Burgtheater: Finanzdebakel spitzt sich zu

Burgtheater: Finanzdebakel spitzt sich zu

Millionenverluste, Steuernachzahlungen, gefälschte Bilanzen, eine gefeuerte Vizedirektorin und ein Misstrauensvotum gegen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann: Die führende Schauspielbühne Österreichs hat mit einem handfesten Skandal zu kämpfen.

Das kann man nicht mehr als Posse bezeichnen. Es ist großer Theater-Donner, der sich über Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann entlädt. Hartmann gerät wegen der finanziellen Ungereimtheiten in seinem Haus immer mehr unter Beschuss. Grund dafür sind das Defizit von 8,3 Millionen Euro für die Spielzeit 2012/2013 und Steuernachzahlungen in Höhe von rund fünf Millionen Euro.
Am Wochenende sprach das Ensemble des Burgtheaters ihrem Direktor und Georg Springer, dem Geschäftsführer der Bundestheaterholding, mit 83 von 116 Stimmen sogar das Misstrauen aus.

Wolfgang Zinggl, Grünen-Kultursprecher im Parlament, im Gespräch mit format.at: "Um die Verluste zu kompensieren, könnte man auch auf das "Familiensilber" zurückgreifen. Der Verkauf der Immobilien ist der letzte Ausweg." Bereits am Wochenende forderte Zinggl den Rücktritt von Burg-Direktor Matthias Hartmann.

Die aktuelle ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter, unter deren Ägide als Finanzministerin die Millionen-Fehlbeträge angehäuft wurden war vorerst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sie genehmigte als Ministerin der Burg jährlich Förderungen von 46,3 Millionen Euro. Fekter wies aber bereits auf das bestehende Vermögen der Bundestheater hin: "Die können etwas flüssig machen, um Lücken abzudecken."

Die Ungereimtheiten an der Burg sind an und für sich nicht neu. Schon im November 2013 wurde die Vizedirektorin Silvia Stantejsky entlassen. Sie soll die Verantwortung für das Finanzdebakel tragen. Dass die ehemalige kaufmännische Direktorin allein dafür verantwortlich ist, wird jedoch immer unwahrscheinlicher. Obwohl das Burgtheater selbst sowie die Bundestheater-Holding einen eigenen Aufsichtsrat haben, versagten an beiden Stellen die Kontrollmechanismen.

Warnung vor Verkauf der Immobilien

Josef Kirchberger, Geschäftsführer der Holding-Tochter "Art for Art" warnt vor einem Immobilien-Verkauf: "Ökonomisch wäre das der größte Unsinn." "Art for Art" betreut und bewirtschaftet die große Mehrheit der Immobilien der Bundestheater. Alleine die über externe Vermietungen lukrierten Mieteinnahmen betragen rund 1,5 Mio. Euro, die Gesamtmieterträge 3,5 Mio. Euro jährlich. Würde die Cash-Cow der Bundestheater geschlachtet werden, wäre das mittelfristig höchst fatal, so Kirchberger. Zu teure Produktionen, zu hohe Gagen

Für den Grünen-Sprecher Zinggl ist das verantwortungslose Haushalten Hartmanns die Hauptursache des Übels: "Zu teure Produktionen oder zu hohe Regiegagen verschlingen viel Budget. Geld spielt im Burgtheater anscheinend keine Rolle."

Hartmann wies dagegen in verschiedenen Interviews darauf hin, dass der kaufmännische und der künstlerische Bereich an der Staatsbühne getrennt sind. Dabei steht ihm ein Dirimierungsrecht zu: Wenn sich kaufmännischer und künstlerischer Leiter nicht einig sind, ist "die Auffassung des künstlerischen Geschäftsführers entscheidend", heißt es in Paragraph 12/5 im Bundestheaterorganisationsgesetz (BThOG).

Für Wolfgang Zinggl sind die Aussagen Hartmanns unglaubwürdig, da der Burgtheater-Direktor jede Rechnung über 10.000 Euro unterschreiben muss. "Wenn er Rechnungen mit einem höheren Betrag nicht unterschrieben hat, sind sie ungültig", so Zinggl. In zwei Wochen soll ein Endbericht der Wirtschaftsprüfer vorliegen.

Der deutsche Theaterregisseur und Intendant Matthias Hartmann ist seit 2009 Direktor des Burgtheaters, sein Vertrag läuft noch bis 2019. Zuvor leitete er das Schauspielhaus Bochum und ab 2005/2006 das Schauspielhaus in Zürich.

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