Gerald Hörhan: Der „Investment-Punk“ geht wieder auf Verkaufstour

Gerald Hörhan: Der „Investment-Punk“ geht wieder auf Verkaufstour

Es ist wieder soweit: Der österreichische Autor und selbsternannte „Investment-Punk“ Gerald Hörhan dreht seine Runden durch Redaktionen, TV-Shows, Diskussionen und Presseaussendungen. Der Grund dafür ist, dass er ein neues Buch auf den Markt gebracht hat und entsprechende Aufmerksamkeit braucht.

Tatsächlich ist Hörhan ein typischer Vertreter jener Spezies, die die Medien umschwirren wie Motten das Licht: Ständig haben sie etwas zu sagen, immer wollen sie kontrovers wirken, andauernd haben sie einen griffigen Slogan parat. Hörhans Verkaufsschmäh: Er geriert sich als unangepasster, unbequemer Finanzexperte, der gerne den Nadelstreif gegen Nietengürtel und Doc-Martens-Schuhe tauscht. Für die Journalisten, die sonst mit braven Anzugträgern und Konzern-Konformisten zu tun haben, ist das ein echtes „Huch!“-Erlebnis und meist schon Grund genug, den verkaufsfördernden Maßnahmen von Hörhan Gehör und Raum zu schenken. Diesem reichte es offenbar, bei Google nach den Begriffen „Punk“ und „Outfit“ zu suchen und sich dann im Second-Hand-Laden mit entsprechendem Material einzudecken – schon war der „Punk“ geboren.

Wer aber ist dieser Gerald Hörhan wirklich? In Aussendungen seines Verlags wird man nicht müde, seine bisherigen Stationen als Harvard-Absolvent, Mathematiker und Vorstand einer Finanzberatungsfirma zu betonen. Auch Mitarbeiter von McKinsey und Analyst von JP Morgen soll er gewesen sein. Doch irgendwann geschah dann offenbar die Wandlung: Plötzlich lässt sich Hörhan als „Punk“ fotografieren, mit Kette, buntem T-Shirt und Martens-Schuhen. Vom braven Kapitalismus-Anhänger zum rebellischen Aussteiger? Ganz so eindeutig ist die Sache indes nicht, denn er bleibt dem Finanzgeschäft verbunden – bis heute. Als Vorstand der Pallas Capital ist Herr Hörhan als (Zitat Pallas-Website) “rechte Hand des Mittelstandes“ täig und hilft „bei schwierigen und nicht ganz alltäglichen finanziellen Angelegenheiten in Ihrem Unternehmen“ . Das Unternehmen, das im Haus der alten Wiener Börse untergebracht ist, wirkt auch gar nicht wie eine bessere Punk-WG, sondern pflegt als “Aktiengesellschaft mit österreichischen Wurzeln (…) hervorragende Kontakte zu Banken, Investoren, Anwälten, Wirtschaftsprüfern etc. rund um den Erdball.“ Wandlungsfähig ist Hörhan jedenfalls: Auf dem Foto seiner Finanz-Website hat er das Rebellen-Outfit wieder gegen das Banker-Gewand getauscht.

Scheitern ist erlaubt

Vor der Zeit als Nebenbei-Punk und Finanzberater war Hörhan schon mal unangenehm aufgefallen – auch der Finanzmarktaufsicht (FMA). Wie unter anderem das profil berichtete, setzt die Wiener Börse im Oktober 2011 Genussscheine seiner Life Settlement Holding AG (früher M&A Life Settlement Holding AG) vom Handel aus, denn die FMA hatte Untersuchungen wegen des Verdachts auf unerlaubte Bankgeschäfte eingeleitet. Kein Problem für Hörhan, der Anfang des Jahres als „Multimillionär“ auf dem deutschen Sender ProSieben auftauchte, um dort Geldtipps zu geben. Was zeigt, dass Scheitern in Österreich doch erlaubt ist: Hörhan war unter anderem auch Vorstand des spektakulären Internet-Scheiterhaufens webfreetv gewesen, auch der von ihm betreute Börsegang eines obskuren „Saunaclubs“ in Wien war eher ein Fall für die Chronikseiten als für die Finanzberichterstattung.

