"Betonkopf" Fritz Neugebauer

"Betonkopf" Fritz Neugebauer

Anfang der Woche platzte Herbert Lehner der Kragen. "Ich überlege gerade, eine Facebook-Gruppe zu gründen unter dem Titel: Schließt endlich den Neugebauer aus der ÖVP aus!“, postete der frühere niederösterreichische Wirtschaftsbund-Direktor auf seiner Seite.

Der ÖVP-Vertreter brachte auf den Punkt, was der schwarze Wirtschaftsflügel seit geraumer Zeit vom obersten Beamten-Gewerkschafter hält. Auch in der Wirtschaftskammer ist der Unmut über Fritz Neugebauers Vorgehen in Sachen Lehrerdienstrecht gewaltig. "Jeder seiner öffentlichen Auftritte kostet uns ein paar tausend Wählerstimmen“, heißt es im Wirtschaftsbund hinter vorgehaltener Hand. Dabei geht es nicht nur um die Blockadehaltung des GÖD-Chefs. Dass er über ein Thema, an dem schon ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer anno 2001 erstmals scheiterte, "am liebsten noch jahrelang diskutieren würde”, ist man vom knallharten Klientelvertreter gewohnt. Es geht vor allem um das Timing. "Er macht mitten im Wahlkampf einen Nebenschauplatz, der die Bevölkerung eigentlich nicht interessiert, zum Top-Thema“, sagt ein Vertreter des Wirtschaftskammer-Präsidiums (WKO). Namentlich zitieren lassen will sich wegen des besagten Wahlkampfes keiner.

Die Wut ist verständlich. Während ÖVP-Chef Michael Spindelegger "die Wirtschaft entfesseln” und der Partei ein Reform-Manterl umhängen will, verschränkt Neugebauer die Arme und sagt "Nein” zum einzig erwähnenswerten Reformprojekt der Regierung. Spindelegger blieb schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit nichts anderes übrig, als das neue Lehrerdienstrecht ohne Gewerkschafts-Placet in Begutachtung zu schicken. Die Ausklammerung der Sozialpartner bringt wiederum die Wirtschaftskammer in Verlegenheit, die Spindeleggers Vorgehen als klares Foul werten müsste. Was sie aber nicht kann, weil eben Wahlkampf ist.

Folglich wird von WKO-Chef Christoph Leitl abwärts rumgeeiert: Zunächst müssten Bildungsziele und deren Finanzierung ausgearbeitet werden, so lautet die wenig konzise Parteilinie. Weil sich Klubchef Karlheinz Kopf, selbst Wirtschaftsbündler, keinen Flügelkampf mit dem VP-Arbeitnehmerbund ÖAAB leisten kann - der Neugebauer unterstützt -, spielt er den Ball in der Lehrerdebatte an "gescheiterte“ SPÖ-Ministerinnen weiter. Öffentlich fällt kein böses Wort über den mächtigen VP-Blockierer. "Er hat immer nur für die öffentliche Hand verhandelt, ohne Rücksicht auf die Wirtschaft“, heißt es jedoch aus Leitls Umfeld.

Drohpotenzial

Und Neugebauer ist sich der Schwungmasse seiner Klientel bewusst. 125.000 Lehrer hat vor allem die ÖVP als potenzielle Wähler zu verlieren. Bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent wären das fünf Parlamentssitze. Kann der Gewerkschafter noch die eine oder andere Verbesserung während der sechswöchigen Begutachtungsphase ins Lehrerdienstrecht hineinreklamieren, wäre das sein letzter Verhandlungserfolg vor der Pensionierung. In Wirtschaftsbund und -kammer wird man ihm dann keine Träne nachweinen. Doch der nächste Neugebauer kommt bestimmt.

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