Experten drängen auf weitere Reformen im Pensionssystem

Experten drängen auf weitere Reformen im Pensionssystem

Der deutsche Pensionsexperte Bert Rürup kritisierte bei einer Podiumsdiskussion des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Kooperation mit der Wirtschaftskammer am Donnerstag die unterschiedlichen Antrittsalter von Männern und Frauen und empfahl die Anhebung nicht nur des faktischen, sondern auch des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.

IHS-Direktor Christian Keuschnigg sprach sich für ein betragsorientiertes Pensionssystem aus.

Das bestehende Umlageverfahren verteile "unsystematisch und intransparent" um, meinte Keuschnigg. Das Pensionssystem sei "ungeeignet für Umverteilung", diese müsse bereits über Steuer- und Transferleistungen in der Haupterwerbsphase geschehen. "Es werden Pensionsversprechen gegeben, die mit den derzeitigen Beiträgen nicht ausfinanziert sind", so Keuschnigg. Er sei nicht dafür, "Umverteilungsabsichten auszuhebeln", aber Leistung und Gegenleistung stärker zu koppeln. Keuschnigg lobte die Einführung des Pensionskontos, das die Transparenz verstärke. Es sei eine "ausgezeichnete Ausgangslage für weitere Reformen".

Innerhalb des bestehenden Systems müsse das effektive Antrittsalter erhöht werden, indem Hackler- und Invaliditätspension noch stärker beschränkt und das Frauenpensionsalter rascher angehoben werden. Keuschnigg empfahl aber vor allem die Anpassung des gesetzlichen Pensionsantrittsalter an die steigende Lebenserwartung.

Auch Rürup, der von 1995 bis 1997 die österreichische Regierung bei der Vorbereitung zur Pensionsreform beraten hatte, plädierte dafür, nicht nur das effektive Pensionsalter, sondern auch das gesetzliche zu erhöhen und Sanktionen einzuführen. Als "völlig unverständlich" bezeichnete er die Tatsache, dass für Frauen und Männer "immer noch unterschiedliche Pensionsantrittsalter" gelten. Frauen würden dadurch in ihrem Lebenseinkommen benachteiligt, meinte er. "Österreich hat ein sehr geringes demografisches Problem, aber ein großes Problem, das Humankapital der Bevölkerung auszuschöpfen", so Rürup. Seit den 1970er-Jahren sei das Lebensalter gestiegen, während das Antrittsalter gesunken sei.

Josef Bauernberger aus dem Sozialministerium, der in Vertretung des Ministers Rudolf Hundstorfer (SPÖ) an der Diskussion teilnahm, verteidigte das österreichische Pensionssystem und die bisher erfolgten Reformen: Mit Anfang des Jahres 2014 würden mit der Beschränkung der Invaliditätspension und dem einheitlichen Pensionskonto "weitreichende Reformen" in Kraft treten, die das faktische Pensionsalter nach oben heben würden. Das Pensionskonto würde zu einer erhöhten Transparenz und damit auch zur Anhebung des faktischen Pensionsalters führen,"weil die Leute sehen, wo sie stehen", zeigte er sich überzeugt.

Auch Wifo-Chef Karl Aiginger drängt auf eine Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters. Es sei zwar schon einiges geschehen, man müsse aber noch zusätzliche Möglichkeiten schaffen, damit die Menschen länger im Job bleiben und altersgerechte Arbeitsplätze zur Verfügung haben, sagte Aiginger im Ö1-Radio. Der Wifo-Chef bestätigte, dass ein Milliardenbetrag im Pensionsbereich fehle, weil die bisherigen Ziele, das Pensionsalter anzuheben, nicht erreicht wurden.

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