Aber das ist Vergangenheit, die Zukunft gehört den Aufmüpfigen – oder die, die sich als Aufmüpfige verkaufen. Für sein neuestes Buch, das den Titel „Null Bock Komplott“ trägt, hat sich Hörhan unter anderem den Widerstand gegen die Obrigkeit als Prämisse ausgesucht – kein schlechter Verkaufstrick angesichts ähnlicher Bewegungen, die irgendwo zwischen neoliberalem Befreiungsschlag und obskuren Initiativen, hinter denen industrielle Interessen stecken, liegen. Hörhan hat sogar ein „Manifest“ gegen den Kontrollstaat ins Leben gerufen, das in einem handgestrickten YouTube-Video beworben wird. In seinem Buch argumentiert der harte Punker Hörhan gegen die „Weicheier“ in den Unternehmen und in der Gesellschaft. Das sind für ihn etwa Leute, die sich ein iPhone kaufen oder sonstwie „artig“ sind .

Weicheier und Faule

Weicheier und Manifeste reichen aber nicht aus, um beispielsweise in Deutschland das Buch bewerben zu können. In der Trickkiste fand sich dafür die Kunstform des "Rankings", auch bei Journalisten ein beliebter Trick, um Beliebigkeiten aller Art unters unbedarfte Volk zu bringen. Hörhan hat also (Zitat) “gemeinsam mit anderen Mathematikern“ eine Wertung der „faulsten Städte Deutschlands“ erstellt. Dazu hat er nach eigener Angabe Daten wie BIP oder Schulabgänger verwendet. Faulste Stadt im Nachbarland ist demnach Gelsenkirchen, gefolgt von Herne und Duisburg . Leider wurde das sogenannte Ranking nur von unbedeutenden Medien willenlos übernommen, die FAZ beispielsweise hat das Spiel gleich durchschaut .

Neue Verbündete

Für seine jüngste Publikation hat sich Hörhan auch neue Verbündete gesucht – nämlich ein “Austrian Economics Center“ , das derzeit ganz massiv für sein „Null Bock“-Buch wirbt. Im „Scientific Board“ des rechtsliberalen Think-Tanks findet sich etwa Novomatic-CEO Franz Wohlfahrt. Es handelt sich dabei um einen Ableger des Friedrich A. v. Hayek-Instituts. Fixer Bestandteil dieser "Institutionen" ist unter anderem Barbara Kolm, eine ehemalige FPÖ-Gemeinderätin in Innsbruck. Natürlich hat Hörhan die „Botschaft“ seines neuen Buches an das angepasst, was seine Nationalökonomie-Freunde gerne hören: “Derzeit haben wir eine sehr seltsame Umverteilung:
von 'fleißig zu faul', von 'reich-fleißig' zu 'reich-faul' bzw. von 'arm-fleißig' zu 'arm-faul'. Das ist gefährlich, weil Leistung nicht mehr belohnt, sondern bestraft wird. Daher besteht die große Gefahr, dass heute die Weicheier und Bürokraten gewinnen, die Leistungsträger unserer Gesellschaft im Gegenzug verlieren werden.“
(Zitat Hörhan aus einer Aussendung des Austrian Economics Center ).

Das lässt beim „Punker“ Begehrlichkeiten an andere Länder und vielleicht auch andere Zeiten aufkommen. Zitat: "Ich bin kein Freund von Diktaturen, aber derzeit ist es teilweise so, dass in gewissen Diktaturen eine größere Rechtssicherheit und eine größere wirtschaftliche Berechenbarkeit bestehen als in Europa."

Fix ist: Der kurzfristige Aufmerksamkeitseffekt ist auch diesmal gegeben. Zumindest bis zum nächsten Buch.

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