Die neue Macht der Alten Herren

Die neue Macht der Alten Herren

Der Cartellverband (CV) ist zurück. Unter Wolfgang Schüssel geächtet, unter Wilhelm Molterer und Josef Pröll geduldet, feiern die farbentragenden Verbindungen unter ihrem Cartellbruder Michael Spindelegger - Couleurname Cato - die totale Machtübernahme in der ÖVP-Regierungsmannschaft.

Bis auf den neuen Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Außenminister Sebastian Kurz bekennen sich alle schwarzen Minister und die überwältigende Mehrheit der VP-Spitzenfunktionäre in Bund und Ländern zu Katholizismus, Vaterlandsliebe, Wissenschaft und lebenslanger Freundschaft.

Unter allen Studentenverbindungen sticht besonders die in der Wiener Strozzigasse angesiedelte Norica hervor. Mit rund 800 Mitgliedern gehört sie zu den größten Verbindungen innerhalb des ÖCV. Und ist die erfolgreichste und machtbewussteste. Aber auch die umstrittenste. Das hängt vor allem mit dem einstigen Vorstoß zur Aufnahme von Frauen zusammen. Statt kübelweise Bier in sich hineinzuschütten und Studentenlieder zu grölen, setzten die hier vertretenen Bürgersöhne lieber auf angeregte, geradezu liberale Diskussionen. Viele verzichten sogar auf einen Couleurnamen, wodurch die Norica in den Augen der Fundamentalisten gar ein Hauch Marxismus umweht. Um den strengen ÖCV-Regeln zu entsprechen, wies man den Studentinnen einen eigenen Status, die Norica-Nova, als Schwesterverbindung zu. Die Alten Herren des ÖCV tobten dennoch. Erfolglos.

Unter den Gründungsmitgliedern der Norica-Nova findet sich übrigens Michaela Steinacker - Listenzweite der ÖVP bei der Nationalratswahl und enge Vertraute von Spindelegger. Weitere Norica-Frauen: Ex-Ministerinnen Maria Rauch-Kalklat, Marilies Flemming und Ex-Parteiobmanngattin Edith Mock.

Machtfaktor CV

Ein Blick auf Spindeleggers Personalauswahl bestätigt die Renaissance der Burschen eindrucksvoll: Neo-Generalsekretär Gernot Blümel (Norica), Neo-Kabinettschef Johannes Kasal (Norica), Redenschreiber und Kabinettsmitarbeiter Markus Figl (Norica). Klar. Man kennt sich, man vertraut einander, man macht miteinander Karriere. Oder wie es die Mitglieder hinter vorgehaltener Hand zugeben: Wenn der Vorstand oder Generaldirektor CVer ist, erhöhen sich bisweilen die Jobchancen beträchtlich - immerhin teilt man dieselben Werte und kommt zumeist aus gutem Haus.

Entschieden weist man die Mär zurück, dass sich für Cartellbrüder auch auf der Universität die Chancen bei Prüfungen etwa am Juridicum oder der WU erhöhen würden. Im Gegenteil: Die Anforderungen an die Brüder seien sogar höher.

Abgrenzung zu Schlagenden

Dabei legen die Cartellbrüder großen Wert auf die Abgrenzung zu den FPÖ-nahen schlagenden Verbindungen, die sich bei ihren Mensuren tiefe Schmisse ins Gesicht kerben lassen. CVer tragen zu Festveranstaltungen zwar auch einen Säbel, dieser dient aber nicht dem Kampf. Auch steht das Bekenntnis zu Österreich im Gegensatz zum sogenannten deutschen Kulturkreis der Burschenschafter.

Die Stärke der CVer durchdringt sämtliche Teilorganisationen der ÖVP, vor allem im ÖAAB sind die Verbindungen gut positioniert. Doch auch bei Vorfeldorganisationen, kirchlichen Einrichtungen und in der staatsnahen Wirtschaft wimmelt es förmlich von sogenannten Alten Herren - so werden die Burschen nach Finalisierung des Studiums genannt. Einige Beispiele: Wolfgang Anzengruber (Verbund), Leo Windtner (Energie AG), Karl Stoss (Casinos Austria), Michael Landau (Caritas), Kardinal Schönborn, Karl Aiginger (WIFO), Jörg Schmiedmayer (Schrödinger-Preisträger), Wolfgang Gerstl (VP-Verfassungssprecher).

Dass die Mitgliedschaft bei einer CV-Verbindung nicht vor politischen Demontagen schützt, gehört aber auch fast schon zur Tradition. Jüngstes Opfer. Karlheinz Töchterle vulgo Tristan, den auch die Mitgliedschaft bei der Sternkorona Hall nicht vor dem Abschied aus Spindeleggers Ministerriege bewahrte. Ähnliches widerfuhr Ex-Generalsekretär Johannes "Sumpf“ Rauch, der den Chefsessel in der Lichtenfelsgasse räumen musste.

Und auch nicht alle inhaltlichen Positionen aus dem CV-Umfeld von Michael Spindelegger fanden den Weg ins Regierungsprogramm - etwa die Bündelung von Kultur- und Naturinstitutionen wie Belvedere oder Bundesforste in einer gemeinsamen Holding.

Neid auf die Norica

Bleibt die Frage, ob Spindelegger, Mitterlehner und Co. auch am aktiven Leben ihrer Verbindungsbuden teilnehmen. Die Antwort lautet nein, denn das wäre für Spitzenpolitiker zu zeitaufwendig und wohl auch der Gesundheit wenig zuträglich. Denn ordentlicher Durst ist zumindest in den ersten Burschenjahren durchaus erforderlich - vor allem in eher konservativen Verbindungen wie Austria oder Amelungia. Dafür ist dort dem Vernehmen nach jetzt der Neid am größten, dass die Norica wieder einmal die besten Ministeriumsjobs abgeräumt hat. Bei besonderen Anlässen oder Vorträgen sind die CV-Politiker jedoch sehr gefragt und tragen dann auch ihren Deckel (die traditionelle Kopfbedeckung der Verbindungen).

Besonders Neo-Justizminister Wolfgang Brandstetter genießt in CV-Kreisen einen guten Ruf als Vortragender und ist begehrter Gesprächspartner in den anschließenden Diskussionen. Nächster diesbezüglicher Termin ist am 15. Jänner, wo er zum Thema "Recht gerecht sprechen“ referiert.

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