Eco Austria sieht in Wien Sparpotenzial von 1,1 Mrd. pro Jahr

Eco Austria sieht in Wien Sparpotenzial von 1,1 Mrd. pro Jahr

Und das zusätzlich zu dem für Ende 2013 prognostizierten Schuldenberg von 4,57 Mrd. Euro. Deshalb hat die Stadt-ÖVP Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh vom Institut Eco Austria beauftragt, den Haushalt zu durchleuchten.

Und die Rathaus-Schwarzen fühlen sich bestätigt: Denn Schuh ortet ein jährliches Sparpotenzial von 1,1 Mrd. Euro, ohne Leistungen zurückfahren zu müssen, wie er am Montag versicherte.

"Es geht nicht darum, den Gürtel enger zu schnallen, sondern um Effizienzsteigerung", sagte der Ökonom in einer Pressekonferenz. Beträchtlichen Konsolidierungsspielraum ortet er vor allem in den Bereichen Verwaltung, Gesundheit bzw. Spitalwesen und stationäre Pflege. Laut Schuh gab Wien beispielsweise 2011 pro Kopf 1.102,8 Euro an Verwaltungskosten aus, die übrigen Länder und Gemeinden durchschnittlich allerdings nur 983,1 Euro. Würde Wien auch auf diesen Wert kommen, mache das allein schon minus 200 Mio. Euro aus, so die Rechnung.

Gleich 678,6 Mio. Euro ließen sich bei den städtischen Krankenhäusern einsparen, versicherte der Wirtschaftsforscher. Denn die Kosten lägen im stationären Bereich um 19,6 Prozent, im ambulanten Sektor um gar 23,8 Prozent über dem österreichweiten Mittelwert. Schlankere Strukturen müssten her, Leerläufe hingegen beseitigt werden, so die Parole Schuhs. Derzeit würde angesichts der Leistungen viel zu viel bezahlt. "Das ist, wie wenn jemand einen VW Golf fährt, aber für einen Mercedes bezahlt", forderte er mehr Gas bei der bereits angelaufenen Spitalsreform.

Für einen stationären Pflegeplatz gebe die Stadt ebenfalls mehr Geld als die anderen Bundesländer aus - nämlich 5.958 Euro pro Monat (Zahlen aus 2011, Anm.). Bei einer Senkung der Ausgaben auf den Medianwert wären hier 223 Mio. Euro jährlich drin.

Alles zusammengenommen ergibt dies rund 1,1 Mrd. Euro, wobei Schuh bei der Wohnbauförderung oder den Wiener Linien ebenfalls noch Spielraum sieht. So bräuchten die hiesigen Verkehrsbetriebe etwa doppelt so viel Mitarbeiterkapazitäten pro Platzkilometer (Recheneinheit, die sich aus angebotenen Fahrgastplätzen und zurückgelegtem Weg ergibt, Anm.) als jene Münchens.

Der Wirtschaftsforscher legte Rot-Grün nahe, die Sparpotenziale auszunützen, um angesichts der wachsenden Stadt und der Alterung der Gesellschaft nötige Investitionen tätigen und zugleich das angestrebte Ziel, 2016 wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen, auch erreichen zu können. Außerdem brauche es mehr Transparenz, ausgegliederte Bereiche wie Wiener Wohnen oder der Krankenanstaltenverbund müssten im Budget nachvollziehbar sein.

ÖVP-Landesparteichef Manfred Juraczka fühlte sich dank der Zahlen in den Forderungen bestätigt, den Wiener Haushalt ausgabenseitig zu konsolidieren. "Wien häuft derzeit über Jahre hinweg neue Schulden an - und das, obwohl die Einnahmen so hoch sind wie noch nie", spielte er auf diverse Gebührenerhöhungen an. Einsparungen "ohne Qualitätsverlust" seien nötig und möglich. Man werde das in der Budgetdebatte kommende Woche auch entsprechend aufzeigen, kündigte er an.

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