weil aufgrund der Hochwasserprognosen ein Übertritt der Donau in Krems-Stein nicht ausgeschlossen werden könne, hat der Einsatzstab den Bewohnern in dem gefährdeten Stadtteil - Bereich der Steiner Donaulände und Steiner Landstraße - empfohlen, "Hab und Gut aus den unteren Geschossen in Sicherheit zu bringen". Auch Fahrzeuge seien aus dem Bereich zu entfernen, so die Feuerwehr auf ihrer Homepage . Die Zufahrt nach Stein ist seit Montagfrüh nur mehr für Einsatzkräfte möglich.

Auch die Stadtgemeinde Krems teilte auf ihrer Homepage mit, dass eine Überflutung von Stein es "nicht ganz ausgeschlossen werden" könne. Die Betriebe in der Steiner Landstraße und an der Donaulände wurden angehalten, am Montag "nicht aufzusperren".

Donau für Schiffe gesperrt

Das Hochwasser hat Montagmittag eine Sperre der Donau für den Schiffsverkehr nach sich gezogen. Laut Reinhard Vorderwinkler, dem Leiter der obersten Schifffahrtsbehörde, lagen die Pegel auf dem 350 Kilometer langen, österreichischen Abschnitt mehr als 90 Zentimeter über dem höchsten Schifffahrtswasserstand (HSW+90). Dieser Umstand sowie jener, dass es bei der Zufahrt von Schiffen im Staubereich von Kraftwerken zu Unsicherheiten kommen könnte, seien ausschlaggebend für die Sperre gewesen.

Wie lange auf der Donau nicht gefahren werden dürfe, sei zur Zeit noch nicht prognostizierbar. Es stehe zu befürchten, dass viele der Schiffsverkehrszeichen und Bojen mitgerissen worden sein könnten, so Vorderwinkler zur APA.

Zivilschutzalarm in Marbach

In der Gemeinde Marbach (Bezirk Melk) ist am Montag in den frühen Morgenstunden Zivilschutzalarm ausgelöst worden, teilte Alexander Nittner, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos NÖ, mit. Die Bevölkerung im Ortsteil Granz wurde gegen 1.45 Uhr wegen der Hochwassersituation aufgefordert, Gebäude zu räumen bzw. höher gelegene Räumlichkeiten aufzusuchen.

Laut Nittner standen Montag früh mehr als 1.000 Mitglieder von etwa 70 Feuerwehren im Einsatz. Sie waren vor allem mit Sicherungsarbeiten wie dem Auflegen von Sandsäcken beschäftigt. Auch zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. "Die Arbeiten gehen weiter", so der Sprecher. Er wies außerdem darauf hin, dass die Hochwasserschutzeinrichtungen den Wassermassen standhalten würden.

In St. Pantaleon (Bezirk Amstetten) wurden Teile des Ortskerns überflutet. Laut Nittner mussten Evakuierungen vorgenommen werden.

20.000 Sandsäcke in St. Valentin

In St. Valentin wurden die Feuerwehrzentrale und das ÖBB-Zentralstellwerk vor einer drohenden Überflutung gerettet. Allein in der Stadt sind 20.000 Sandsäcke verlegt worden. Für ein wenig Entspannung sorgte laut Gutlederer das Sinken der Pegel - mit Ausnahme der Donau.

In Niederösterreich wurde am Sonntag-Nachmittag die Altstadt von Melk überflutet, ebenso St. Valentin (Bezirk Amstetten). Laut Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, standen zuletzt 150 Feuerwehren mit etwa 2.000 Mann im Einsatz. Etwa 250 bis 300 Menschen müssten in Melk evakuiert werden, sagte Resperger.

Schärding in OÖ teilweise ohne Strom

In Schärding hat sich die Hochwassersituation weiter zugespitzt. Der Inn überflutete kurz nach Mitternacht die Dammkrone und erreichte in der Früh einen Pegelstand von 9,90 Meter, Tendenz weiter steigend. Die Prognose liegt bei 10,70 Metern. Rund 210 Häuser wurden laut Feuerwehr überflutet, manche bis zum ersten Stock.

