Frank Stronach und sein Rückzug: Ein Milliardär auf Irrwegen

Frank Stronach und sein Rückzug: Ein Milliardär auf Irrwegen

Am Dienstag wird Frank Stronach sein Nationalratsmandat zurücklegen und damit seine Politiker-Karriere in Österreich wieder beenden. Der Rücktritt, der sich in eine lange Liste Aufsehen erregender Stronach-Pleiten reiht, stürzt das Team Stronach ins Chaos.

Dass es in einem Team schwierig ist, wenn man nicht sagen kann, was der Chef gerade ausheckt, kann sich jeder vorstellen. Ein Lied davon können viele Stronach-Wegbegleiter und Mitarbeiter der letzten Jahrzehnte singen. Die Vertreter der Österreichischen Bundesliga, Sportler und Trainer wie Toni Polster und nun auch die Politiker des Nationalrats.

Morgen, Dienstag, wird Frank Stronach seinen Rückzug aus dem Parlament bekannt geben, sein Nationalratsmandat zurücklegen und damit einen Schlussstrich unter seine Politiker-Karriere ziehen. Verstehen kann das erratische Verhalten des Kurzzeit-Politikers kaum jemand. Selbst in seiner Partei, dem erst 2012 gegründeten Team Stronach, hat man Probleme mit dem Verhalten des Parteichefs, der seit der Nationalratswahl im Herbst eigentlich Bundeskanzler sein wollte. Daraus wurde nichts, und daher hat Onkel Frank wieder genug von Österreich und seiner Politik.

Die Zukunft seiner Partei, die in den vergangenen Wochen bereits Auflösungserscheinungen zeigte, ist ungewiss. Sogar deren Name: Wird sie weiter "Team Stronach" heißen oder etwa "Team Ertlschweiger", nach dem Namen des burgenländischen Landesparteichefs und designierten politischen Stronach-Erben Rouven Ertlschweiger? Oder wird sie sich in Bundesländer-Fraktionen aufspalten und damit bundesweit in die Bedeutungslosigkeit abstürzen? Die Partei fällt mit dem Abschied ihres Schirmherrs, der bisher mit seinen Millionen alles geregelt hat, jedenfalls ins totale Chaos.

Viel heiße Luft und leere Versprechungen

Im Prinzip wäre das auch egal, hätte das Team Stronach nicht bei der Nationalratswahl 2013 elf Mandate errungen und damit einen erheblichen Einfluss auf die Politik im Lande. Überrascht sollte jedenfalls niemand sein, denn der schwierige Stronach-Rücktritt reiht sich nahtlos in eine Serie mit viel Trara angekündigter Projekte ein, von denen viele letztlich nur heiße Luft und leere Versprechungen waren.

"Wer das Gold hat, macht die Regeln" ist einer von Frank Stronachs schlauen Sagern. Der Selfmade-Milliardär redet sich leicht, mit einem Vermögen von rund 3,9 Milliarden Euro zählt Stronach zu den reichsten Österreichern. In den 1960er-Jahren gründete er den Autozulieferer Magna, mit Armaturen, Bremsen und anderem Zubehör begann der Aufstieg des Unternehmers. Das ist zweifellos ein Erfolg, den man ihm anrechnen muss. Stronach gehört damit zu den bedeutendsten österreichischen Unternehmern der Nachkriegszeit. Niemand sonst ist es in dieser Zeit gelungen, einen Weltkonzern zu gründen und aufzubauen. Die anderen Projekte, die Stronach verfolgt hat, brachten ihm hingegen weniger Glück: Allzu oft erwiesen sich seine Pläne als Flops, Firmenübernahmen platzten und politische Ziele wurden verfehlt.

Sein erster Ausflug in die Politik: "Let's be frank"

Den umtriebigen Unternehmer reizte schon vor einem Vierteljahrhundert die Politik. 1988 kandidierte er mit dem Slogan "Let's be Frank!" für die kanadische Liberal Party. Trotz des gelungenen Wahlkampfmottos und des vielen Geldes, das Stronach in den Wahlkampf steckte scheiterte er jedoch am Gegenkandidaten der Konservativen, einem Optiker. Nach der Wahl zog sich Stronach wieder an die Spitze des Magna-Konzerns zurück.

