Das sind die NSA-Lauschposten in Österreich

Das sind die NSA-Lauschposten in Österreich

An zwei geheimen, hochmodernen Horchposten des Bundesheeres gibt es eine enge technische und personelle Kooperation mit US-Geheimdiensten - die Königswarte und eine Station bei Neulengbach.

Neuer Sprengstoff in der NSA-Abhör-Affäre in Österreich. Eine FORMAT vorliegende Liste sogenannter SIGINT (Signals Intelligence)-Partner amerikanischer Geheimdienste führt explizit zwei Standorte in Österreich auf: Die Königswarte und einen Standort Neulengbach. Beide Einrichtungen werden mit der Ziffer 7 klassifiziert, womit eine vom Ausland betriebene Einrichtung gemeint ist, die Fernmeldeaufklärung für die USA durchführt. Ähnliche Anlagen finden sich auch in Israel, Australien, Kanada, Dänemark und Deutschland.

Mehrere FORMAT-Lokalaugenscheine und intensive Recherche in Neulengbach fördern irritierende Details zu Tage. Die von den USA mitgenützte Antennenanlage des Bundesheeres befindet sich am Kohlreithberg im militärischen Sperrgebiet Getzwiesen nahe der Westautobahn. Eine kleine mit Fahrverbot belegte Stichstraße führt zur Bergkuppe wo zwischen mehreren Masten, Sende- und Empfangsanlagen für extrem breite Wellenbereiche installiert sind. Die Einfahrtsschleuse zum Sperrgebiet wird von einer militärischen Hundestaffel bewacht, meterhohe Stacheldrahtzäune, Wärmebildkameras und Suchscheinwerfer halten ungebetene Besucher fern.

Geheimobjekt Neulengbach.

Im Zentrum des Areals befindet sich ein umgerüsteter Bauernhof, der über mehrere Kellergeschosse verfügen soll. Bis zu 50 Peilungs-Spezialisten versehen hier regelmäßig Dienst - rund um die Uhr. Fernmelde-Experten bescheinigen der Anlage enorme Kapazität und halten das Abhören von Telefongesprächen, militärischen, aeronautischen und zivilen Funksprüchen bis hin zur verschlüsselten Kommunikation internationaler UN-Missionen um den halben Erdball für realistisch. Sogenannte Reusenantennen fangen großen Fischernetzen gleich, sämtliche Frequenzwellen auf. Und Teile der von außen nicht komplett einsehbaren Anlage können auch als leistungsfähiger Sender verwendet werden. Auch die Inbetriebnahme großflächiger Störsender scheint möglich. Das Bundesheer verweigert über den genauen Zweck der Anlage jegliche Information.

Die Geheimniskrämerei hat seinen Grund: Denn nicht nur Bundesheer-Spezialisten halten in Neulengbach die Ohren gespitzt, sondern auch ausländische Militärs. So stehen regelmäßig Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen am Parkplatz des Peilkommandos Neulengbach. Besonders interessant: Sie kommen aus deutschen Städten mit großen US-Militärstützpunkten wie Wiesbaden (Army Headquarter) oder Bamberg (Warren Baracks). Auf FORMAT-Anfrage meint ein Bundesheer-Oberst dazu lapidar: "Bei uns haben nur österreichische Staatsbürger Zutritt. Ich kann ausschließen, dass Ausländer dort arbeiten. Vielleicht hat ein Mitarbeiter sein Auto in Deutschland angemeldet oder es gehört seiner Frau.“ Der Pressesprecher von Verteidigungsminister Gerald Klug meint entwaffnend: "Mir fällt keine Erklärung ein.“

Grünen-Wehrsprecher Peter Pilz ist allerdings überzeugt: "US-Militärgeheimdienstler, auch die NSA ist ein Militärgeheimdienst, gehen dort aus und ein. Ebenso in der Königswarte, der HNaA (Heeresnachrichtenamt)-Zentrale in der Wiener Hütteldorferstraße und im geheimen Luftschutzbunker in der Liechtensteinklamm bei St. Johann. Die Bundesheer-Dementis sind Quatsch - man sollte die Roßauer Kaserne (Sitz des Verteidigungsministeriums) in Münchhausenkaserne umbenennen.“

Strippenzieher USA

Hintergrund der NSA/CIA-Kooperation mit dem Bundesheer ist ein geheimer Rahmenvertrag, der den Amerikanern die Nutzung der österreichischen Abhör-Infrastruktur wie Neulengbach oder Königswarte ermöglicht. Bislang räumte das Bundesheer aber nur fallweise Kooperation ein.

Die einst günstige Lage am Schnittpunkt der Warschauer Pakt-Länder mit dem Westen und das technische Zusammenwirken solcher Anlagen mit deutschen Horchposten öffnete und öffnet Abhörmöglichkeiten über den Balkan bis zum Ural. Millionenteures Radar- und Funkequipment der US-Firmen Bendix Corporation, dann Allied Signal, nunmehr Honeywell wurde dem Bundesheer im Gegenzug günstig zur Verfügung gestellt. Auch die Informationsauswertungs-Software stammt von US-Unternehmen, die Einschulung erfolgt durch NSA-Spezialisten vor Ort oder wird von diesen gleich selbst übernommen. Denn von der Datenflut bleiben dem Bundesheer nur die Brosamen, die für eigene Aktivitäten am Balkan, Golan oder Geiselbefreiungen im Jemen nötig sind.

Die Horchposten Neulengbach und Königswarte komplettieren mit den Abhörstationen auf der hiesigen US-Botschaft, dem IZD-Tower neben der UNO-City und der NSA/CIA-Villa in Wien-Pötzleinsdorf den von Österreich ausgehenden US-Lauschangriff mit Duldung und teilweise aktiver Unterstützung durch österreichische Behörden - trotz Neutralitätsgesetz.

Auffällig scheint die komplette Zurückhaltung Russlands in der Causa. Die einfache Erklärung: Fernmeldeaufklärung und Abhöreinrichtungen für Europa lassen sich von eigenen Stützpunkten aus betreiben. In Österreich vertraut man auf sogenannte "Boots on the ground“-Politik: Weniger Technik und mehr gut geschultes Personal.

Es ist laut Geheimdienst-Experten nur eine Frage der Zeit bis genaue Baupläne und technische Skizzen der Abhöranlagen Neulengbach und Königswarte auftauchen.

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