Alpine Bau: Eine der größten Pleiten der Zweiten Republik

Alpine Bau: Eine der größten Pleiten der Zweiten Republik

Die Rettung der Alpine Bau ist endgültig gescheitert. Der zweitgrößte österreichische Baukonzern schlittert in die Insolvenz – der Insolvenzantrag wurde am Mittwoch eingebracht. 2.000 Jobs gehen wohl sofort verloren. Die Porr interessiert sich für Teile der Alpine. Die Unternehmens-Anleihen wurden vom Handel ausgesetzt.

"Trotz beträchtlicher Unterstützung der finanzierenden Banken und intensiven Bemühungen des Eigentümers ist es wider erwarten nicht gelungen, die Alpine-Gruppe außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren", heißt es in einer Pflichtmitteilung der Alpine Bau.

Wie der Kreditschutzverband KSV 1870 mitteilte, hat die Alpine Bau GmbH den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien eingebracht. Beantragt wird ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die Fortführung des Unternehmens und die Sanierung werden beabsichtigt. Der Antrag wurde am HG Wien eingebracht, weil die Alpine-Geschäftsleitung in Wien erfolge, obwohl der Sitz des Unternehmens in Salzburg liege, so der KSV 1870.

Der KSV 1870, der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) und die Creditreform arbeiten zur Stunde an der Ermittlung der genauen Außenstände. Einer ersten groben Schätzung der Kreditschützer zufolge erreichen die Gesamtpassiva rund 2,6 Mrd. Euro, sagte Peter Stromberger von der Insolvenzabteilung des AKV zur APA.

Die Aktiva liegen ersten Angaben zufolge bei 661 Mio. Euro. Daraus errechnet sich eine Überschuldung von 1,9 Mrd. Von der Pleite sind laut Creditreform 6.483 Dienstnehmer im In- und Ausland betroffen. Auf der Kreditorenliste stehen zudem rund 8.000 Gläubiger, sagte der AKV-Vertreter zur APA. Den Gläubigern wird im Sanierungsplan eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten.

Den bisher - mit Abstand - größten Konkurs in Österreich hatte die Konsum-Firmengruppe mit Passiva in Höhe von rund 1,9 Mrd. Euro hingelegt. Dahinter folgten die A-TEC-Gruppe (rund 1 Mrd. Euro) und der Maculan-Konzern (rund 800 Mio. Euro).

Im Zuge des Sanierungsverfahrens sollen auf der Grundlage eines von erfahrenen Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes, Teile der Bau-Gruppe mitsamt den damit verbundenen Arbeitsplätzen und Subunternehmen fortgeführt werden. Dieses Konzept soll in den nächsten Wochen von den Insolvenzverwaltern geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt werden, heißt es weiter.

Auch deutsche Tochter rutscht in die Pleite

Nach der Pleite der österreichischen Alpine Bau GmbH ist auch die deutsche Tochter insolvent. Der Vorstand habe am Mittwoch beim Amtsgericht Landshut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, teilte die Alpine Bau Deutschland AG in Eching mit.

"Wir haben das klare Ziel, Alpine zu sanieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende Frank Jainz. Zum vorläufigen Sachwalter sei der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz bestellt worden. Die Alpine Bau Deutschland AG war unter anderem für den Bau der Münchner Allianz Arena verantwortlich und ist beim Bahnprojekt Stuttgart 21 beteiligt. Sie hat 1.500 Mitarbeiter und erzielte 2012 einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro.

Rund 2.000 Alpine-Jobs sind weg

Die Alpine-Pleite dürfte rund 2.000 Jobs im Konzern direkt kosten. Davon ging Sozialminister Rudolf Hundstorfer Donnerstagvormittag am Rande des ÖGB-Kongresses im Gespräch mit der APA aus. Wie viele Mitarbeiter aus Zulieferbetrieben zusätzlich betroffen seien, könne man noch nicht genau abschätzen, da nicht klar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen von der Alpine abhängig seien. Für alle Betroffenen werden nun Arbeitsstiftungen errichtet.

Konkret sollen innerhalb eines Monats acht solcher Stiftungen etabliert werden, in allen Bundesländern außer Vorarlberg, da es dort keine Alpine-Beschäftigten gibt. Sie werden auch den Beschäftigten der betroffenen Zulieferer offenstehen, wie Hundstorfer versicherte.