Vielerorts musste aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet werden. Zahlreiche Bewohner wurden evakuiert, einige blieben aber auch in den Gebäuden und zogen sich in die oberen Stockwerke zurück.

Die Schärdinger sind zwar hochwassererprobt, das Ausmaß hat sie dennoch geschockt. Die Feuerwehren versuchten, das Wasser mit tausenden Sandsäcken, Pumpen und gewaltigem Personalaufgebot so weit wie möglich hintanzuhalten. Rund 200 Helfer von 20 Ortsgruppen standen Montagfrüh teils bereits seit 50 Stunden im Einsatz. Die bayerische Partnerstadt Grafenau hat zudem Verstärkung geschickt.

Im Marchland wird's eng

Im Machland in Oberösterreich kann es knapp werden: In Grein (Bezirk Perg) wurde ein Donau-Pegelstand von 14,8 Metern prognostiziert, das sind 20 Zentimeter unter der Dammkrone. Der Höchststand soll erst in der Nacht auf Dienstag erreicht werden, bis dahin müssen die Bewohner zittern. In Linz und Mauthausen hat man etwas mehr Spielraum.

Das Machland war 2002 schwer vom Hochwasser betroffen. Seither wurde aber der erst kürzlich fertiggestellte Machlanddamm errichtet, die mobilen Elemente wurden am Wochenende bis zur höchsten Stufe aufgebaut. Die Anlage steht vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. Sie schützt allerdings vorrangig Gebäude und weniger landwirtschaftliche Kulturen.

Die Donaupegel stiegen - ebenso wie jene des Inn - stärker als erwartet, die Prognosen wurden zuletzt wieder nach oben korrigiert und überschreiten jedenfalls die Marken von 2002. In Linz stand die Donau Montagfrüh bei 8,30 Metern und sollte noch auf 9,20 Meter steigen (2001: 8,19 Meter). Die Dammkrone liegt hier zwar bei 10,10 Metern, Evakuierungen werden aber nötig sein, hieß es seitens der Stadt.

Brenzlig war es in Au an der Donau. Dort drohte der Damm an der Aist den Wassermassen nicht standzuhalten. Die Feuerwehr setzte eine Hochleistungspumpe ein, um den Druck zu verringern. Schließlich gelang es, den Dammbruch abzuwehren.

Die Regenmengen, die in Oberösterreich von Mitternacht bis in die Morgenstunden gefallen sind, waren laut Michael Butschek von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik unerheblich. Aber auch kleine Mengen könnten problematisch sein, weil die Böden bereits gesättigt sind. Am Vormittag sollte der Regen Pause machen, am Nachmittag aber das nächste Tief aus Tschechien das Mühlviertel erreichen und sich im Lauf des Tages auf das gesamte Bundesland ausbreiten. Die Front, die lokal noch einmal bis zu 20 Liter pro Quadratmeter bringen kann, dürfte aber rasch durchziehen. Durch die feuchte Luft soll es weiter instabil bleiben.

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Informationen zu den Pegelständen der Flüsse in Österreich finden Sie hier: eHYD Österreich .

Auch das Land Niederösterreich bietet einen umfangreichen Informationsdienst zu Wetter und Pegelständen in Österreich: www.noel.gv.at/Externeseiten/wasserstand .

Hier finden Sie alle aktuellen Wasserdaten in Oberösterreich: www.land-oberoesterreich.gv.at/wasser .
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Deutliche Entspannung in Salzburg

So schnell wie die Pegelstände an den Salzburger Flüssen ab Samstagabend zu steigen begonnen haben, so rasch gehen sie nun wieder zurück. „Die Pegel im Bereich von Salzach und Saalach haben den Scheitelwert erreicht und fallen ständig“, so Barbara Staudinger vom Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg am Montag zur APA. Auch an den Nebenflüssen seien Durchflussmengen und Wasserstand stark rückläufig. Daran dürfte auch die nächste, von Norden kommende Schlechtwetterfront nichts mehr ändern.

