Frauentag im Zeichen von Reißverschluss und Quote

Frauentag im Zeichen von Reißverschluss und Quote

Zum 103. Mal wird am 8. März der Internationale Frauentag begangen, um einmal mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung zu thematisieren. Auch die ÖVP-Frauen fordern mittlerweile Quotenregelungen für den Arbeitsmarkt – auch wenn sie das Kind nicht beim Namen nennen wollen.

Parteien und Organisationen begehen den Frauentag am 8. März mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Nachdem das Datum in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, finden die meisten bereits im Vorfeld statt. Das Open House im Frauenministerium steht im Zeichen der EU-Wahl.

Die ÖVP-Frauen veranstalten am 7. März an der Politischen Akademie ein Symposium zum 100. Todestag der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Hauptreferentin ist die frühere Außenministerin und nunmehrige Botschafterin Ursula Plassnik, geladen ist auch Rudolf Kinsky, ein Nachfahre Suttners. Abgesehen davon steht bei den VP-Frauen im Jahr 2014 die Frauengesundheit im Zentrum, erklärte Bundesleiterin Dorothea Schittenhelm. Sie pochte etwa "bei allen Sparmaßnahmen" auf den Ausbau von Vorsorgeprogrammen.

Schittenhelm: Reißverschluss muss kommen

ÖPV-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm will sich in der Partei weiterhin für ein Reißverschlusssystem bei der Listenerstellung einsetzen, um die Platzierung von Frauen auf wählbaren Plätzen sicherzustellen. Sollte sich dieses beim Parteitag im nächsten Jahr nicht ohnehin in einem Leitantrag finden, werde sie selbst aktiv: "Wir werden diesen Antrag stellen, auch wenn wir damit untergehen."

Kritik übte sie an den Einkommensberichten, die für mehr Transparenz und schließlich eine geringere Lohndifferenz zwischen Männer und Frauen sorgen sollen: "Es ist nicht das richtige Mittel." Sie fordert einen "Gendercheck" durch die Arbeiterkammer, die die Lohnstruktur bewerten sollte. Dies könnte man "durchaus" mit einer Zertifizierung für Betriebe verbinden, findet Schittenhelm. Die Ausweitung der Einkommensberichte auf kleine Firmen - ein Vorschlag von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) - könne diskutiert werden. Schittenhelm befürchtet dadurch allerdings eine "Neiddebatte". Sie pocht generell auf eine Neubewertung der Arbeit.

"Die eigentliche Schande ist, dass wir uns damit befassen müssen", empört sich die ÖVP-Frauenchefin über die Einkommensschere: "Ich fasse es oft nicht. Wir schreiben das Jahr 2014." Verpflichtende Frauenquoten - Schittenhelm spricht lieber von Reißverschlusssystem, da die Quote negativ besetzt sei - brauche es, denn "auf normalem Weg kommen sie nicht in Spitzenpositionen".

SPÖ: 40 Prozent Frauenanteil „bis auf ein paar Ausreißer“

Bei der SPÖ gilt dieses Prinzip schon seit Längerem. Die parteiinterne 40 Prozent-Quote mit Reißverschlussprinzip bei der Listenerstellung werde "bis auf ein paar Ausreißer" erfüllt, so Andrea Brunner, die neue Bundesgeschäftsführerin der SPÖ-Frauen. Und: "Nachschärfen kann man immer." Vorerst soll man jedoch schauen, wie sie funktioniert. Für die Privatwirtschaft rechnet Brunner damit, dass eine Frauenquote per Stufenplan umgesetzt wird. Dies werde jedoch mit den Sozialpartnern zu verhandeln sein. Ebenso wie der Papa-Monat in der Privatwirtschaft, auf dessen Umsetzung Brunner hofft: "Das ist so ein wichtiges Thema für Heinisch-Hosek, und ich glaube Familienministerin Sophie Karmasin ist zugänglich für die Argumentation." Dementsprechend zuversichtlich zeigte sie sich.

