Alpine Bau – "Ein solches Loch in so kurzer Zeit ist nicht nachvollziehbar"

Alpine Bau – "Ein solches Loch in so kurzer Zeit ist nicht nachvollziehbar"

Im Hintergrund steht eine mögliche Sammelklage von Anleihe-Käufern gegen die Alpine Bau.

"365 Tage - 144 Seiten - 1 Einblick" und viermal Gold. Mitte August war die Welt noch in Ordnung: Der Alpine Geschäftsbericht 2011 wurde beim "International ARC Award"in New York City nicht nur zum besten Geschäftsbericht Österreichs, sondern auch zum weltweit besten Geschäftsbericht der Baubranche gekürt. Außerdem gab es Gold für die weltweit beste Fotografie der Baubranche (Kategorie: "Construction & Building). Über alle Branchengrenzen hinweg holte sich der Bericht für die herausragende Fotografie auch noch einen Europameister-Titel.

Ob das Zahlenwerk - eigentlich der wichtigste Teil eines Geschäftsberichtes - ebenfalls Weltklasse war, prüfen derzeit externe Experten. Beauftragt hat sie Franz Kallinger, Chef des Pozessfinanzierers Advofin. Grund für die Prüfung: Zeichner der Alpine Anleihe, die im Mai dieses Jahres mit einem Volumen von 100 Millionen € platziert wurde, haben sich an die Advofin gewandt, um die Möglichkeiten einer Prozessfinanzierung zu checken. Kallinger gegenüber FORMAT/trend-Online: "Die Bilanz für das Jahr 2011 wurde ja nicht am ersten Jänner erstellt. Für uns stellt sich die Frage wie ein solches Loch in so kurzer Zeit auftauchen kann. Das ist nicht ganz nachvollziehbar." Laut Kallinger sollen die beauftragten Prüfer derzeit vor allem einmal herausfinden ob die 2011er Bilanz nach den Prinzip der kaufmännischen Vorsicht erstellt wurde. "Wenn da was schief gelaufen ist, können sich Anleihe-Käufer auf einen Irrtum berufen", meint Kallinger. In vier bis sechs Wochen jedenfalls soll feststehen, ob Advofin eine Sammelklage finanzieren wird.

Im Zentrum einer möglichen Klage steht vor allem die Alpine selbst, ein mögliche Haftung der Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die mit ihrer Unterschrift vom 26. März dieses Jahres die Bilanz testiert haben," ist kein primäres Thema", sagt Kallinger: "Die Wirtschaftsprüfer müssen ja auf die Angaben des Konzerns vertrauen. Die können ja nicht auf jede Baustelle fahren, um nachzusehen ob die Halbfertigen stimmen."Laut dem Nachrichtenmagazin profil bewertet Kallinger die Erfolgsaussichten als gut.

Alpine Bau möchte "positive Lösung"

Gegenüber der APA erklärte Alpine-Sprecher Johannes Gfrerer, dass man abwarten muss, ob es überhaupt zu einer Sammelklage kommt. Sollte dies der Fall sein, sei die Frage, wie sie aussieht. Die Bilanz 2011 und der Prospekt sind aber jederzeit online abrufbar. "Alpine hat jedenfalls höchstes Interesse daran, eine positive Lösung für die Zukunft des Unternehmens, die Mitarbeiter, Anleger und Partner zu finden." Auch diese Woche finden wieder Verhandlungen über Stundungen und die Höhe des zusätzlichen Kapitalbedarfs zwischen den Banken, der Konzernführung und dem spanischen Alleineigentümer FCC statt. Gfrerer erwartet für die kommenden Wochen erste Zwischenergebnisse.

Wie mehrfach berichtet drohen dem Baukonzern Alpine Wertberichtigungen von bis zu 400 Millionen €. In den vergangenen Monate ist es außerdem bei der Liquidität eng geworden, weshalb der Konzern mit seinen Gläubigerbanken verhandelt.

Der Kurs der an der Wiener Börse notierten Alpine-Anleihe büßte übrigens am letzten Handelstag der vergangenen Woche (Donnerstag) 11,53 % ein.

Die Alpine Bilanz, Halbjahresbericht 2012 und der Anleihe-Prospekt zum Download

Alpine Geschäftsbericht 2011

Alpine Halnjahresbericht 2012

Kapitalmarktprospekt für die Anleihe

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