Insgesamt beschäftigt die Alpine in Österreich rund 7.500 Mitarbeiter. Zwei Teilbereiche gehen aber nicht in Insolvenz, wodurch rund 1.500 Mitarbeiter ihre Jobs behalten dürften. Dazu rechnet Hundstorfer damit, dass von einer Auffanggesellschaft 4.000 Personen weiter beschäftigt werden.

Als "Glück im Unglück" sieht Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, dass die Insolvenz nun in den Sommermonaten stattfindet. Angesichts der offenen Baustellen steige nämlich so die Chance für Übernahmen und damit auch für die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter, so Mitterlehner ebenfalls am Rande des ÖGB-Kongresses auf Anfrage der APA.

Republik haftet mit 150 Millionen Euro

Die Republik Österreich hängt mit 150 Millionen Euro an Haftungen in der Alpine Bau. Wie es mit den Haftungen weitergeht bleibt laut Finanzministerium aber noch abzuwarten. "Das hängt von der Quote ab, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststeht", hieß es dazu aus dem Büro von Finanzministerin Maria Fekter knapp.

Den Gläubigern wird im Sanierungsplan jedenfalls eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten - der Steuerzahler dürfte also 120 Mio. Euro der 150 Mio. Euro verlieren, wenn nur 30 Mio. Euro von der Alpine zu holen sein sollten.

Die Haftungen des Bundes werden von der Kontrollbank (OeKB) abgewickelt. Die Republik steht nach dem Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz (ULSG) für zwei Konsortialkredite österreichsicher Institute in Höhe von 300 Mio. Euro im Ausmaß von 50 Prozent gerade.

Alpine Bau-Betriebsrat erwartet Folgekosten

Der Chef des Alpine-Betriebsrats, Hermann Haneder, hat "große Sorge vor möglichen zahlreichen Folgekonkursen, die weitere zahlreiche Arbeitnehmer treffen könnten," geäußert. Den Alpine-Mitarbeitern versprach der Betriebsratschef, "alles zu versuchen, damit niemand unter die Räder gerät". Allerdings schätzte er, dass im Ausland wohl alle rund 7.500 Arbeitsplätze verlorengehen könnten und in Österreich von den etwa gleich vielen Jobs nur "4.000 bis 5.000 bleiben könnten". Zu Mittag gibt es ein Treffen mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Haneder erhofft sich von dem Gespräch beim Minister, bei dem auch Vertreter des Insolvenzfonds, des Arbeitsmarktservices (AMS) und der Alpine-Personalchef dabei sein werden, "dass die nunmehr notwendige Vorgangsweise klar wird, damit wir als Betriebsrat unsere Leute informieren können". Schließlich gebe es unzählige besorgte Anrufe, vor allem jüngere Mitarbeiter, die jeden Cent brauchten würden, irrsinnige Sorgen haben.

"Wir müssen die notwendigen Schritte finden, um soviele Arbeitsplätze wie nötig zu retten", appellierte der Betriebsratschef, der auch Niederösterreichs Arbeiterkammer-Chef ist. Das Ziel einer Auffanggesellschaft für die Alpine Bau dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

Insgesamt gestand Haneder gegenüber der APA allerdings ein, "dass mein Vertrauen angeschlagen ist, vor allem weil – und wie – es nun zur Insolvenz kam. Die Spanier (dortigen Gläubigerbanken, Anm.) haben uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel."

Glimpflicher Ausgang für Facharbeiter erwartet

Experten erwarten für die Bauarbeiter der Alpine Bau einen relativ glimpflichen Ausgang. Ein Großteil der Alpine-Facharbeiter werde gegebenenfalls von anderen Baufirmen übernommen, sagte Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer des Fachverbands Bauindustrie in der WKÖ, Mittwochnachmittag zur APA. "Die Bauleistung ist da. Die Baustelle macht dann eine andere Firma." Auch IHS-Ökonom Helmut Hofer erwartet "nicht so große" Effekte auf den Arbeitsmarkt.

