Aufruhr im ORF: Radio-Mitarbeiter protestieren gegen "Kaputtsparen"

Aufruhr im ORF: Radio-Mitarbeiter protestieren gegen "Kaputtsparen"

Mitarbeiter des Kultursenders Ö1 wehren sich gegen die Streichung der nächtlichen Sprechdienste ab Mai - das treffe vor allem freie Mitarbeiter und sei ein Warnzeichen, dass der Sender kaputt gespart werden soll. Hörfunkchef Amon versteht die Aufregung nicht.

Mitarbeiter des Kultursenders Ö1 wehren sich in einem auf Youtube veröffentlichten Protestvideo gegen das Kaputtsparen ihres Senders. SOS Ö1 heißt die Initiative, die in erster Linie gegen die Streichung der nächtlichen Sprechdienste ab Mai protestiert. Dies sei erst der Anfang von weiteren hörbaren Programmeinsparungen, die demnächst folgen sollen, warnen die Ö1-Mitarbeiter.

Hier das Video:

Schon jetzt habe Ö1 damit zu kämpfen, dass Programmbudgets gekürzt, Mitarbeiter reduziert und Sendungen wiederholt werden, so die Mitarbeiter des ORF-Kulturradios. "Wenn die Geschäftsführung weiterhin in dieser Form am Programm spart, wird es Ö1 in seiner jetzigen Form bald nicht mehr geben können." In einem ersten Schritt soll ab Mai die Opern- beziehungsweise Klassiknacht in der Nacht von Montag auf Dienstag nicht mehr live moderiert werden. Laut Ö1-Mitarbeitern bedeute das "nicht nur eine massive Einkommenseinbuße für die Sprecher und Sprecherinnen, die als Freie Mitarbeiter ohnehin zu den prekär Beschäftigten des ORF gehören. Es bedeutet auch, dass die Hörerinnen und Hörer nicht mehr live durch die Nacht begleitet werden."

ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann hält dem auf APA-Anfrage entgegen, dass sich am Programm nichts ändere, außer dass nun tagsüber aufgezeichnet werde. Auch Hörfunkdirektor Amon kann die Aufregung nicht verstehen. Es handle sich hier um eine Maßnahme, die bereits vor Wochen beschlossen wurde und "notwendig und sinnvoll" sei, sagte er der APA. Betroffen seien zwei Sprechdienste, einer in der Montagnacht - hier liege die Hörerzahl unter der Messbarkeitsgrenze - und einer Samstagnacht - hier seien maximal 2.000 Hörer betroffen, so Amon.

Ö1-Programmchefin Roither-Epp betonte in einer Aussendung, die Einsparung von zwei Sprecher-Nachtdiensten von insgesamt sieben pro Woche auf Ö1 sei eine das Programm nicht beschädigende Folge der von Ö1 geforderten Einsparungen. "Inhaltlich ändert sich in diesen beiden Nächten nichts, es wird dasselbe Programm gesendet wie bisher, und das war mir als Programmchefin ein sehr wesentliches Anliegen."

Die Ö1-Mitarbeiter hatten in ihrem Protest auch moniert, dass die Ö1-Nachrichten nachts durch Ö3-Nachrichten ersetzt werden sollen. Roither-Epp betont, dass es sich um zwei Nächte handle, in denen drei Mal je drei Minuten O-Ton-Nachrichten von Ö3 übernommen würden. Dies sei die einzige eigentliche Änderung. "Diese Nachrichten sind aber in der Qualität sicher nicht schlechter, denn auch sie werden von ORF-Redakteur/innen gemacht und alle ORF-Regionalradios übernehmen diese seit Jahren. Weitere Kürzungen im Programm von Ö1 sind laut Programmchefin nicht vorgesehen.

"Sparen wir diesen Sender nicht unwiederbringlich kaputt", warnt trotzdem Ö1-Kulturredakteurin Dorothee Frank gemeinsam mit vielen ihrer Kollegen im Protestvideo. "Österreich 1 seine Stimme zu entziehen ist in etwa so, wie uns Redakteuren die Stimmbänder abzuschneiden", meint Ö1-Redakteur Peter Waldenberger.

Das Protestvideo war am Donnerstag auch Thema in der Sitzung des ORF-Stiftungsrates, wo es dem Vernehmen nach Unmut über die "Beschädigung des Unternehmens aus nichtigem Anlass" gegeben haben soll, wie ein Teilnehmer berichtete.

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