"Es ist jetzt wieder leichter, als Kärntner aufzutreten"

"Es ist jetzt wieder leichter, als Kärntner aufzutreten"

Christof Zernatto, ehemaliger Landeshauptmann von Kärnten, über die demokratiepolitische Wiedergeburt des Landes, das neue Vertrauen von Investoren und weshalb er froh ist, sich nun nicht mehr verteidigen zu müssen.

FORMAT: Herr Zernatto, hat am Sonntag bei Ihnen die Erleichterung oder die Schadenfreude überwogen?

Christof Zernatto: Ehrlich gesagt war es eine wirklich ganz normale Freude. Schadenfreude ist mir fremd.Es war mir aber eine große Befriedigung, dass offensichtlich das alte Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ noch immer seine Gültigkeit hat.

Wie geht es mit Kärnten nun weiter?

Zernatto: Für mich ist das eine riesige Chance für Kärnten auf einen echten Systemwechsel. Ich glaube, dass jene Persönlichkeiten, die das Schicksal nun zusammengebracht hat, dazu in der Lage sind. Peter Kaiser, Wolfgang Waldner, Gabriel Obernosterer und Rolf Holub sind sehr uneitle Menschen und sie haben auch das Anliegen, eine demokratiepolitische Wiedergeburt von Kärnten herbeizuführen. Ich hoffe auch, dass alle das Wahlergebnis richtig deuten. Viele Menschen haben beispielsweise sozialdemokratisch gewählt, ohne damit ein ideologisches Bekenntnis zu verbinden, sondern sie wollten einfach die radikale Veränderung. Aber die Reaktion von Peter Kaiser nach der Wahl war für mich noch viel überzeugender als sein Auftreten vor der Wahl.

Ist für Kärnten dennoch nach den diversen Skandalen und Episoden ein nachhaltiger Schaden entstanden?

Zernatto: Ich glaube persönlich, dass politische Episoden – und dieses war doch eine lange Episodoe – immer Spuren hinterlassen. Aber ich weiß auch, wie rasch die Bevölkerung solche Dinge in jene Dimension einordnet, die ihr zukommt. Das wird ins Archiv gelegt. Für Kärnten ist der Schaden derzeit primär ein finanzieller. Es wird nun darauf ankommen, wie man mit damit umgeht.

Tourismusexperte Manfred Kohl meint in einem Interview bezüglich des Fremdenverkehrs, die Gäste hätten sich ohnedies nicht abschrecken lassen, sehr wohl aber die Investoren.

Zernatto: Investoren ticken anders als Wähler, sie treffen Entscheidungen sehr rational und lassen sich von Emotionen nicht so leiten. Es wird wichtig sein, dass Investoren, aber auch die vorhandene Kärntner Wirtschaft wieder Vertrauen in die politische Führung bekommt. Es muss Sicherheit geben, dass Investitionen auf guter Grundlage basieren können.

Wie ist es um das Image des Bundeslandes nun bestellt?

Zernatto: Das Image hat sicher gelitten. Wenn du ununterbrochen nur im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen und politischer Willkür genannt wirst, nutzt das dem Land ja nicht. Ich habe es selbst erfahren: Es hat in Wien kaum Gespräche gegeben, in denen ich auf über Kärnten angesprochen wurden, so nach dem motto: Was macht´s ihr da unten eigentlich? Egal, wo jemand politisch stand, wurde immer eine Art Kollektivschuld gegen Kärnten ausgesprochen. Für uns Kärntner wird es nun leichter, wieder mit stolzer Brust als Kärntner aufzutreten. Das wird rasch passieren, weil der Paukenschlag war so fundamental, dass ihn jeder mitbekommen hat.

Zur Person: Christof Zernatto, 64, war von 1991 bis 1999 Landeshauptmann von Kärnten. Der ÖVP-Politiker war davor Nationalratsabgeordneter gewesen; diese Funktion übte er nach seiner Ablöse in Kärnten durch Jörg Haider erneut aus. 2002 beendete Zernatto seine politische Karriere und ist seither als Unternehmensberater tätig. Er ist heute Director Public Affairs der Wiener Agentur Grayling.

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