Katastrophal könnte die Insolvenz für etliche kleine und mittlere Zulieferer der Alpine in Österreich enden, die Subleistungen erbracht haben und nun 80 Prozent ihrer Forderungen verlieren. Es werde "einige" Folgekonkurse im Baunebengewerbe (Bauschlosser, Glaser, Tischler, Haustechnik) geben, erwartet Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel. Er fordert eine "saubere Lösung" für die betroffenen KMUs und deren Mitarbeiter. Laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) belaufen sich die Außenstände der Alpine-Zulieferer auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Für Katzenschlager muss nun "möglichst schnell" eine Lösung für die Alpine gefunden werden, damit keine Zwischenarbeitslosigkeit für die Facharbeiter entstehe. Das Schrumpfen der Alpine Bau werde vermutlich vor allem Jobs in der Verwaltung kosten. "Die Alpine wird nicht in gleicher Form weiter bestehen."

Lob gab es von IHS-Ökonom Hofer für die heimische Politik, sich nicht mit weiteren Bürgschaften bei der Alpine engagiert zu haben. "Eine gewisse Strukturbereinigung ist nötig. Konkurse gehören zum Geschäft." Eigentümer, Banken und Politik hätten erfolglos versucht, das Unternehmen zu retten.

FCC: Stetige Verschlechterung der Geschäftslage

Die Insolvenz ist laut spanischer Alpine-Mutter FCC auf zwei Faktoren zurückzuführen: Zum einen wurde der verzögerte Asset-Verkauf schlagend, der für die Sanierung heuer bereits rund 200 Mio. Euro einspielen hätte sollen; zum anderen hätte sich auch die "stetige Verschlechterung der Geschäftslage seit dem ersten Quartal 2012" ausgewirkt. Im ersten Quartal 2013 hatte die FCC eigenen Angaben zufolge alleine wegen der Alpine Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 625 Mio. Euro in den Büchern.

Ex-Alpine-Chef und -Miteigentümer Dietmar Aluta-Oltyan, der den Konzern jahrzehntelang begleitete, dürfte jedenfalls genau zum richtigen Zeitpunkt aus dem Bauunternehmen ausgestiegen sein: Erst im Februar 2012 kauften ihm die Spanier noch die restlichen 13,5 Prozent der Unternehmensanteile ab. Zum Kaufpreise wurden keine Angaben gemacht. Im Vorjahr bescherte die Alpine der FCC Verluste in Höhe von 420 Mio. Euro.

Die Entwicklungen der letzten beiden Monate "ließen es ratsam erscheinen, ein neues Gleichgewicht bei den Finanzen zu suchen". Der "Mangel an Konsens unter den Geldgebern" betreffend des daraufhin adaptierten Sanierungsplans habe die Alpine dazu veranlasst, die Insolvenz zu beantragen.

Die Porr ist an Alpine-Teilen interessiert

Der österreichische Baukonzern Porr hat Interesse an Teilen der insolventen Alpine Bau. "Die Porr ist daran interessiert, Teile der Alpine oder ein Gesamtkonstrukt für Österreich sinnvoll zu übernehmen", sagte ein Porr-Sprecher am Mittwoch zu Reuters. Gespräche hierzu würden bereits laufen.

Anleihen "unhandelbar"

Die jüngsten Entwicklungen bei dem Salzburger Baukonzern gingen logischerweise auch an den Anleihen nicht spurlus vorbei. Devise: Gute Nacht! So handelt das 2016er-Papier zuletzt bei einem Kurs von 33 Prozent. Aktuell sind die Forderungswertpapiere vom Handel ausgesetzt.

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Eckdaten der Alpine Bau

Der in die Insolvenz geschlitterte Baukonzern Alpine hat 2012 mit rund 15.000 Mitarbeitern eine Bauleistung von 3,2 Mrd. Euro (2011: 3,62 Mrd. Euro) erzielt und dabei einen Verlust vor Steuern in Höhe von 449,7 Mio. Euro erlitten. Im ersten Quartal 2013 war das Ergebnis vor Steuern (EBT) mit 90 Mio. Euro negativ und der Verlust damit fast doppelt so hoch wie im außergerichtlichen Sanierungsplan vorgesehen, der mit dem spanischen Eigentümer FCC und den Gläubigerbanken ausverhandelt worden war.

