Arbeitslosigkeit in der EU: Österreich nimmt Vorbildfunktion ein

Arbeitslosigkeit in der EU: Österreich nimmt Vorbildfunktion ein

Die Krise in Europa hat am Arbeitsmarkt vor allem eine Gruppe besonders hart getroffen: junge Menschen. Inbesondere in arg gebeutelten Ländern wie Griechenland oder Spanien stehen immer mehr Jugendliche ohne Job da. Das wollen die EU-Staats- und Regierungschefs, die sich diesen Donnerstag in Brüssel zum Gipfeltreffen zusammenfinden, ändern. Milliardenschwere Investitionen sollen helfen. Doch wo sollen die Gelder sinnvoll eingesetzt werden? Als Vorbild könnte Österreich dienen.

Österreich hat mit 4,9 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote innerhalb der EU. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegt Österreich mit einer Quote von acht Prozent auf Platz zwei hinter Deutschland mit 7,5 Prozent. Viele ausländische Experten sind daher in den vergangenen Jahren bereits in die Alpenrepublik gereist, um das Geheimnis des österreichischen Modells zu ergründen.

Duale Berufsausbildung

Kenner führen die hohe Jugendbeschäftigung in Österreich auf das auch in Deutschland bewährte System der dualen Berufsausbildung zurück, in dem die Auszubildenden parallel zu ihrer praktischen Ausbildung theoretischen Unterricht in Berufsschulen erhalten. Unternehmen wie der österreichische Stahlkonzern Voestalpine setzen seit Jahrzehnten auf dieses Modell. Zwar kostet ein Auszubildender den Konzern fast 70.000 Euro. Doch verlassen auch nur zehn bis 15 Prozent der Lehrlinge den Konzern innerhalb der ersten fünf Jahre.

Und auch Jugendliche, die für eine Ausbildung nicht in einer Firma unterkommen, müssen in Österreich nicht untätig rumsitzen. Um sie kümmert sich der Staat. Er finanziert die Ausbildung in eigenen Werkstätten oder ausgesuchten Betrieben. Dieser Versuch weckt auch im Ausland Interesse: Viele Fachleute besuchten die staatlich bezahlten Ausbildungsstätten, sagt der Chef der österreichischen Arbeitsagentur AMS Herbert Buchinger. "Das hat sprunghaft zugenommen, seitdem Europa wahrgenommen hat, dass es in Österreich besser läuft als im Rest von Europa." Eine Hürde seien jedoch die Kosten, die sich pro Lehrling auf 14.000 bis 16.000 Euro jährlich beliefen. Fraglich ist, ob sich Krisenstaaten solche Ausgaben leisten könnten.

Milliardeninvestitionen in den Arbeitsmarkt

Österreich investiert pro Jahr eine Milliarde in die Belebung des Arbeitsmarkts - die Hälfte davon in Jobs für Jugendliche von 15 bis 24 Jahren. Und das ist keine neue Erfindung, um die Arbeitslosenquote niedrig zu halten. "Wenn mich einer fragt, wie das mit den Schulden ist, dann sag ich ihm, dass mir ein paar Milliarden mehr Schulden weniger schlaflose Nächte bereiten als ein paar hunderttausend Arbeitslose mehr", sagte schon der damalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky in den 1970er-Jahren. Im Vergleich dazu sind im EU-Budget von 2014 bis 2020 sechs Milliarden Euro zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorgesehen.

AMS-Chef Buchinger führt die niedrige Arbeitslosigkeit daneben unter anderem auch auf den geringen Kündigungsschutz zurück. "In Österreich sind die Arbeitgeber eher bereit jemanden einzustellen", sagte er. In Krisenzeiten sei es für die Unternehmen dadurch vergleichsweise schnell möglich, ihre Mitarbeiterzahl zu verringern. In Österreich gibt es zudem keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Stattdessen werden die Löhne für jede Beschäftigtengruppe individuell mit den Gewerkschaften verhandelt. Dabei nähmen die Verhandlungspartner auch Rücksicht auf die aktuelle Arbeitslosigkeit, sagte OECD-Experte Andreas Wörgötter. Bei einem niedrigen Lohnabschluss hätten die Firmen tendenziell mehr Möglichkeiten, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Spanische Kellner mit Studium

Von den österreichischen Arbeitslosenzahlen können junge Menschen in anderen europäischen Ländern nur träumen. Oft finden sie gar keinen Job, und wenn, dann häufig nicht in ihrem erlernten Beruf. Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC etwa hat vor wenigen Monaten Luftfahrtingenieure in Spanien gesucht - und auf vier Stellen tausend Bewerbungen erhalten, sagt FACC-Personalmanager Halmut Andexer. "Es war traurig die Lebensläufe von Universitätsabsolventen zu sehen, die seit Jahren jobben: zwei Monate im Kaffeehaus, dann drei Monate als Reiseführer", sagte Andexer. Mittlerweile arbeiten bei FACC 16 Spanier - viele jung und ungebunden, die zumindest einige Jahre in Österreich bleiben wollen, bis die Krise zu Hause vorbei ist.

Auch Griechen zieht es in die Alpenrepublik. Der 30-jährige Anastasios Stefanidis arbeitet seit mehr als zwei Jahren im Wintersportort Ramsau, wo er den Onlineshop des regionalen Sportladens betreut. "Ich habe zwei Jahre lang Landkarten-Design studiert. Wenn ich in dem Bereich in Griechenland Arbeit finden müsste, wäre das ziemlich schwierig - besonders jetzt - außer man kennt eine wirklich wichtige Person, die einem den Job durch die Hintertür verschafft", sagt er.

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