An der Autobahn gewinnt nur die Asfinag

An der Autobahn gewinnt nur die Asfinag

Next Exit China: Der Verkauf der Rosenberger-Raststätten macht deutlich, wie sehr sinkende Umsätze die Branche belasten. Nur die Asfinag profitiert vom Geschäft mit Snacks und Sprit an den Autobahnen.

Ein simpler Schokoriegel um 3,30 Euro, Cola um 3,80 und Superbenzin zu Apothekerpreisen - auf den ersten Blick muten Österreichs Raststationen wie Raubritterlager an - und wie Goldgruben für ihre Betreiber. Doch der Eindruck täuscht. Nicht erst seit dem überraschenden Verkauf der 19, mit hohen Verbindlichkeiten beladenen Rosenberger-Standorte an chinesische Privatunternehmer, ist die Krise der Branche offensichtlich. Die hohen Treibstoffkosten an den Autobahnen, die Diskussion um Toiletten-Gebühren und überteuerte Snacks lassen die Autofahrer günstigere Alternativen, etwa Autohöfe oder Fastfood-Filialen nahe den Abfahrten, aufsuchen. Um die verbleibenden Besucher buhlen in Österreich drei große Player.

Insgesamt sind an den von der Asfinag verwalteten Autobahnen und Schnellstraßen 90 Raststationen angesiedelt. Damit zählt Österreich zu den europäischen Ländern mit der höchsten Dichte solcher Einrichtungen. Rosenberger ist mit 19 Filialen und 40 Millionen Euro Umsatz die Nummer 1 in Bezug auf die Standorte, gefolgt von Landzeit (14 Stationen, aber 50 Millionen Euro Umsatz) und Autogrill mit Hauptaktionär Benetton (13 Filialen, 17 Millionen Euro Umsatz). Den Rest teilen sich kleinere Unternehmen wie Oldtimer oder Mövenpick auf. Weitere Stationen sind laut Asfinag derzeit nicht geplant.

Teure Investitionen

Studiert man das Geschäftsmodell der Autobahnraststätten genauer, wird schnell deutlich, warum zumindest für die Betreiber nur mehr schwer Geld zu verdienen ist. Die Errichtung eines Standortes und teilweise auch der Auf- und Abfahrten sind von Rosenberger, Landzeit & Co zu tragen. Das kostet üblicherweise zwischen fünf bis sechs Millionen Euro. Für die neue Station beim Knoten Steinhäusl auf der Westautobahn wurden sogar Baukosten von 21 Millionen fällig. Immerhin: Die theoretische Frequenz ist enorm. Hier kommen täglich 60.000 Autos vorbei.

Hinzu kommt eine jährliche Pacht, die an die Asfinag zu entrichten ist. Das ist ein einstelliger Prozentbetrag des Umsatzes, der allerdings je nach Produktgruppe variiert. Treibstoffe mit ihren geringeren Spannen sind begünstigt, wo sich aber mit Gastronomie oder Übernachtungen mehr verdienen lässt, ist der Pachtbeitrag höher. Für die Asfinag selbst ist das Raststätten-Business also ein sehr gutes Geschäft mit geringem Risiko: Aus Verpachtungserlösen wurden zuletzt 31,3 Millionen Euro lukriert.

Den Betreibern macht die wirtschaftliche Entwicklung allerdings schwer zu schaffen. Lagen die Umsätze bis zur Finanzkrise bei ungefähr einer Milliarde Euro pro Jahr, sanken sie in den vergangenen beiden Jahren auf rund 760 Millionen Euro - bei unveränderter Standortanzahl. Grund: Dienstwagen-Fahrer und LKW-Nutzer tanken nicht mehr auf Raststationen, die Firmen haben hier den Rotstift angesetzt.

Umsatz-Sieger Mondsee

Hinzu kommen unterschiedliche regionale Entwicklungen. Auf Autobahnen mit höherem Pendleranteil sind die Umsätze deutlich gesunken. Hingegen unterliegt der Überland-Reiseverkehr geringeren Schwankungen. Umsatz-Spitzenreiter sind daher die Stationen Mondsee (Landzeit) und St. Pölten (Rosenberger). Hingegen hat Autogrill die Standortverträge bei Bad Fischau gekündigt und hält dort nur mehr ein Tankstellen-Angebot aufrecht. Ob die beiden Raststätten wiedereröffnet werden, ist unsicher.

Nicht einmal die deutlich verbesserte Qualität kann den Umsatzverfall aufhalten. Assoziierte man bis in die späten 90er-Jahre Raststätten noch mit schmierigen Tischen, aufgewärmten Gerichten und verrauchten Gasträumen, liegen Österreichs Autobahnstationen nunmehr an der Europa-Spitze, wie Tests des deutschen Autofahrerklubs ADAC und der heimischen Pannendienste ÖAMTC und ARBÖ beweisen. Diese Qualität mussten die Betreiber aber durch hohe Investitionen finanzieren - kein Wunder, dass die Preise, wie die Arbeiterkammer regelmäßig kritisiert, bis zum Doppelten des Supermarkt-Niveaus betragen.

Abfahren und sparen

Vom hohen Preisniveau profitieren zunehmend sogenannte Autohöfe. Meist direkt neben Abfahrten angesiedelt, sparen sie die Pachtgebühr an die Asfinag, vermeiden deren Auflagen und lukrieren auch lokale Kundschaft. Offensichtlichtes Beispiel dafür ist die Westautobahn. In den vergangenen zehn Jahren eröffneten allein an der A1 vier McDonald´s Restaurants in Kombination mit Tankstellen.

Für die etablierten Anbieter ist die Zukunft daher wenig erfreulich. So gibt es bislang auch keine öffentlich kommunizierten Pläne der Neo-Rosenberger-Eigentümer aus China, wie sie mit den Verbindlichkeiten von 18 Millionen Euro umgehen wollen bzw. welches Konzept frischen Schwung bringen soll. Einziger Trost: Die 800 Mitarbeiter sollen sich laut der Unternehmensleitung "keine Sorgen“ machen.

Auf internationaler Ebene gibt es hingegen bereits reale Vorbilder für die Raststätte der Zukunft. Autogrill arbeitet in Frankreich mit Starbucks zusammen. Dort will man auf den Schnellverbindungen auch regelrechte Mobilitätsplattformen einrichen: Mit Carsharing-Stützpunkten, flächendeckendem W-Lan, Self-Storage-Anlaufstellen und Supermärkten.

Dagegen muten die häufig mit skurrilen Plastiktieren verzierten Toilette-Anlagen und mit Winnetou-Kinderschnitzel bestückten Speisekarten in Österreich geradezu rührend an. Schneller war man hierzulande bei der Umrüstung der Stations-WCs mit Drehkreuzen. Bis auf Oldtimer und Landzeit heben alle Betreiber die heuer eingeführte 50-Cent-Benützungsgebühr ein. Immerhin eine sichere Einnahme.

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