An der Existenz des Bauriesen hängen Tausende Jobs. Die Alpine selbst beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter - davon etwa 7.500 in Österreich. Mit dem Unternehmen verwoben sind allerdings alleine weitere rund 7.500 Arbeitsplätze bei jenen 1.500 Subunternehmen und 1.500 Lieferanten, die mit der Alpine ein Volumen über 100.000 Euro jährlich abwickeln. Die kleineren Unternehmen sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten.

Zuletzt hatte der Baukonzern bei seinen rund 50 österreichischen und internationalen Gläubigerbanken Kredite im Ausmaß von rund 450 Mio. Euro offen. Hinzu kommen Leistungsgarantien in noch unbekannter Höhe.

Des weiteren hat die Alpine Verpflichtungen im Volumen von 290 Mio. Euro aus drei Unternehmensanleihen, die heute, Mittwoch, vom Handel ausgesetzt wurden. Die Republik haftet zudem zu 50 Prozent für Kredite in Höhe von 300 Mio. Euro, hat also 150 Mio. Euro bei der Alpine offen.

Die spanische Konzernmutter FCC, die 2006 bei der Alpine einstieg und erst Anfang 2012 auf 100 Prozent aufstockte, hat in den vergangenen sieben Jahren bereits über 700 Mio. Euro in die Alpine gesteckt - inklusive Kaufpreis und Finanzspritzen.

Historie der Alpine Bau

Der insolvente Baukonzern Alpine hat eine fast 50-jährige Unternehmensgeschichte hinter sich. Der Gesellschaftsvertrag der Alpine Bau GmbH (früher Alpine Mayreder Bau GmbH) geht laut Firmenbuch auf den 1. Oktober 1964 zurück. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erfolgte eine dynamische Expansion: Was als Baumaschinenhandel mit 28 Mitarbeitern begann, endete als internationaler Großkonzern mit über 15.000 Mitarbeitern im In- und Ausland.

Das Unternehmen mit Sitz in Wals bei Salzburg entwickelte sich zum zweitgrößten Baukonzern in Österreich - hinter der Strabag, aber noch vor der Porr. Die Alpine beschäftigt hierzulande rund 7.500 Mitarbeiter ist aber kein österreichischer Baukonzern mehr, sondern ein spanischer - er gehört zu 100 Prozent zur spanischen FCC-Gruppe.

1972 wurde Dietmar Aluta-Oltyan zum Geschäftsführer ernannt, der bis Anfang 2012 auch Miteigentümer war. Bald folgten die ersten Großprojekte wie der Bau von Kraftwerken in Deutschland und Griechenland. Später expandierte die Alpine nicht nur im europäischen Ausland, sondern ging auch auf die Märkte im Nahen Osten, Indien und Südostasien.

2006 übernahm der spanische Mischkonzern Fomento de Construcciones y Contratas (FCC) die Mehrheit an der Alpine. Sechs Jahre später wurde FCC 100-Prozent-Eigentümer.

Über FCC

Die spanische Alpine-Mutter FCC (Fomento de Construcciones y Contratas) steht auf den drei Standbeinen Bau, Müllentsorgung und Wasseraufbereitung und erzielte 2011 einen Jahresumsatz von 11,75 Mrd. Euro - rund 3 Mrd. Euro davon in der Baubranche, die sich in Spanien derzeit in einer immensen Krise befindet. Der in Spanien börsenotierte Mischkonzern ist laut Firmenwebsite in über 50 Ländern tätig und beschäftigt über 80.000 Mitarbeiter. Der operative Gewinn belief sich 2011 auf 400,8 Mio. Euro, der Gewinn vor Steuern auf 55 Mio. Euro.

Bei der Alpine Bau ist die FCC 2006 mit der Übernahme von 83 Prozent groß eingestiegen. Erst im Februar 2012 kauften die Spanier dem langjährigen Ex-Chef und Miteigentümer Dietmar Aluta-Oltyan die restlichen 13,5 Prozent ab. In den vergangenen sieben Jahren haben die Spanier laut Alpine-Chef Arnold Schiefer bereits "über 700 Mio. Euro" in die Alpine gesteckt - inklusive Kaufpreis und Finanzspritzen. Zuletzt hätte es eine Milliarde werden.

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