Erpressung bei Red Bull: Die Drohungen sind auf Wien begrenzt

Erpressung bei Red Bull: Die Drohungen sind auf Wien begrenzt

Die Erpressung des Getränke- und Sportmarketingkonzerns Red Bull ist nach Angaben der Ermittler auf Wien begrenzt. "Die konkrete Drohung hat sich gegen eine Filiale eines Lebensmittelhändlers in Wien gerichtet", sagte der Sprecher der Salzburger Staatsanwaltschaft Marcus Neher am Freitag.

Die Erpresser hätten gedroht, dort die Deckel der Getränkedosen mit Fäkalkeimen zu beschmieren. Hinweise auf eine Verunreinigung in Deutschland oder anderswo gebe es nicht. Der Konzern verkauft pro Jahr weltweit 5,2 Milliarden Dosen seines Energy-Drinks.

Red Bull hatte die Erpressungsversuche am Donnerstagabend publik gemacht. Das Unternehmen erklärte, die geforderte Geldsumme nicht zu bezahlen. Die Salzburger Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Anfang März in dem Fall. "Nach meinen Informationen hat es ein oder zwei Droh-Mails und einen Brief gegeben", sagte ihr Sprecher Neher. Auch die Tageszeitung "Kurier" hat nach eigenen Angaben bereits Ende Februar eine Mail mit der Betreffzeile "Warnung vor Red Bull Einzelverkauf" erhalten. Darin hätten die Absender erklärt, bereits mehrere Dosen verunreinigt zu haben. Bei Kontrollen in den von den Erpressern genannten Filialen hatte Red Bull jedoch keine Hinweise darauf gefunden.

Von den angedrohten Fäkalien geht nach Angaben der österreichische Lebensmittelkontrollbehörde Ages keine akute Bedrohung aus: Es handle sich dabei um "im Prinzip harmlose" Kolibakterien, sagte ein Sprecher. "Das sind ganz normale Darmkeime, die jeder von uns hat."

Erpressungen fast schon normal

Fälle wie dieser sind in der Lebensmittelindustrie keine Seltenheit. In den USA erregten etwa die angeblichen Funde von Spritzennadeln in Pepsi-Cola -Flaschen Aufsehen: 1993 gaben zahlreiche Menschen in den USA an, sie hätten Nadeln in dem Getränk entdeckt. Später stellte sich allerdings heraus, dass sie diese zuvor selbst in die Flaschen gelegt und gehofft hatten, so von Pepsi Schadenersatz fordern zu können. "Solche Erpressungsversuche kommen in der Wirtschaft immer wieder vor - auch in unserer Branche", sagte die Geschäftsführerin des Lebensmittelfachverbands, Katharina Koßdorff, der Nachrichtenagentur Reuters. Ob betroffene Unternehmen an die Öffentlichkeit gingen, müssten sie selbst entscheiden.

Die öffentliche Weigerung, die geforderte Summe zu zahlen, ist nach Einschätzung mancher Experten aber ein ungewöhnlicher Schritt - auch weil das Unternehmen dadurch seinen Ruf bei den Kunden riskieren könnte. "Ich war sehr überrascht, dass Red Bull das gemacht hat", sagte Gene Grabowski von der US-Krisen-PR-Firma Levick. "Man sieht selten, dass Unternehmen diese Karte ausspielen, aber in dem Fall könnte es eine sehr weise Entscheidung sein." Damit habe sich der Konzern bereits zu Beginn der Berichterstattung als Opfer positioniert und könne so auf die Sympathie der Öffentlichkeit hoffen.

Red Bull ist nicht nur im Getränkegeschäft tätig, sondern besitzt unter anderem auch ein Formel-1-Rennteam um den deutschen Weltmeister Sebastian Vettel. Der medienscheue Unternehmensmitgründer Dietrich Mateschitz verfügt Berichten zufolge über ein Nettovermögen von rund sieben Milliarden Dollar und ist damit laut "Forbes"-Magazin der reichste Mann Österreichs und die Nummer 162 in der Welt.

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