Arbeitslosigkeit in Österreich steigt deutlich

Arbeitslosigkeit in Österreich steigt deutlich

320.337 Personen suchten einen Job, um 12 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. 256.494 sind arbeitslos gemeldet (plus 12,6 Prozent), 63.843 befinden sich in Schulung (plus 10 Prozent). In absoluten Zahlen sind im Jahresvergleich 34.438 Jobsuchende dazu gekommen.

Die Prognose für die Juli-Arbeitslosenquote liegt bei 6,7 Prozent, ein Zuwachs im Jahresvergleich von 0,7 Prozentpunkten. Jeder vierte Arbeitslose ist länger als ein Jahr ohne Job.

Den stärksten Anstieg verzeichneten Ausländer, Personen mit gesundheitlicher Einschränkung, Langzeitarbeitslose und Ältere. Lichtblick ist die Situation der 15 bis 18-jährigen, wo es einen Rückgang der Arbeitslosigkeit gab. Aufgeschlüsselt auf Branchen ging es dem Bau besonders schlecht (plus 23,4 Prozent). Auch im Produktionssektor sieht es nicht rosig aus (plus 15,9 Prozent). Etwas "besser" erging es den Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen, hier lag das Plus bei den Jobsuchenden bei 11,4 Prozent.

Während die Arbeitslosenzahlen seit Monaten nach oben klettern sinkt inzwischen die Zahl der gemeldeten offenen Stellen (minus 11,8 Prozent). Dabei sind in den aktuellen Zahlen die Großpleiten der letzten Zeit nicht enthalten - wie etwa die rund 2.200 dayli-Beschäftigten die diese Woche beim Frühwarnsystem des AMS angemeldet wurden.

Männer stärker betroffen als Frauen, Ausländer stärker als Inländer

Auffallend ist, dass weiterhin Männer stärker von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen sind als Frauen - und Ausländer mehr als Inländer. Bei älteren Personen ist der Zuwachs der Jobsuchenden doppelt so hoch wie bei den Jungen, hier liegt sie bei plus 9,1 Prozent (39.413 Junge zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos). Die durchschnittliche Verweildauer aller Arbeitslosen lag im Juli bei 98 Tagen, ein Anstieg um einen Tag im Jahresvergleich.

Den starken Anstieg in einigen Sektoren müsse man differenziert sehen, so AMS-Vorstand Johannes Kopf am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Im schwächelnden Bausektor seien besonders viele Ausländer beschäftigt, außerdem müssten in Krisenzeiten meist diejenigen zuerst gehen, die kürzer da sind und über eine geringere Qualifikation verfügen. Diese drei Punkte würden besonders Menschen ausländischer Herkunft betreffen.

Bei den Älteren dürfe man nicht übersehen, dass auch die Zahl der Beschäftigten überdurchschnittlich steigt. Während es über alle Altersschichten hinweg im Juli einen Zuwachs der Beschäftigung von 18.000 Stellen gegeben hat, wurden für die Gruppe der über 50-jährigen 40.000 Stellen geschaffen. Demzufolge gab es bei den unter 50-jährigen ein Minus von rund 22.000 Stellen.

Bei Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung (Rückenleiden, Bandscheibenprobleme, Bluthochdruck, etc.) wirke sich aus, dass Firmen in Krisenzeiten "sehr selektiv" bei der Mitarbeiterauswahl vorgehen würden.

Recht unterschiedlich hat sich die Jobsituation im Bundesländervergleich entwickelt. Spitzenreiter sind Tirol und Salzburg mit plus 18 bzw. 17 Prozent. Etwas besser sah es hier in Wien mit plus 10,1 Prozent aus - allerdings stieg auch nirgends die Zahl der Schulungen so stark wie in Wien mit plus 17,7 Prozent (Anmerkung: Schulungsteilnehmer werden nicht als arbeitslos gezählt).

Europäische Wirtschaftslage ist schuld

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) sieht den Grund für die weiterhin steigende Arbeitslosigkeit in der schlechten europäischen Wirtschaftslage. Er ist aber optimistisch, dass sich im Herbst bzw. im kommenden Jahr in Folge einer Belebung der Wirtschaft die Arbeitsmarktdaten bessern. Und er verweist auf die weiterhin steigende Beschäftigung. Sie stieg um 18.000 Personen auf nunmehr 3,58 Millionen Beschäftigte.

Der Sozialminister legt bei seiner Analyse aber auch die Hand in eine offene Wunde: "45 Prozent aller vorgemerkten Personen haben keinen formalen Bildungsabschluss und fast die Hälfte des aktuellen Arbeitslosigkeitsanstiegs entfällt auf Personen mit maximal Pflichtschulabschluss."

AK-Präsident Rudi Kaske kritisierte die Situation für ältere Arbeitslose: "Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, steht die Wirtschaft auf der Bremse." Kaske forderte einmal mehr ein Bonus-Malus-System, das Betriebe belohnt die Ältere anstellen oder halten - oder bestraft wenn die Generation 50+ zum Arbeitsmarktservice geschickt wird.

Die Industriellenvereinigung (IV) führt die steigende Arbeitslosigkeit ebenso wie Hundstorfer auf die schwache europäische Konjunktur zurück. Peter Koren, Vize-Generalsekretär der IV nutzte die Gelegenheit um einmal mehr flexiblere Arbeitszeiten zu fordern. Die Gewerkschaft lehnt dies ab weil sie darin eine Kürzung der Überstundenzuschläge durch die Hintertür befürchtet.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich über die Arbeitslosenzahlen "schockiert". Er sprach von einem "Offenbarungseid der verheerenden rot-schwarzen Arbeitsmarktpolitik". In der stark steigenden Arbeitslosigkeit von Ausländern sieht Strache ein "Versagen der Integrationspolitik".

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