Fußball: Die Liga im Wirtschafts-Check

Fußball: Die Liga im Wirtschafts-Check

Saisonstart im österreichischen Fußball: Die Problemzonen und Hoffnungsfelder der wichtigsten Sportart.

Am Samstag startet die Saison 2012/13 der österreichischen Fußball-Bundesliga mit dem Spiel Sturm Graz gegen Red Bull Salzburg (16 Uhr). Favorit auf den Meistertitel ist Titelverteidiger Salzburg – vor allem wegen des im Vergleich zur Konkurrenz überbordenden Budgets. Zwar gibt es keine offiziellen Angaben der Vereine zu ihren Saisonbudgets, doch inoffiziellen Schätzungen zufolge dürften die finanziellen Mittel der Salzburger dank ihres Mäzens Dietrich Mateschitz ungefährt das Doppelte der Wiener Klubs Rapid und Austria betragen.

Die letzten Zahlen stammen aus der Saison 2010/2011 - die Klubs müssen Umsatz, Eigenkapital, etc. an den KSV melden.

Hier die Daten zu den Top 5 der österreichischen Liga:
Tabelle ansehen

Im internationalen Vergleich sind freilich sogar die Salzburger arme Würstchen. Überhaupt ist die österreichische Liga im Vergleich zu den großen Ligen wie erwartet nicht weiter auffällig – schon gar nicht beim Umsatz:

GRAFIK: Umsatz europäischer Ligen im Vergleich

Das ist nicht weiter verwunderlich – auch die Schweizer Liga liegt beim Umsatz ungefähr auf Augenhöhe mit der österreichischen. Und natürlich sind Österreichs Vereine nicht mit den englischen, deutschen oder italienischen Klubs zu vergleichen.

Strukturproblem

Ein Problem ist das nicht; alleine die Bevölkerungszahl verhindert einen anderen finanziellen Status der Liga. Ein Problem ist allerdings die Struktur der Liga, genauer gesagt die Einnahmequellen: Kaum ein anderer Fußballbewerb ist so sehr vom guten Willen von Sponsoren und anderen Fußball-Liebhabern abhängig wie der in Österreich. Hierzulande kommen nämlich mehr als die Hälfte der Einnahmen der Klubs aus dem Sponsoring, wobei in manchen Fällen – siehe Red Bull – eher der Begriff Mäzenatentum angebracht wäre. IN Österreich macht Sponsoring nur rund 27 Prozent aus-

Diese Bedeutung der Sponsoren führt einerseits zu einer Anhäufung mehr oder weniger lustiger Vereinsnamen (der Aufsteiger nennt sich „RZ Pellets WAC“) und der Verunstaltung der Dressen mit –zig Aufklebern. Anderseits bedeutet diese Abhängigkeit von den Geldgebern, dass die Klubs nicht als unabhängige wirtschaftliche Einheiten agieren können, auch wenn das die Klubmanager stets behaupten. Und es macht sie empfänglich für politische Gefälligkeiten. So ist gerade in Wien die Nähe der beiden Vereine Rapid und Austria zur Politik sichtbar. Zuletzt kam wieder Rapid in den Genuss: Der Gemeinderat der Stadt hatte im eine Förderung von 26,4 Millionen Euro beschlossen, davon werden knapp 18 Millionen Euro für die Modernisierung des Hanappi-Stadions verwendet.

Planen ist schwierig

Die Abhängigkeit von Sponsoren macht „normales“ Wirtschaften und vor allem Planen schwierig. Eher hangeln sich die Klubs von Jahr zu Jahr. Besonders niedrig ist in Österreich auch der Faktor TV-Einnahmen, der nur rund zehn Prozent ausmacht. Auch die Zuseherzahlen sind im Europa-Vergleich mickrig – auch das zeigte eine FORMAT-Grafik:

Zuschauerzahlen im Europa-Vergleich

Auch das nicht weiter verwunderlich, sind die Klubs doch in einem Teufelskreis gefangen: Den Ausbau von Stadien können sie sich nicht leisten, doch um mehr Fans und vor allem neue Zielgruppen (mehr Familien etwa) anzusprechen, braucht es eine gute Infrastruktur. Der Fußballfan ist anspruchsvoll geworden, zumal die Auswahl an TV-Programm zu dieser Sportart in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Ein wirklich gutes Stadion steht übrigens in Klagenfurt, doch mangels eines entsprechenden Erstligaklubs wird es selten bis gar nicht für den Fußball genutzt – auch das ein Beispiel für die ungute und typische österreichische Verbindung aus Sport und Politik.

Abhängigkeit von Sponsoren, schlechte Infrastruktur, vergleichsweise wenig Zuseher, geringe TV-Einnahmen – gibt es dennoch positive Signale vom österreichischen Fußball. Ja, gibt es: Die Nachwuchsarbeit der Klubs ist sehr gut; die meisten Vereine haben verstanden, dass sie damit langfristig ihre Personalkosten niedrig halten können. Denn Eigenbau-Spieler sind billiger als teure Zukäufe und nach Österreich kommt sowieso nur zweit- bis drittklassige „Ware“. Heuer sind nur noch 52 ausländische Spieler in Österreichs Bundesliga beschäftigt, die meisten davon bei Salzburg (14), obwohl der Klub eine Österreich-Welle angekündigt hatte.

Im europäischen Vergleich sind die österreichischen Klubs zwar bescheiden, stehen aber finanziell immerhin ganz gut da. Von den 20 Premier League-Klubs in England habe nur acht im Vorjahr einen Gewinn erzielt; Meister Manchester City ist mit einem Verlust von 82 Millionen Pfund überhaupt das Negativbeispiel – dank der Millionen aus den Emiraten scheint das die Klubverantwortlichen aber nicht zu stören. In Österreich scheint dagegen die wirtschaftliche Vernunft einzukehren – heuer wurde (noch) nicht im großen Stil eingekauft.

Es ist dennoch ein Drahtseilakt für die Klubs: Um in Europa sportlich und auch wirtschaftlich nicht den Anschluss zu verlieren, braucht es langfristig gute Konzepte abseits von Sponsoren, Mäzenen und Politik.

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