Frank Stronach schießt sich auf Gewerkschaft ein

Frank Stronach schießt sich auf Gewerkschaft ein

Über die "Kronen-Zeitung" lässt Frank Stronach ausrichten, dass er die Arbeitnehmervertretung für nicht mehr notwendig hält. Sein Klubobmann Robert Lugar konkretisiert: "Wir brauchen die Gewerkschaften nicht, sie blockieren doch alles."

Der Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im ÖGB, Wolfgang Katzian, sieht darin autoritäre Ansagen, die die Gewerkschaft in ihrem Einsatz für Demokratie und Freiheit bestärken. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sieht sich in seiner Auffassung bestätigt, dass mit Stronach "kein Staat zu machen ist".

"Frank sorgt selbst für seine Mitarbeiter"

"Keine Regierung, keine Gewerkschaft kann Arbeitsplätze garantieren. Die beste Garantie für Arbeitsplätze ist, wenn Management und Mitarbeiter gut zusammenarbeiten", zitiert die "Kronen-Zeitung" Stronach. Lugar erläutert diese Aussagen: "Frank sieht das so: Die Gewerkschaften brauchen wir nicht - er sorgte ja als Unternehmer immer selbst gut für seine Mitarbeiter." Der Klubobmann will die Gewerkschaften zwar "nicht verbieten, aber zurückstutzen". Er hält sie für "destruktiv, sie blockieren alles, sie sorgen für politischen Stillstand - wie man das jetzt auch wieder sehr gut bei der Lehrergewerkschaft sieht."

Katzian sieht angesichts dieser Aussagen "mangelnde Demokratie und autoritäres Verhalten innerhalb des Teams Stronach". Die Gewerkschaft werde sich "aber allen Versuchen mit Entschiedenheit entgegen stellen, dieses Politikverständnis auf unsere gesellschaftlichen Strukturen auszudehnen", betonte der FSG-Vorsitzende in einer Aussendung.

"Angesichts der sich verschärfenden sozialen Krise in der Europäischen Union sehen es manche Unternehmer und ihre politischen Handlanger offenbar verlockend, die Kraft der Gewerkschaftsbewegung nahhaltig zu schwächen und ihr Programm autoritär durchzusetzen", kritisierte Katzian. Er zeigte sich aber überzeugt, dass die Österreicher sehr genau wissen, dass der Weg des sozialen Ausgleiches besser ist als der Weg der Zuspitzung und der Verschärfung der sozialen Kluft.

ÖGB-Sekretär Achitz: "Das ist total daneben"

Der Leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz bezeichnete es als "total daneben, eine gestaltende Institution wie der ÖGB seit mehr als sechs Jahrzehnten eine ist, auflösen zu wollen. Demokratie läuft in Europa anders." Dass Stronach Probleme mit Mitbestimmung und firmeninterner Demokratie habe, ändere nichts daran, dass er und andere Firmen, die es ihm in punkto Verhinderung von Betriebsratswahlen gleich tun wollen "auf Granit beißen" werden, kündigte Achitz an.

Für Darabos verdeutlichen die Angriffe Stronachs auf die Gewerkschaften dessen "arbeitnehmerfeindliche Gesinnung". Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer erwartet sich auch eine klare Distanzierung von ÖVP und Grünen, von den Attacken Stronachs auf die Gewerkschaften. In Salzburg verhandeln ja derzeit diese beiden Parteien mit dem Team Stronach über eine künftige Koalition.

Salzburger Gegenstimmen

Das Team Stronach ist sich bezüglich der Einschätzung der Gewerkschaften aber offensichtlich nicht einig. Der Salzburger Obmann des Teams, Hans Mayr, bezeichnet die Gewerkschaften des ÖGB nämlich als "wichtige Säulen unserer demokratischen Ordnung". "Die tagtägliche Arbeit von ÖGB, Gewerkschaften, BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und JugendvertrauensrätInnen hat mit dazu beigetragen, unserem Land Wohlstand und sozialen Frieden zu bringen", stellte Mayr in einer Aussendung fest.

Betriebliche Mitbestimmung hält Mayr für "wichtige Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Daran ist nicht zu rütteln". Gleichzeitig stellte aber auch klar, das Kritik an einzelnen Vertretern der Gewerkschaften und katastrophalen Fehlentwicklungen wie Konsum und BAWAG möglich sein müssten. Stronach hatte laut Lugar argumentiert, dass er die Arbeitnehmervertretung nicht brauche, weil er ja als Unternehmer immer selbst gut für seine Mitarbeiter gesorgt habe.

Neben ÖGB und SPÖ übten auch Grüne und Freiheitliche Arbeitnehmer heftige Kritik an den Aussagen Stronachs. Der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger meinte, es sei nichts Neues, dass Stronach Probleme mit der Demokratie habe. "Dass er jetzt schon bestimmen will, wer am demokratischen Prozess teilhaben darf und wer nicht, ist aber eine erschreckend neue Dimension." Der Bundesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer, Bernhard Rösch, bezeichnete Stronach als "Arbeitnehmerfeind schlechthin".

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