Hochwasser-Experte: „Brauchen 84.000 Hektar wieder als Überschwemmungsfläche“

Hochwasser-Experte: „Brauchen 84.000 Hektar wieder als Überschwemmungsfläche“

Überschwemmungen werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Statt mehr Fläche für Überschwemmungen wieder frei zu machen, werden tägliche mehrere Hektar Land verbaut oder zugepflastert. Dämme sind laut WWF kein Allheilmittel und haben für das Ökosystem oft genau die gegenteilige Wirkung. WWF fordert ein Hochwasserschutzprogramm.

Angesichts der aktuellen Wetterlage und des drohenden anhaltend starken Regens schlägt der WWF Alarm. Und da Österreich laut der Umweltschutzorganisation auch künftig verstärkt von Hochwasserereignissen wie dem aktuellen bedroht sein wird.

"Doch statt unseren Flüssen durch Uferaufweitungen wieder mehr Platz für freie Überschwemmungsflächen zurückzugeben, werden diese oft mit noch mehr Kraftwerken zugebaut“, schimpft Flussexperte Christoph Walder. Damit Österreichs Fließgewässer ihre naturnahen Funktionen wie den Hochwasserschutz wieder umfassend erfüllen können, müssten ihnen insgesamt 84.000 Hektar zurückgegeben werden, errechnete der WWF in einer Studie „Jeder Hektar zählt“. Ein Jahrhunderthochwasser wie das aktuelle – das zweite innerhalb von zehn Jahren - ist nicht zu vermeiden, aber gesunde Ökosysteme würden die Auswirkungen abfedern, so der WWF.

16 Fussballfelder pro Tag werden täglich versiegelt

Der WWF setzt sich für einen ökologischen Hochwasserschutz ein. Dafür sind großflächige Verbesserungen des Flussbeetes, Flächen zu schaffen, in den sich der Fluss ausbreiten kann, und die Förderung von naturnahen Lebensräumen in den Einzugsgebieten ebenso wichtig wie eine konsequente Raumordnungspolitik. Derzeit gehen in Österreich pro Tag acht Hektar Fläche durch die Versiegelung der Landschaft verloren, das entspricht einer Fläche von 16 Flussballfeldern. Viele dieser Flächen liegen in Flusstälern, und würden für den ökologischen Hochwasserschutz gebraucht werden. „Österreich muss sich zunehmend der Anpassung an veränderte Klimabedingungen widmen, und zwar langfristig und über die gesamte Bundesfläche hinweg“, so Walder. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die Politik rasch und effektiv reagiert.

Warnung vor starker Zunahme der Niederschläge bereits 2006

Bereits im Jahr 2006 war eine Studie der Universität für Bodenkultur im Auftrag des WWF zum Ergebnis gekommen, dass im Alpenraum durch den Klimawandel mit einer starken Niederschlagszunahme in den Wintermonaten und mit intensiverem Regen im Sommer zu rechnen sein wird. „Diese Situation ist nun eingetreten. Mit der Wirtschaftskammer Österreich hatte der WWF 2006 eine Offensive für ein modernes Hochwassermanagement zum Schutz des Lebens- und Wirtschaftsraumes gestartet.

WWF fordert ein Hochwasserschutzprogramm

Vor allem an bereits stark verbauten und kanalisierten Flüssen sollten ehemalige Auenlandschaften wieder hergestellt werden und dadurch mithelfen Hochwasser zu entschärfen. „Es ist zwar Einiges passiert, aber nun muss die Chance ergriffen werden, ein Bundeshochwasserschutzprogramm zu initiieren“, regt Walder an. „Die ökologischen Aspekte müssen in der Planung von laufenden Hochwasserschutzprojekten noch deutlicher berücksichtigt werden.“ Der WWF ist gerne bereit, hier sein Know-How einzubringen.

Durch Dämme entstehen absurde Situationen

Wenn weiterhin nur auf Dämme als Allheilmittel gegen Hochwasser gesetzt wird, entsteht vielerorts die absurde Situation, dass natürliche Auwälder abgedämmt werden und dadurch ihre Funktion verlieren flussnahe Siedlungen vor Hochwasser zu schützen. Zeitgemäße Konzepte geben dem Fluss deshalb oberhalb von Siedlungen mehr Raum, wo immer dies möglich ist, damit die Hochwasserwellen abgedämpft werden.

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