Gastronomie mit System: Vapiano auch in Österreich ohne Betriebsräte

Gastronomie mit System: Vapiano auch in Österreich ohne Betriebsräte

"Lockeres und gelassenes" Lebensgefühl aus Italien will das deutsche Gastroketten-Unternehmen Vapiano transportieren. Betriebsräte werden dafür nicht benötigt - auch nicht in Österreich, wo Vapiano derzeit schon sieben Filialen hat.

Der deutsche Systemgastronom Vapiano, mit sieben Standorten in Österreich vertreten, hat auch hierzulande keine Betriebsräte. Das bestätigte die Gewerkschaft Vida auf Anfrage. "Uns liegen aber (im Gegensatz zu Deutschland, Anm.) derzeit keine Beschwerden seitens der Belegschaft vor", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Sollten Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollen, bot er "gewerkschaftliche Unterstützung" an.

Die Lokalkette, die das "lockere und gelassene" Lebensgefühl Italiens anpreist, soll in Deutschland die Gründung eines Betriebsrates verhindert haben. "In Österreich braucht es Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollen, dann unterstützt die Gewerkschaft gerne", so der Vida-Sprecher. Die Kette funktioniert über ein Franchise-Modell, wie große Fast-Food-Anbieter. Gesucht werden Innenstadtlagen in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern erster und zweiter Kategorie. Als Nachbarn wünscht man sich "exklusive Geschäfte, hochwertige Boutiquen, viele Büros für das Tagesgeschäft und idealerweise Gastronomie, Unterhaltung (Theater, Kinos usw.) sowie ein gutes Wohnumfeld für das Abendgeschäft".

Der Hintergrund: Die deutsche Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat nach Informationen von "Welt Online" am vergangenen Freitag bei der Staatsanwaltschaft Bochum Strafantrag gegen das Gastronomieunternehmen Vapiano wegen massiver Behinderung von Betriebsratswahlen eingereicht. In Bochum wollten demnach drei Mitarbeiter im Jänner einen Betriebsrat gründen. Nach ihren Angaben wurden sie dabei von der Unternehmensleitung stark behindert. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, Vapiano habe die drei Beschäftigten zunächst mit besseren Gehältern und Arbeitsbedingungen von ihrem Vorhaben abbringen wollen. Als diese ablehnten, soll es zu Einschüchterungsversuchen in der gesamten Bochumer Belegschaft gekommen sein. Am 31. Jänner wurde der Wahlvorstand, der eine spätere Betriebsratswahl organisiert, dennoch gewählt.

Vapiano beantragte wenige Tage später den Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht Bochum, der die Betriebsratswahl stoppen sollte, scheiterte jedoch damit. Einen Tag später kündigte Vapiano zwei Mitgliedern des inzwischen fünf Mitglieder umfassenden Wahlvorstands fristlos, darunter der Vorsitzenden. "Auch dem verbliebenem Wahlvorstand macht Vapiano das Leben extrem schwer", sagte ein Gewerkschafter "Welt Online".

So habe das Unternehmen zwei Monate nach der Vorstandswahl weder Räumlichkeiten noch Sachmittel für seine Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen. Weil das Vorgehen von Vapiano nach Ansicht der Gewerkschaft NGG und des Wahlvorstands den Straftatbestand der Behinderung der Betriebsratswahl erfüllt, stellen nun beide Strafantrag. Der Wahlvorstand des Vapiano-Betriebs Bochum reichte am vergangenen Donnerstag Klage ein, die NGG folgte einen Tag später.

Vapiano weist die Vorwürfe zurück. "Für Vapiano ist die Arbeit von Betriebsräten wichtig", teilte das Unternehmen "Welt Online" mit. "Und aus diesem Grunde werden wir uns nie gegen die Einrichtung eines Betriebsrates stellen." Allerdings sei das Wahlverfahren im Vapiano Bochum nicht ordnungsgemäß vor sich gegangen. Viele Mitarbeiter hätten nicht am Wahlvorgang teilnehmen können, obwohl sie sogar schriftlich dargelegt hätten, wie wichtig ihnen die Teilnahme sei. "Wäre dieser Vorgang nach dem Betriebsverfassungsgesetz abgelaufen, hätten wir keinerlei Veranlassung gesehen, etwas zu unternehmen", erklärte Vapiano.

Das Unternehmen betreibt weltweit mehr als 100 Restaurants, teils als Franchisegeber, teils in Eigenregie. In den von Vapiano in Eigenregie betriebenen Restaurants in Deutschland gibt es bisher keinen Betriebsrat.

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