Jodel-Drink bleibt Ladenhüter

2007 wollte der Austrokanadier Red Bull Gründer Dietrich Mateschitz kopieren und mit seinem eigenen Energy Drink punkten. Gretl, Liesl und andere Schönheiten in Dirndln bewarben in Nordamerika seine Limonade "Frank's Energy Drink". "Keeps you yodeling all night long" versprach das Getränk, das auch in den Geschmacksrichtungen Ananas und Limette angeboten wurde. Doch aus dem Plan "Being Mateschitz" wurde nichts. Die Brause konnte keine ernsthafte Konkurrenz für Red Bull werden und es hatte sich schnell wieder ausgejodelt: Das Zuckerwasser in der Dose floppte, blieb ein Ladenhüter und war bald wieder in der Lederhose verschwunden.

Zweiter Anlauf mit "Team Stronach"

24 Jahre nach seiner ersten Kandidatur zog es Stronach wieder in die Politik: Um Östererich zu reformieren, kündigte er 2012 die Gründung einer eigenen Partei an. Das "Team Stronach" wurde im September 2012 ins Leben gerufen. Und Stronach wollte die Partei wie sein Unternehmen führen - ohne, das ihm jemand dreinredet. Der Chef war er, und er ließ das in den Statuten festhalten. Er ließ als Obmann bestimmen: Die Partei wird nach außen vom Obmann alleine vertreten. Und mit §8.4 der Parteistatuten knebelte Stronach die Partei bis zu seinem Tode an seine Person. Darin heißt es:

"Der jeweilige Obmann ist berechtigt, für den Fall seines Ausscheidens aus der Partei aus welchem Grund auch immer, zu Lebzeiten eine Person aus dem Kreis der Gründungsmitglieder zu bestimmen, die bis zur Wahl eines neuen Obmannes mit allen Rechten und Pflichten, die mit der Funktion des Obmannes verbunden sind, an die Stelle des ausscheidenden Obmannes tritt."

Innerhalb von nur 16 Monaten demontierte Stronach seine Partei selbst: Er feuerte seinen Klubobmann und einige Landeschefs , drehte den Geldhahn zu und sorgte mit fragwürdigen Aussagen zum Thema Todesstrafe für Irritationen. Die Krone des Ganzen: Die Universität Graz kürte "frankschämen" zum Wort des Jahres 2013.

Jetzt sollte Schluss mit den Irritationen sein. Der 81-jährige Austrokanadier und Selfmade-Milliardär hatte nur an zwei Parlamentssitzungen teilgenommen.

Gigantomanie im Süden Wiens

Neben den Ausflügen auf das politische Parkett machte Stronach auch mit einigen gescheiterten Großprojekten von sich reden. Auf einem 250 Hektar großen Gelände in Ebreichsdorf sollte ein Themen- und Freizeitpark entstehen - mit einer 80 Meter hohen und begehbaren "Weltkugel". Ursprünglich hätte das Riesenprojekt sogar im Wiener Prater entstehen sollen.

Die Wiener wollten die Riesenkugel nicht - die Behörden machten ihm einen Strich durch die Rechnung - und auch in Ebreichsdorf konnte man sich mit der "World of Wonder"-Kugel nicht anfreunden. Wegen Anrainer-Protesten wurde sie zuerst geschrumpft und schließlich überhaupt nicht realisiert. Ebensowenig wie ein neues Fußball-Stadion samt Einkaufszentrum, dass Stronach der Austria Wien in Rothneusiedl versprochen hatte. In Wiener Neustadt sollte ein weiteres Stadion für 10.000 Zuseher plus Trainingszentrum entstehen. Auch das wurde nie gebaut.

Magna Racino: Besucher blieben aus

Stattdessen suchte Stronach Trost bei seinen Lieblingstieren, den Pferden. Wieder in Ebreichsdorf - das nur einen Steinwurf von der Magna-Europa-Zentrale in Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) entfernt ist - sollte für rund 75 Millionen Euro das modernste Rennbahn- und Eventcenter Europas errichtet werden. 60 Renntage pro Jahr waren angesetzt, 136 Arbeitsplätze sollten geschaffen werden. Zehn Jahre danach rennen die Pferde aber nur noch zehnmal jährlich. Die Pferderennbahn entpuppte sich als finanzielles schwarzes Loch, in dem Stronach Millionen versenkte. Auch das Vorhaben, einen eigenen TV-Wettkanal zu etablieren floppte. Österreich entpuppte sich für Stronach immer mehr zum Land der begrenzten Möglichkeiten.

