Burgtheater-Direktor Hartmann schwer unter Druck

Burgtheater-Direktor Hartmann schwer unter Druck

Die Krise am Wiener Burgtheater hat sich am Wochenende zugespitzt: Nach einem Misstrauensvotum des Ensembles, das die Verantwortung für das Millionendefizit nicht allein bei der entlassenen Vizedirektorin Silvia Stantejsky sieht, geraten Direktor Matthias Hartmann und Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer weiter unter Druck. Die Stimmen, die Rücktritte für angemessen hielten, mehren sich.

Anlass sind vor allem Fragen zur Verantwortung für den drohenden Verlust von 8,3 Millionen Euro für die Spielzeit 2012/13. Zudem drohen Steuernachzahlungen von rund 5 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat und Hartmann sehen schwere Versäumnisse bei Stantejsky, die durch undurchsichtige Buchführung die bedrängte Lage des Hauses verschleiert haben soll. Stantejsky bestreitet diese Vorwürfe, ein Zwischenbericht der eingesetzten Wirtschaftsprüfer belastet die ehemalige Vizedirektorin laut "profil" aber neuerlich.

Dennoch wollen weder die Opposition noch das Ensemble glauben, dass einzig Stantejsky für die Situation am Burgtheater verantwortlich ist. Das Ensemble sprach Hartmann mit 83 zu 31 Stimmen das Misstrauen aus, die Opposition fordert einhellig eine rasche Aufklärung und teils auch den Rücktritt der Führungsriege. "Was muss eigentlich alles passieren, bis die Geschäftsführung eines Bundesbetriebs den Hut nimmt?", fragte etwa Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl.

Hartmann selbst räumte im "Kurier" Kommunikationsfehler ein, wies aber auf die Trennung des kaufmännischen und des künstlerischen Bereichs hin. Er verstehe, dass in "unserem ruhmreichen Ensemble" nicht allen die Geschäftsordnung bekannt sei. "Wir kennen die Geschäftsordnung sehr wohl", entgegnete dagegen Schauspieler Johannes Krisch, der u.a. die Vielzahl an Produktionen kritisierte. Kollegen wie Michael Heltau, Peter Matic oder Gert Voss berichteten am Wochenende in Medien von der Angst und der schlechten Stimmung im Ensemble.

"Hartmann kann sehr wohl etwas dafür, wie das Burgtheater jetzt dasteht", fasste Krisch gegenüber der APA zusammen. Ähnliche Probleme habe er ja auch schon in Zürich gehabt. Dort hat der Burg-Chef mit der Aussage für Ärger gesorgt, dass er das Schauspielhaus Zürich als Sanierungsfall übernommen und saniert habe. Dies sei eine "mutwillige Beleidigung", zitiert das "profil" den Ex-Direktor der Kulturabteilung der Stadt Zürich, Jean-Pierre Hoby. Vielmehr habe Hartmann das Haus mit schwarzen Zahlen übernommen und gleich seine erste Spielzeit mit Verlust abgeschlossen.

Immer größerer Imageschaden

Auch in Budapest hat sich Hartmann offenbar keine Freunde gemacht. Das Ungarische Nationaltheater sagte am Sonntag seine Teilnahme am für März geplanten "Ungarn-Festival" in Wien wegen der "um das Burgtheater entstandenen unsicheren Lage" ab. Man höre von "Veruntreuung, Datenfälschung, kreativer Buchhaltung, Überweisen von öffentlichen Geldern auf Privatkonten", so Intendant Attila Vidnyanszky in einem Brief an Hartmann. Vor diesem Hintergrund sei das Burgtheater "nicht der richtige Schauplatz, um hinsichtlich der Angelegenheiten eines anderen Landes die Vermittlerrolle zu spielen".

Hartmann ist seit 2009 Direktor des Burgtheaters, sein Vertrag läuft noch bis 2019. Der Aufsichtsrat hat sich mehrfach hinter den Intendanten und dessen "erfolgreiche Arbeit" gestellt. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sagte, "gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren". Er werde den Endbericht der Wirtschaftsprüfer abwarten, der in etwa zwei Wochen vorliegen solle; einem Treffen mit dem Ensemble stehe er jedoch offen gegenüber. Das Burgtheater erhält Subventionen in Höhe von 46,3 Millionen Euro.

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