In der Salzach in der Stadt Salzburg, wo gestern gegen Mittag noch ein Höchstwert von knapp über 8,50 Metern erreicht worden war, lag der Pegel am Montagmorgen schon wieder bei sechs Metern. „Wir liegen an den Flüssen überall bereits unterhalb der Warngrenze“, so Staudinger. Im Laufe des Nachmittags soll dann die Meldegrenze erreicht werden, ab der - bei steigender Wassermenge - im Regelfall die Hochwasserzentrale ständig besetzt werden muss.

"Die Regenmengen seit Mitternacht waren unerheblich", sagte auch Michael Butschek von der Wetterdienststelle Salzburg. "Der Regen hat zum Teil aufgehört und macht Pause." Die Beruhigung ist allerdings nur von kurzer Dauer. "Von Norden kommt das nächste System. Es befindet sich derzeit über Tschechien, wird aber am späten Vormittag das Mühlviertel erreichen und sich am Nachmittag dann auf ganz Oberösterreich und die nördlichen Teile Salzburgs ausbreiten." Die Mengen seien zwar im Vergleich zum Niederschlag der vergangenen Tage gering. "Gerade dort wo Hänge und Böden vorbefeuchtet sind, ist die Situation aber heikel."

Die Front ziehe aber rasch durch, für das Bundesland Salzburg sei das Schlimmste ohnehin vorbei: "Der flächendeckende Regen mit großen Wassermengen bis zum Alpenhauptkamm in den Gebirgsgauen ist vorbei", so Butschek. Einen Übergang zu stabilem, trockenem Hochdruckwetter wird es die nächsten Tagen dennoch nicht geben. "Die Sonne kann die feuchte Luft zu einzelnen Schauern und Gewittern aufkochen, großräumig fallen diese aber nicht ins Gewicht." Kleinräumig seien aber weiterhin Überschwemmungen und Hangrutschungen möglich.

Wien ist sicher

In der Bundeshauptstadt Wien dürften die Wassermassen kein großes Problem darstellen. Laut einer Aussendung der zuständigen Umweltstadträtin Ulli Sima und der Wiener Gewässerabteilung MA45 am Montagvormittag liegt der für Wien relevante Donau-Pegel Korneuburg derzeit bei 6,97 Meter bzw. bei einer Durchflussmenge von 8.180 Kubikmeter pro Sekunde. Die Gefahr von Überschwemmungen bestehe nicht, der Hochwasserschutz reiche für diese Mengen aus, wurde versichert.

Die Werte der Flut von 2002 wurden vorerst nicht erreicht. Damals wurden 10.300 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Der Hochwasserschutz könnte in Wien bis zu 14.000 Kubikmeter pro Sekunde bewältigen. Der aktuelle Höchststand wird für Dienstag oder spätestens Mittwoch erwartet - wobei die MA45 laut eigenen Angaben mit einem Wert von rund 10.000 Kubikmeter rechnet.

Für den Hochwasserschutz wurde in Wien das sogenannte Entlastungsgerinne - die Neue Donau - errichtet. Der Aushub wurde aufgeschüttet und zur "Donauinsel" umfunktioniert. Die Arbeiten dauerten von 1972 bis 1987. Weitere Vorsorge-Arbeiten wie etwa die Sanierung des Marchfeldschutzdammes oder die Erhöhung des Hafenumschließungsdamms Lobau folgten in den vergangenen Jahren.

Seit vergangenem Wochenende steht das Bundesheer im Hilfseinsatz: "Derzeit unterstützt das Bundesheer mit rund 700 Soldaten die zivilen Einsatzkräfte in den Katastrophengebieten. Weitere 2.000 Soldaten halten sich für Einsätze bereit", sagte Verteidigungsminister Gerald Klug am Montag in einer Stellungnahme. Zusätzlich wurden 24 Hubschrauber des Bundesheeres für Erkundungs-und Evakuierungsflüge eingesetzt. Sie wurden teilweise mit Flugrettern und Seilwinden ausgestattet, um so Menschen aus Katastrophengebieten retten zu können.

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