EU-Wahl: SPÖ-Kandidat Eugen Freund hat nicht nur Freunde in der Partei

EU-Wahl: SPÖ-Kandidat Eugen Freund hat nicht nur Freunde in der Partei

SPÖ-Vorsitzender Hannes Swoboda bestätigt die Kandidatur des ehemaligen ZIB1-Moderators Eugen Freund als Spitzenkandidat der SPÖ für die EU-Wahl im Mai.

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Hannes Swoboda, bestätigte Montag kurz vor Beginn der Plenarsitzung in Straßburg die Kandidatur des ehemaligen ZIB1-Moderators Eugen Freund als Spitzenkandidat der SPÖ für die EU-Wahlen im Mai. Swoboda erklärte, er "akzeptiere diese Entscheidung. Insgesamt wird das ein gutes Team werden."

Befragt, ob er glaube, dass Freund ein derartiges Zugpferd für die SPÖ sei, um den ersten Platz einfahren zu können, meinte Swoboda, "das weiß ich nicht. Wir werden kämpfen. Und wir wollen den ersten Platz erobern."

Die Kandidatur des ehemaligen ORF-Moderators Eugen Freund bei der EU-Wahlen löst in der SPÖ allerdings nicht nur Jubel aus. SPÖ-Europamandatar Jörg Leichtfried erklärte am Dienstag, er sei vor sieben Tagen informiert worden. Gespräche mit Freunde habe es nicht gegeben, erklären auch die drei SPÖ-Mandatare Evelyne Regner, Karin Kadenbach und Josef Weidenholzer.

Jedenfalls "ist Eugen Freund kein Hans-Peter Martin", erinnerte Swoboda an die unliebsamen Überraschungen mit dem ehemaligen SPÖ-Spitzenkandidaten Anfang 2000. Freund arbeite sehr konkret und ernsthaft. Freund erhebt keinen Anspruch darauf, nach dem Einzug ins EU-Parlament die Leitung der SPÖ-Delegation zu übernehmen. "Ich würde mir wünschen, dass Jörg Leichtfried die Leitung behält und werde das im Parteivorstand auch so vertreten", sagte er der Tageszeitung "Der Standard".

Statt ORF-Pensionist Jung-Politiker

Mit der Verpflichtung des langjährigen ORF-Mitarbeiters ist Parteichef Werner Faymann (SPÖ) durchaus ein Coup geglückt. Denn Freund hatte zuletzt als Moderator der "ZiB1" ein Millionen-Publikum und ist als außenpolitischer Journalist in den Wohnzimmern der Österreich seit Jahrzehnten präsent.

Der erste Ausflug in die Politik wäre es für den gebürtigen Wiener, der aber in Kärnten aufwuchs, freilich nicht. Schon in den 70er-Jahren war Freund als Pressesprecher für Außenminister Willibald Pahr tätig, der zwar parteilos, aber von der SPÖ nominiert war. Ein Jahr später ging er nach New York, um dort fünf Jahre den Presse- und Informationsdienst der Republik Österreich mit zu betreuen.

Die ORF-Karriere begann erst danach. Freund, der in jungen Jahren Artikel für "Kärntner Tageszeitung" und "profil" verfasst hatte, übte sich rasch am Bildschirm ein. Bereits in den 80er-Jahren war er als ZiB2-Moderator tätig, später unter anderem Beitragsgestalter beim Auslandsreport, in den 90er-Jahren dann US-Korrespondent und auch Büroleiter in Washington. Neben seiner ORF-Tätigkeit arbeitete er für den "CNN World Report" und publizierte unter anderem in den renommierten Wochenmagazinen "Die Zeit" und "Weltwoche".

Als es schon ruhig um den gern auch streitbaren Freund zu werden schien und er sich mit kleineren Rollen in Radio und Fernsehen (unter anderem als Moderator von "Wien Heute") zufriedengeben musste, gelang 2011 ein überraschendes Comeback in der Prime Time. Freund wurde zum ZiB-Moderator, zunächst an der Seite von Hannelore Veit, später neben Nadja Bernhard.

Kampf gegen Pensionierung

Der Pensionierung entging Freund trotzdem nicht, auch wenn er noch so dagegen anredete. Zwei Monate Gnadenfrist gewährte ihm Generaldirektor Alexander Wrabetz diesen Herbst noch. Doch zum Jahreswechsel war der rührselige Abschied für den Anchor perfekt. Ironischerweise platzte die Vorab-Meldung des "Kurier" über Freunds Wechsel in die Politik Montagnachmittag just in die Verabschiedungsfeier für Freund und andere pensionierte Mitarbeiter des ORF.

Dass die SPÖ den 62-Jährigen nun in die Spitzenpolitik zieht, überrascht nur auf den ersten Blick. Denn erstens gilt Freund nicht als uneitel und zweitens hat es gerade bei EU-Wahlen schon eine gewisse Tradition, dass politische Parteien auf Quereinsteiger setzen. Das erfolgreichste Beispiel ist Ursula Stenzel, wie Freund ehemals ZiB-Anchor, und nach ihrer ORF-Karriere Spitzenkandidatin der ÖVP bei der EU-Wahl 1996, bei der die Volkspartei vor der SPÖ Platz eins erobern konnte.

Zu tun hätte Freund wohl auch genug, wenn er sich die EU-Kandidatur nicht angetan hätte. Zuletzt hatte der verheiratete Vater von zwei Kindern einen fiktiven Roman über Jörg Haiders Tod ("Der Tod des Landeshauptmanns") verfasst. Buchautor ist er ohnehin schon seit langem, mit Schwerpunkt USA, was Titel wie "Mein Amerika" oder "Präsident Obama - der lange Weg ins Weiße Haus" belegen.

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