AWD in Österreich vor dem Aus

AWD in Österreich vor dem Aus

Der Finanzberater AWD könnte in Österreich nach 20 Jahren bald Geschichte sein. Eine Namensänderung gilt als sicher, eine Schließung ist möglich.

Die Stimmung unter den rund 800 Geburtstagsgästen kann nicht unbedingt als ausgelassen bezeichnet werden. Aber das 20-Jahr-Jubiläum des Finanzdienstleisters AWD in Österreich ging letzte Woche zumindest einigermaßen gelöst über die Bühne. Immerhin war ein Vorstand der deutschen AWD Holding eigens in die Wiener Freudenau gereist, um vor den österreichischen AWD-Führungskräften und Geschäftspartnern einen auf Schönwetter zu machen. Tenor: Trotz aller Probleme wird am Standort Österreich festgehalten.

Nur zwei Tage später gab es allerdings für einige AWD-Berater ein böses Erwachen. Denn die Schweizer „Sonntags- Zeitung“ berichtete recht detailgetreu über Pläne des Schweizer Eigentümers Swiss Life, die AWD-Tochtergesellschaften in Osteuropa, Österreich und England zu schließen. Die Swiss Life wolle sich in Zukunft auf die Kernmärkte Deutschland und Schweiz konzentrieren, hieß es da. Intern sei diese Meldung zwar von Swiss Life abgewiegelt worden, berichten AWD-Mitarbeiter, eine offizielle Distanzierung blieb aber bis dato aus. Vielleicht hat die Swiss-Life-Spitze ja im November mehr zu dem Thema zu sagen, da soll nämlich die neue AWD-Strategie präsentiert werden.

Tatsache ist, dass der Schweizer Versicherungskonzern mit dem Kauf des deutschen Finanzberaters im Jahr 2008 im Nachhinein alles andere als glücklich ist. Schweizer Medien bezeichnen heute den Erwerb, der damals 1,9 Milliarden Franken verschlang, gar als das „schlechteste Geschäft in der Geschichte der Swiss Life“. Lediglich 35 Millionen Euro seien seither von AWD zurück in die Schweizer Kassen geflossen, wird nachgerechnet.

Während aber Märkte wie Deutschland zuletzt zumindest kleine Zuwächse erzielten, ist das Geschäft des Finanzdienstleisters in Österreich und Osteuropa nach wie vor rückläufig. Ende 2011 verzeichnete die Region ein Umsatzminus von 14 Prozent auf 64 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2007, also noch vor der Finanzkrise, setzte der größte unabhängige Finanzberater, wie sich AWD stets nannte, hier 165,4 Millionen Euro um. Auch im ersten Quartal dieses Jahres setzte sich dieser Negativtrend – die Hoheit über Osteuropa wurde Österreich inzwischen weggenommen – fort: Der gesamte AWD verlor um weitere 18 Prozent an Umsatz. Obwohl eigene Österreich-Zahlen nicht ausgewiesen wurden, gibt ein Sprecher zu: „Wir haben nicht zugelegt.“

Dass gerade Österreich, das jahrelang als Zugpferd im Konzern galt, so schlecht performt, hat einen Grund. Nirgendwo anders ist AWD mit derart vielen Schadenersatzklagen und damit verbundener negativer Publicity konfrontiert wie in Österreich. Rund 5.000 Anleger, denen vorwiegend Immofinanz-Aktien untergejubelt wurden, sind vor Gericht gezogen. In Deutschland sind es vergleichsweise vernachlässigbare 800. Doch diese Anleger, vor allem jene, die sich den Sammelklagen des Konsumentenschutzvereins VKI angeschlossen haben, müssen reichlich Geduld beweisen. Denn AWD zieht juristisch alle Register. Bislang wurde noch nicht einmal über alle Vorfragen entschieden, geschweige denn Zeugen einvernommen. „Natürlich werden einige Geschädigte unruhig. Aber wenn die Justiz gewillt, ist intensiv zu arbeiten, könnte es im Herbst 2013 die ersten Teilurteile geben“, glaubt VKI-Experte Peter Kolba.

Um den Druck auf AWD noch zusätzlich zu erhöhen, hat der VKI Ende letzten Jahres auch eine Strafanzeige gegen 20 AWD-Manager, darunter auch den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer , wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs eingebracht. Die Ermittlungen dazu sind, so ein Sprecher der Wirtschaftsstaatsanwaltschaft, bereits sehr weit gediehen. Nach zahlreichen Einvernahmen soll in den nächsten Monaten ein Vorhabensbericht verfasst werden.

Sekt statt Champagner

Auch wenn man unter den heimischen AWD-Mitarbeitern – die Zahl der Berater wurde auf 500 nahezu halbiert – nicht so recht an ein Zusperren des Österreich-Geschäfts glauben will, leichter wird es in keinem Fall. Der Name AWD dürfte jedenfalls Geschichte sein, er gilt inzwischen als zu beschädigt. „Die Ansicht, dass ein schlichter Namenswechsel wieder mehr Geschäft bringt, halte ich für naiv“, glaubt Kolba. Zumal auch die viel kritisierten Anreizsysteme bei AWD weiterlaufen wie früher. Mit einer einzigen Ausnahme: Die besten Verkäufer bekommen als Preis jetzt statt Champagner nur mehr Sekt. Die Zeiten bei AWD sind eben hart.

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