Den im Zuge der neuen Regierungsbildung erfolgten Zusammenschluss des Frauen- und des Bildungsministeriums verteidigt Brunner, sieht sie darin viel eher eine "gute Kombination": "Ich glaube, dass es positiv zu sehen ist, es gibt gute Fusionsmöglichkeiten."

Bei den SPÖ-Veranstaltungen zum Frauentag steht die Europawahl im Zentrum. Unter dem Motto "Europa. Gut für die Frauen. SPÖ" werden die SPÖ-Frauen in ganz Österreich bei Straßenaktionen zu Gesprächen einladen. In allen Bundesländern sind weitere Veranstaltungen wie Lesungen, Kabarett, Live-Musik oder Diskussionen geplant. Die SPÖ-Bundesfrauen organisieren ein Gedenken an die Sozialdemokratinnen Rosa Jochmann, Hertha Firnberg und Johanna Dohnal bei den Ehrengräbern am Wiener Zentralfriedhof am 5. März. Am 7. März hissen sie die Frauentagsfahne bei der SPÖ-Bundesgeschäftsstelle, und anschließend steht SPÖ-Frauenvorsitzende und Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek in einem Live-Chat für Anfragen zur Verfügung. Am Frauentag selbst findet in St. Pölten eine Straßenaktion am "Europaplatz", dem Herrenplatz, statt.

Finanzen, Gewalt und Solidarität

Die FPÖ lädt anlässlich des Frauentags wieder zu einer Podiumsdiskussion ins Palais Epstein. In diesem Jahr steht das Thema "Frauen und Finanzen" im Mittelpunkt. An der Veranstaltung am 6. März nehmen Experten zu Finanzthemen ebenso wie Klubobmann Heinz-Christian Strache teil, kündigte Frauensprecherin Carmen Gartelgruber an.
Grünen-Frauensprecherin Berivan Aslan präsentiert am 7. März bei einer Pressekonferenz eine Studie über die ökonomischen Auswirkungen von Gewalt an Frauen: Der Staat könnte sich Geld sparen, würde ausreichend in Präventionsarbeit investiert. Ab 6. März sind die Grünen in allen Wiener Bezirken unterwegs unter dem Motto "Frauenwege". Da nur drei Prozent der öffentlichen Straßen und Plätze nach Frauen benannt sind, werden die Grünen exemplarische Straßennamen hernehmen und Vorschläge für Umbenennungen machen.

Auch die NEOS sind am Frauentag aktiv. So findet am 8. März in der Greißlerei Innsbruck ein "Solidaritäts-Brunch" mit der EU-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar statt. Am 21. März findet dann in Wien eine Podiumsdiskussion statt. Auch hier steht die "Solidarität in Frauennetzwerken" im Zentrum. Unter den Diskutanten ist die Wiener Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger. Das Team Stronach plant keine Veranstaltungen zum Frauentag, es wurde auf eine Aussendung verwiesen. Zu einer Medienaktion lädt hingegen die Plattform 20.000 Frauen am 7. März.

Tag der Frauenrechte seit 1911

Der Frauentag spiegelt sich auch im Programmangebot des ORF auf allen Fernsehsendern, im Radio und Online wider. Filme, Reportagen und Dokumentationen über starke weibliche Persönlichkeiten wie "Universum History: Nancy Wake - Gejagt von der Gestapo", "dok.film: Forbidden Voices - Revolutionärinnen im Netz" oder "Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum" werden ausgestrahlt. Ö1 präsentiert ab 3. März einen 14 Sendungen umfassenden Schwerpunkt zum Internationalen Frauentag.

Der Internationale Frauentag für mehr Chancengleichheit wird dieses Jahr zum 103. Mal begangen. Zurück geht die Einrichtung des Frauentags auf einen Streik von Textilarbeiterinnen 1908 in den USA. Laut den Vereinten Nationen haben dabei Frauen in New York gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert. Am 19. März 1911 fand in Wien die erste große Demonstration für die Rechte der Frauen statt.

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Wirtschaft

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Politik

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Slideshow
Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich

Wirtschaft

Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich