Burgtheater: Vorwürfe gegen Ex-Vizechefin erhärtet, Staatsanwalt ermittelt

Burgtheater: Vorwürfe gegen Ex-Vizechefin erhärtet, Staatsanwalt ermittelt

Die Untersuchung gegen die entlassene Vizedirektorin Silvia Stantejsky bringt Verdacht auf strafbare Handlungen. - Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer sieht eine Mitverantwortung des Managements, Theaterdirektor Hartmann nicht: "DasBurgtheater wird das aus eigener Kraft schaffen."

Der heute, Donnerstag, dem Burgtheater-Aufsichtsrat vorgelegte Endbericht in der Untersuchung gegen die entlassene Vizedirektorin Silvia Stantejsky hat die bisher bekannten Vorwürfe erhärtet und den Verdacht auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue ergeben. Die Staatsanwaltschaft, bei der bereits eine Anzeige gegen Stantejsky eingegangen war, wird eingeschaltet.

Die kaufmännische Direktion sei von Stantejsky "sehr zentralisiert gesteuert und wie eine Containerorganisation geführt" worden, heißt es in dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. "Frau Stantejsky hat ein intransparentes Umfeld geschaffen, welches es unmöglich machte, ein wirksames Internes Kontrollsystem einzurichten." Sie habe ein System der Abschottung aufgebaut, in dem nur sie über maßgebliche Informationen und Dokumente verfügt habe, und ein System vorgetäuschter Liquidität betrieben, in dem die Kassa das zentrale Instrument gewesen sei.

Alles ist explodiert

"Hätten wir es früher erkennen müssen? Tatsache ist, wir haben es nicht früher erkannt", sagte Burgtheater-Aufsichtsratspräsident und Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer in einer Pressekonferenz im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. "Wenn eine Person mit höchster Verantwortung ein System außer Kraft setzt, haben Sie keine Möglichkeit draufzukommen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem alles explodiert." Der Moment, "in dem so ein System in die Luft fliegt", sei am 11. November 2013 gekommen. Seit man jedoch an diesem Tag im Rahmen eines Erstentwurfs eines Gebarungsprüfungsberichts auf Ungereimtheiten aufmerksam gemacht worden sei, habe man gehandelt.

"Ja, ich bin für das mitverantwortlich. Das ist überhaupt keine Frage", sagte Springer. Anders der bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende künstlerische Geschäftsführer Matthias Hartmann, der darauf hinwies, dass Silvia Stantejsky bei seinem Amtsantritt 2009 bereits viele Jahre am Haus tätig und "bestens beleumundet" gewesen. "Es gab überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln." Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit, als Stantejsky von 2008 bis 2013 kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters war. Danach war sie ab 1. September 2013 Stellvertreterin des künstlerischen Direktors und wurde aufgrund der aufgetauchten Gebarungs-Vorwürfe am 18. November 2013 fristlos entlassen. Stantejsky hat die Vorwürfe stets bestritten und gegen ihre Entlassung Klage eingereicht. Der Endbericht soll ihr heute Nachmittag zugegangen sein. Für die APA war sie für keine Stellungnahme erreichbar.

Die Malversationen, bei deren gerichtlicher Prüfung sich das Burgtheater laut Springer als Privatbeteiligter mit Schadenersatzforderungen anschließen werde, summieren sich laut Bundestheater-Holding zu einem Schaden von 7 bis 8 Mio. Euro. Bezüglich der darin einberechneten zu erwartenden Steuernachzahlungen wegen Nichteinbehalt der zwanzigprozentigen Abzugssteuer bei ausländischen Künstlern werde mit dem Finanzamt derzeit über eine mögliche Pauschallösung verhandelt, sagte Springer, der Stantejsky keinesfalls als "Bauernopfer" sehen möchte.

8,3 Millionen Euro Bilanzverlust

5,6 Millionen Euro des möglichen Bilanzverlusts von 8,3 Mio. Euro sind jedoch auf die geänderte Abschreibungsmethodik bei Produktionen zurückzuführen, die bereits 2011/12 zu einem Jahresverlust von 3,7 Mio. Euro geführt hatte. Damals wurde das Minus mit einem Kapitalschnitt ausgeglichen. "Der Aufsichtsrat war nicht bereit, noch einmal eine Kapitalherabsetzung zu machen", betonte Springer, doch "das Burgtheater kann das und wird das auch aus eigener Kraft schaffen müssen".

Das wichtigste sei, die Finanzierung des laufenden Betriebes sicherzustellen. Das werde mit Sicherheit gelingen. Die "Altlasten" seien dagegen sicher nicht "mit einem Schlag" zu lösen. Als "eine von zahlreichen Überlegungen, die nun angestellt werden", gilt ein "Sale-and-lease-back" der derzeit im Eigentum des Burgtheaters befindlichen Probebühne im Arsenal an die Holding-Tochter "Art for Art". Mögliche Schließungen von Spielstätten wie dem Kasino wollte Springer für die Zukunft nicht ausschließen, sagte aber: "Ich hoffe, dass uns die Ebene der Grauslichkeiten erspart bleibt."

Bereits für morgen, Freitag, ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt. Auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) möchte sich umgehend von Aufsichtsratsmitgliedern informieren lassen. Zusätzliche Subventionen hat der Minister jedoch bereits dezidiert ausgeschlossen. Als erster Politiker reagierte am Abend FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz. In einer Aussendung erwartet er sich, dass der Prüfbericht, der "anscheinend den ausschließlichen Zweck" habe, "die Alleinschuld der entlassenen kaufmännischen Direktorin Stantejsky umzuhängen", den Mitgliedern

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