AUA-Vorstand will sich mit Vergleich von Klagen freikaufen

AUA-Vorstand will sich mit Vergleich von Klagen freikaufen

AUA-Chef Albrecht will unbedingt den Rechtsstreit mit der Bordcrew vermeiden und bietet den betroffenen AUA-Mitarbeitern Abschlagszahlungen an. Eine EuGH-Vorentscheidung zur Causa fällt am 3. Juni. Albrecht braucht rasch Rechtssicherheit für die milliardenschwere Flottenentscheidung der Airline.

Wien/Schwechat Bis zu 305.000 Euro pro Kapitän, rund 15.000 Euro für Flugbegleiter - so viel will die Austrian Airlines (AUA) ihren vor zwei Jahren zu Tyrolean verfrachteten Bordcrews zahlen, um den Rechtsstreit rund um den Betriebsübergang aus dem Weg zu räumen. Bis Ende Mai strebt der Vorstand einen Generalvergleich und einen neuen Konzern-Kollektivvertrag an. Der Betriebsrat bremst aber.

"Wir wollen die Zukunft in die eigene Hand nehmen und nicht auf die Rechtsentscheidung warten", sagte AUA-Chef Jaan Albrecht am Montag in einer Pressekonferenz. Zuvor wurden die Bordbelegschaft über die Ideen des Vorstands informiert. Die Abschlagszahlungen gelten für jene rund 1.000 Mitarbeiter, deren Pensionszusagen mit dem Betriebsübergang strittig wurden. Wie viel sich die Lufthansa-Tochter den Vergleich kosten lassen will, wurde nicht verraten. Es gehe um einen "erheblichen doppelstelligen Millionenbetrag", sagte Albrecht. Die Gehälter der zu Tyrolean verfrachteten Ex-AUA-Crews bleiben dem Vorschlag zufolge wie bisher seit dem Betriebsübergang eingefroren. Für Langstreckenpiloten soll es aber eine Zulage geben. Der KV-Vorschlag sieht weiters eine Erfolgsbeteiligung am Gewinn vor und Pensionszahlungen von 4 bis 5 Prozent. Auch ein neues Karrieremodell findet sich unter den Ideen. Der Betriebsratschef des Bordpersonals, Karl Minhard, will sich die Eckpunkte zuerst im Detail anschauen, bevor er den Daumen senkt oder hebt. Zwei, drei Punkte seien ihm aber schon aufgefallen, die er sich genauer ansehen müsse. So sehe der KV 1.000 Flugstunden pro Jahr vor, obwohl von der EU nur 900 erlaubt seien, erklärte Minhard gegenüber der APA.

Dass die Fluggesellschaft plötzlich nach zehnmonatigen Verhandlungen so aufs Tempo drückt, hängt laut Minhard mit dem kurz bevorstehenden Schlussantrag in Luxemburg zusammen. Der EuGH-Generalanwalt gibt am 3. Juni seine Empfehlung zur Causa AUA ab. Die EuGH-Richter folgen bei ihren Urteilen in vier von fünf Fällen den Empfehlungen ihrer Sachverständigen. Die Entscheidung des EuGH wird für den Herbst erwartet, dann sind wieder Österreichs Höchstrichter am Wort. Laut dem Tyrolean-Geschäftsführer, Klaus Froese, sind der Termin beim EuGH und die KV-Deadline 31. Mai eine "reine Koinzidenz".

Noch heuer will der AUA-Vorstand jedenfalls eine Kaufentscheidung bei der Regionalflotte treffen. Die in die Jahre gekommenen Fokker-Jets müssen in den nächsten Jahren ausgetauscht werden. Entweder man stocke die Dash- und Airbus-Flotten auf oder kaufe vom kanadischen Flugzeughersteller Bombardier neue Jets des Typs CSeries, skizzierte Albrecht heute die zwei verbliebenen Optionen. Außerdem liebäugelt die AUA mit bis zu drei zusätzlichen Langstreckenfliegern. Kostenpunkt der Investitionen in die Flotte: Rund 1 Mrd. Euro. "Das wird der Eigentümer nur unterstützen, wenn wir Rechtssicherheit haben, und nicht auf einen Richter in Luxemburg warten", sagte Albrecht. "Ohne eine Einigung im Kollektivvertrag kann eine derartige bedeutende Investitionsentscheidung nicht getroffen werden", so seine Bedingung.

Schuld an der Rechtsunsicherheit sei der Vorstand selbst, entgegnete Minhard. Das Management sei es gewesen, das das Unternehmen mit dem Kündigen des AUA-KV und dem Betriebsübergang dahin manövriert habe. Einen Vergleich will Minhard nicht grundsätzlich ausschließen. Einen solchen könnten die Mitarbeiter allerdings nur selbst unterschreiben. Es sei aber auch möglich, dass man die Klagen bis zum Schluss durchziehe. Albrecht hingegen hat zum Rechtsstreit eine klare Meinung: Dieser bringe "nur Verlierer". Man wolle den Konflikt daher lieber auf dem Verhandlungsweg lösen. Trotz der erstinstanzlichen Niederlage vor dem Arbeitsgericht gibt sich der Vorstand weiter siegessicher.

Die AUA will jetzt auf Basis des Vorschlags bis zum 31. Mai eine Verhandlungslösung mit Betriebsrat und Gewerkschaft. Der Betriebsrat hingegen sieht keinen Grund zu Hektik. "Wir brauchen vernünftige Verhandlungen, keinen Zeitdruck", so Minhard. Von der Gewerkschaft vida hieß es dazu am Montag, man würde die Vorschläge bereits "auf Herz und Nieren" prüfen. Die im April von Betriebsrat und Management intensivierte Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern sei "auf ersten fruchtbaren Boden gestoßen". Es werde aber mit Sicherheit nichts unterschrieben, was gegen nationales Recht oder EU-Vorschriften verstoße oder negative sicherheitsrelevante Auswirkungen habe.

Kurioses Detail am Rande: Tyrolean, jene Regionalflugtochter, mit der die AUA 2012 die Personalkosten massiv drückte, soll nächstes Jahr in die AUA hineinfusioniert werden. Mit dem neuen KV würden die nach wie vor getrennten Flugbetriebe von AUA und Tyrolean unter der Marke "Austrian" zusammenzulegt und Tyrolean der Geschichte angehören, die verfrachteten Crews "dürften" dann zurück zur "Mainline". Der markentechnische Schönheitsfehler, der Sticker "Operated by Tyrolean", der seit dem Betriebsübergang an den AUA-Fliegern klebt, soll - geht es nach den Plänen des Vorstands - mit der Fusion 2015 wegfallen.

Der umstrittenen Betriebsübergang des gesamten Flugbetriebes war 2012 ein zentraler Punkt im AUA-Sparkurs, mit dem jährlich mehr als 200 Mio. Euro einspart werden sollten. 2013 flog die Airline nach sechs Verlustjahren operativ wieder einen Gewinn von 25 Mio. Euro ein. Wegen der millionenschweren Klagen gegen den Betriebsübergang steht hinter dem Sanierungserfolg aber noch ein dickes Fragezeichen.

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