Frank Stronach: "Der ORF ist nur negativ"

 Frank Stronach: "Der ORF ist nur negativ"

Frank Stronach ist ein "Mann des Volkes". Genau dieses pilgerte Donnerstagabend ins niederösterreichische Ebreichsdorf, wo im "Magna Racino" die Geburt einer Partei live mitzuerleben war.

Rund 2.000 Sympathisanten hörten dem austrokanadischen Unternehmer eine Stunde lang zu, als er seinen ganz persönlichen Tellerwäscher-Mythos zum Besten gab, den Euro verdammte und erklärte, wie er die Republik von Schulden und Misswirtschaft heilen will. Zur Stärkung gab es Leberkässemmeln, Schnitzel - und Frankfurter.

Das Racino, Stronachs "Weißes Haus", prangt mitten im niederösterreichischen Acker. Den dortigen Landeshauptmann Erwin Pröll (V) hatte der Neo-Politiker bei einer Pressekonferenz am Vormittag dennoch gegeißelt. Und auch die Sozialdemokratie. Der ehemalige steirische SP-Nationalratsabgeordnete Christian Faul, der ebenfalls in Stronachs Team mitspielen darf und vor dem Racino seine Kreise zieht, verzeiht seinem neuen Chef im APA-Gespräch: "Er hat sich eher auf die Wiener Sozialdemokratie konzentriert und nicht auf die steirische."

Wie Faul sind so gut wie alle Besucher bedingungslose Stronach-Fans. Einige Gesichter kennt man von jenen Veranstaltungen, bei denen BZÖ-Gründer Jörg Haider seine Reden schwang. Und auch der modische Stil ist annähernd der selbe: Anzug-Teile, Jeansjacken, Stiefel, Schnauzbart, Cowboystiefel, kurze wie enge Röcke - Stronachs Wählerpool ist bunt. Und unzufrieden. "Österreich ist krank", konstatiert ein Besucher, einem anderen ist die FPÖ auch nicht mehr recht: "Der Strache kann reden was er will, zum Schluss macht er sich eh alles mit den Roten und Schwarzen aus."

Golfplatz-Chansonier Michael Seida darf die Veranstaltung musikalisch eröffnen - unter anderem mit einer Galionsfigur der amerikanischen linken Arbeiterbewegung: Woody Guthries "This Land is Your Land" (in einer halsbrecherischen Übersetzung ins Deutsche). Dann Stronachs Mitstreiter: "Ich bin der Gerhard Köfer und bin Bürgermeister von Spittal an der Drau." Oder: "E.T., Erich Tadler ist mein Name. Ich bin nicht der Außerirdische." Robert Lugar dankt seinem neuen Chef, "dass er mir die Flügel, die man mir gestutzt hat, wieder anmontiert hat".

"Jetzt geht's los", wird Stronach selbst auf der überdimensinalen Videowand angekündigt. "Er prahlt nicht", meint die Moderatorin, trotzdem muss der Umjubelte etwa zugeben, dass Queen Elizabeth eine "ganz nette Frau" sei. Stronach erzählt überhaupt gerne Geschichten, vorzugsweise seine eigene. Etwa als er als hungernder wie weltoffener Bub nach Kanada kam und ausgerechnet einen Job in einer Krankenhausküche bekam - als Tellerwäscher. "Manche Mädchen haben dann nicht einmal nahe getanzt." Den "Männerberuf" hat er bekanntlich doch noch gefunden.

Attacken gibt es diesmal nicht nur auf heimische wie deutsche Politiker (Angela Merkel muss entweder "dumm" sein, "oder sie spielt mit den Banken zusammen"). Auch der präsente öffentliche Rundfunk bekommt einen Hieb ab: "Der ORF ist nur negativ", beschwert sich der Unternehmer über kritische Fragen und erntet dafür stürmischen Applaus. Den bekommt er auch, als er das auf die Bühne gebrachte Getränk mit den Worten "A Bier wär mir lieber" ablehnt. Und auf die Frage, was die Leute in Europa wollen, schreit eine Frau aus dem Publikum: "Den Schilling!"

Auch auf das nachträgliche Abfeiern des 80. Geburtstags hat Stronachs Team nicht vergessen. "My Way" und eine "Sachertorte" mit weißer Glasur beendeten die Show. "Heute, der 27. September 2012, wird in die Geschichte Österreichs eingehen", vergisst der Jubilar nicht zu sagen, bevor er sich beim Auszug ein wenig "unter die Leute mischt".

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