Engagement im Fußball

Legendär ist auch das Engagement des Magna-Gründers für den österreichischen Fußball. Dessen Ursprung der Legende nach darauf zurückgeht, dass Stronach mit seinem Freund Rudolf Streicher im Flugzeug saß und beim Landeanflug auf Wien das hell erleuchtete Ernst-Happel-Stadion sah. Stronach gab Streicher darauf das Versprechen, dass die Austria Wien in spätestens fünf Jahren Europacup-Sieger sein werde. Er selbst wollte dafür sorgen. Der österreichischen Nationalmannschaft prophezeite er gar den WM-Titel 2006.

Aus dem Europacup-Sieg ist nichts geworden, aus dem Weltmeister-Titel leider ebenso wenig. Aber zumindest ist Stronach im Fußball gelungen, was ihm in der Politik verwehrt blieb: Er wurde Präsident. Zunächst bei der Austria Wien, wo er sich mit einem Zehn-Millionen-Schilling-Scheck einkaufte, und dann schließlich auch Präsident der Österreichischen Bundesliga. Rund 200 Millionen Euro steckte Stronach zwischen 2001 und 2011 in den österreichischen Fußball, davon etwa die Hälfte in die Austria Wien.

Der sportliche Erfolg blieb mit zwei Meistertiteln (2003 und 2006) der Austria Wien und drei Cupsiegen dennoch überschaubar. Erst spät und nachdem er zahlreiche prominente Trainer angeheuert und wieder geschasst hatte, nahm er zur Kenntnis, dass Geld alleine im Sport nicht zum Erfolg führt. Unter anderem fielen der Hire-and-Fire-Politik Stronachs der heutige Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Joachim Löw, Didi Constantini und Christoph Daum zum Opfer. Insgesamt verschliss Stronach alleine bei der Austria zwölf Trainer und bis heute ist keiner von diesen besonders gut auf den Magna-Gründer zu sprechen.

Ein leerstehendes Luxushotel

In Kärnten versuchte sich Stronach auch als Hotelier. Top-Verdiener, Manager und Magna-Kunden wollte Stronach ins Schloß Reifnitz locken. 2005 kaufte er das 1898 erbaute Juwel am Wörthersee und wollte es zu einem 270-Betten-Luxushotel samt 14 Luxusvillen umgestalten. Es flossen zwar etliche Millionen in die Sanierung, doch aus dem Hotelprojekt wurde nichts - eigentlich die Bedingung für den Kaufpreis von 6,4 Millionen Euro. Ein Schnäppchen für die begehrte Lage am Wörthersee, wo heute der Quadratmeter um 3000 Euro gehandelt wird. Danach wurden Vorwürfe laut, Stronach hätte viel zu wenig für das Anwesen bezahlt. Auch von dem Trara rund um sein "Schloss am Wörthersee" hat Stronach offenbar genug. Er soll es an seinen langjährigen Weggefährten Sigi Wolf, den früheren Magna-Manager und jetztigen Aufsichtsratschef von Russian Machines und Aufsichtratsmitglied der Strabag, verkauft haben.

Gescheiterte Firmenübernahmen

Mit seinen Milliarden wollte Stronach auch andere Unternehmen schlucken. Ob Chrysler, Opel, die Voestalpine oder auch die ÖBB: Onkel Frank wollte sie alle schon haben. 2007 scheiterte er in den Verhandlungen mit dem amerikanischen Automobilhersteller Chrysler, 2009 bremste ihn die deutsche Bundesregierung bei der Übernahme von Opel aus. Nach öffentlichen Protesten kam auch der Übernahme-Deal mit dem Linzer Stahlkonzern Voestalpine nicht zustande. Im Sommer 2012 äußerte Stronach im Gespräch mit Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) sogar Pläne, die ÖBB kaufen und sanieren zu wollen.

Niemand kann erahnen, welche Projekte Stronach als nächstes aushecken wird. Zu erwarten ist jedoch, dass der 81-Jährige Milliardär nicht lange in tatenlos in einer seiner Villen in Kanada, Österreich oder sonst wo sitzen wird. Irgendetwas wird der umtriebige Onkel Frank mit seinem Geld sicher wieder anfangen oder kaufen wollen.

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Wirtschaft

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Politik

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Slideshow
Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich

Wirtschaft

Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich