Alpine Bau-Mitarbeiter rechnen ab

Alpine Bau-Mitarbeiter rechnen ab

Die Mitarbeiter am Firmensitz der Alpine Bau in Wals bei Salzburg haben in einem "Offenen Brief an die Entscheidungsträger in den Verhandlungen zur Alpine-Rettung" heftige Kritik am Konjunkturpaket geübt, das die Regierung eilends zusammengeschnürt hat, um die Bauwirtschaft anzukurbeln.

"Wieso wundert es niemanden, dass genau jetzt – zu spät für die Alpine – ein Konjunkturpaket gestartet wird, das jenen Konkurrenten zugutekommt, die ohnehin mit Übernahme unserer Aufträge mehr als ausgelastet sein werden?", fragt sich die Belegschaft laut "Salzburger Nachrichten", die den Brief heute, Mittwoch, in Auszügen veröffentlichte.

Und weiter: "Wem fällt eigentlich auf, dass in den Firmen, die jetzt die profitablen Baustellen und Teile der Alpine erwerben werden, überdurchschnittlich viele ehemalige Alpine-Mitarbeiter sind?" Die Mitarbeiter sind eigenen Angaben zufolge "wütend, enttäuscht, traurig und haben das Gefühl, als Spielball verschiedenster Interessen am Ende die Betrogenen zu sein".

Seit Monaten sei ihnen vorgegaukelt worden, dass es im Notfall eine Auffanglösung für das Unternehmen gebe. Nun sei dieses Projekt innerhalb einer Woche gefallen.

Marktbereinigung der anderen Art?

"Könnte es vielleicht auch sein, dass Banken plötzlich ihre Unterstützung versagt haben, um wenigstens den Konkurrenzfirmen, die kaum besser dastehen als Alpine, das Überleben zu sichern, damit zumindest deren Haftungen nicht schlagend werden – eine Marktbereinigung der anderen Art, denn so traf es vor allem die spanische FCC?", heißt es in dem Offenen Brief weiters.

Die Belegschaft räumt Managementfehler als Hauptursache für den Abstieg der Alpine ein und bezeichnet das Ausmaß der Verschuldung als "ungeheuerlich". Auf Unverständnis stößt aber dennoch die "komplette, rasend schnelle Auslöschung eines für österreichische Verhältnisse riesigen Unternehmens".

Leitl: "Kein unmittelbares Problem für 90 Prozent der Arbeitnehmer"

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) versucht derweil, Entwarnung für 90 Prozent der Arbeitnehmer der Alpine Bau zu geben– für die 4.905 betroffenen Mitarbeiter der Alpine und die rund 5.000 bei Zulieferfirmen. "Für 90 Prozent der insgesamt rund 10.000 Beschäftigten kann Entwarnung gegeben werden", sagte Leitl am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz in Wien. Für sie gebe es "kein unmittelbares Problem". Leitl-Stellvertreter Christoph Matznetter (SPÖ) sah die Sache "nicht so positiv".

"Für einige Hundert - weniger als Tausend - wird es aber wohl Probleme geben und diese darf man nicht kleinreden", so der Kammerpräsident. Man werde die Aufgaben erfüllen, um sie rasch wieder am Arbeitsmarkt zu integrieren - etwa über eine "individuelle Jobbörse des AMS".

Generell lobte Leitl das Geschäftsmodell der Arbeitsgemeinschaften im Vergleich zum Generalunternehmertum. Denn bei Arbeitsgemeinschaften könnten Baustellen rascher weiterlaufen als bei Generalunternehmern.

Um den Bau aber weiter anzukurbeln, rufe er "nicht nach dem Staat, sondern nach jenen, die überlegen, wie sie ihr Geld anlegen wollen". Schließlich würden in Österreich "jährlich 5.000 bis 10.000 Wohnungen fehlen". Auch dürfe man nicht vergessen, welch enormes Potenzial die thermische Sanierung habe - um das EU-Ziel der jährlichen Sanierung von 3 Prozent des Bestands zu renovieren, müssten in Österreich per anno 40.000 Gebäude saniert werden. Auch die Straßen hierzulande seien oft in einem schlechten Zustand und gesellschaftsbedingt würden auch altersgerechte Sanierungen wichtiger.

Matznetter gab zu bedenken, dass es "irreal" sei, dass österreichische Unternehmen nun bei Alpine-Baustellen im Ausland zum Zug kämen. "Diese Wertschöpfung ist dauerhaft verloren. Im Inland wird sich das zeigen." Die Wunde, die das Alpine-Aus hinterlasse, sei groß.

Niederösterreich zieht Bauinvestitionen vor

Die ÖVP NÖ beschloss zwischenzeitlich Unterstützungsmaßnahmen – die von einer Arbeitsstiftung als Auffangnetz für die Beschäftigten bis zum Vorziehen von Vergaben, um den betroffenen Klein- und Mittelbetrieben (KMU) Aufträge zu verschaffen, reichen, erläuterte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Eine wesentliche Ursache der Pleite sah er in "verfehltem Management".

In Niederösterreich sind an fünf Standorten 700 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen, dazu kommen rund 300 Zulieferbetriebe mit 31.500 Mitarbeitern, so Pröll. "Wir lassen die Klein- und Mittelbetriebe nicht im Stich." Um Liquiditätsengpässe hintanzuhalten, sichere das Land 50-prozentige Haftungsübernahmen für Betriebsmittel- und Finanzierungskredite bis zu 250.000 Euro zu. Bis zu 100.000 Euro seien im vereinfachten Verfahren innerhalb von zehn Tagen abzuwickeln, ergänzte Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP). In ihrem Ressort wurde eine Hotline zur Beratung eingerichtet (02742-9005-16168).

Weiters sollen im Budget 2014 vorgesehene Bauinvestitionen in der Größenordnung von 50 Mio. Euro auf diesen Herbst vorgezogen werden, damit die Auftragsbücher der KMU schon zu Jahresbeginn 2014 gefüllt sind, so Pröll. 20 Millionen "frisches Geld" sollen für kleinere Instandhaltungen in die Hand genommen werden, die ebenfalls vorgezogen werden. Das sei relativ unbürokratisch möglich, weil dafür keine Ausschreibungen notwendig sind. Als Beispiele nannte Bohuslav Fenstersanierungen in Landesberufsschulen oder die thermische Sanierung im Festspielhaus St. Pölten.

Hotline für Alpine-Mitarbeiter

Für die betroffenen Alpine-Mitarbeiter wurde ebenfalls eine Hotline (02742-9005-9555) eingerichtet, sagte LHStv. Wolfgang Sobotka (ÖVP). Unmittelbar nach der Konkursanmeldung habe man mit dem Arbeitsmarktservice NÖ (AMS NÖ) die Einrichtung einer Arbeitsstiftung besprochen. Zielsetzung dabei seien Berufsorientierung, Ausbildung und Qualifizierung sowie aktive Arbeitssuche. Das Land werde überdies jenen, die sich in der Arbeitsstiftung befinden, die Wohnbaudarlehen - bis zu drei Jahren - zins- und tilgungsfrei stellen, das Gleiche gelte für Kredite bei der Hypo NÖ.

Im Zusammenhang mit der Alpine-Pleite zeigte sich Sobotka "irritiert", dass Zentralbetriebsrat und AKNÖ-Präsident Hermann Haneder jetzt "überrascht" sei. Da stelle sich die Frage, was Haneder als Mitglied des Aufsichtsrates getan habe.

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Wirtschaft

Haselsteiner und Waffenproduzent Glock sollen Flughafen Klagenfurt retten

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Politik

Regierung einig: Steuerreform vor Beschluss

Slideshow
Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich

Wirtschaft

Shopping-Neuheiten: Diese Stores kommen heuer nach Österreich