Alpine Bau: Die Rettung wird zum Thriller

Alpine Bau: Die Rettung wird zum Thriller

Die Zeit wird knapper und knapper. Die unter Hochdruck laufenden Verhandlungen über einen Sanierungsplan für die marode Alpine Bau haben am Freitagnachmittag angedauert und dürften sich über das Wochenende, vielleicht auch in die kommende Woche hinein, ziehen. Doch das Stillhalteabkommen der Gläubiger endet am 28. Februar und wurde bislang auch noch nicht verlängert.

Eine Einigung kann es vorerst nur mit "Gremial-Vorbehalten" einiger Unternehmen geben, die danach noch Vorstand und Aufsichtrat mit der Entscheidung zu befassen haben. Es geht um 250 Mio. Euro, die der angeschlagenen Alpine erlassen werden sollen, um sie vor der Insolvenz zu bewahren.

Nach APA-Informationen soll sich eine große Kreditversicherung derzeit am stärksten gegen den angestrebten Sanierungsplan wehren. Und zwar "Coface", wie auch die "Salzburger Nachrichten" am Freitag berichten. Laut Zeitung wolle dieser am liebsten aussteigen und habe bisher keinen Willen erkennen lassen, sich an einer Lösung zu beteiligen. Ohne Coface ist die notwendige Mehrheit für den Schuldenerlass nicht zu erreichen. "Die Gespräche laufen weiter und mehr kann ich nicht verraten", sagte ein Sprecher der spanischen FCC-Gruppe, Eigentümer der Alpine, am Freitag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Coface hat demnach kein Kommentar dazu abgeben wollen, dass er am liebsten aussteigen und sich an einer Lösung nicht beteiligen wolle. Insgesamt sind 48 Banken und Versicherungen Gläubiger der Alpine.

Auch die Republik ist via Haftungen involviert und pocht laut "Wiener Zeitung" auf Gutachten der Finanzprokuratur, wonach ein Forderungsverzicht für die Alpine Bau nur im Insolvenzfall möglich sei. Für einen Forderungsverzicht gibt es aber noch rechtliche Barrieren, bei denen es noch unklar ist, ob sie umschiffbar sind. "Spannend" seien der heutige und die kommenden Tage, sagte ein Alpine-Sprecher Freitagvormittag zur APA. Mehr wollte er allerdings nicht preisgeben.

Republiksgarantien

Die Alpine hatte im Rahmen eines "Industriepakets" anno 2009 Republiksgarantien erhalten, von der laut "Wiener Zeitung" noch 150 Mio. Euro aushaftend sind. Laut Blatt könne der Bund den Forderungsverzicht auch ohne Insolvenzfall umgehen - das Bundesfinanzgesetz bietet die Möglichkeit, wenn schwerer volkswirtschaftlicher Schaden entstehe. Die Alpine beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 7.500 in Österreich.

Was sich Baukonzerne wie die Strabag dazu denken, ließ Konzernchef Hans-Peter Haselsteiner zum Jahreswechsel, ohne die Alpine namentlich zu nennen, anklingen: Unternehmen würden, "bevor sie sterben, wild um sich schlagen und die Branche durch Billig-Angebote, Anm.) schädigen". Mit Kampfpreisen hatte sich die Alpine auch zahlreiche Aufträge geholt.

Probleme gibt es auch bei der zum Verkauf stehenden "Konzern-Perle" Alpine Energie: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Chef der Alpine Energie, Helmut Schnitzhofer, wegen Betrugs .

Republik müsste auf 50 Millionen verzichten

Die Republik müsste im derzeit angestrebten Schuldenerlass auf ein Drittel - also 50 Mio. Euro - verzichten. Die Banken auf 173,3 Mio. Euro; ein Drittel der Alpine-Bankverbindlichkeiten von 520 Mio. Euro.

Der Alpine-Eigentümer, FCC aus Spanien, schießt 150 Mio. Euro in seine Tochter, wovon 80 Mio. Euro schon geflossen sind. Der Verkauf von Alpine-Töchtern wie Alpine Energie, Hazet Bau und GPS Underground Engineering soll weitere 200 Mio. Euro einbringen. Soweit der Plan, für den laut "Wiener Zeitung" eine positive Fortführungseinschätzung der Beratungsfirma PwC vorliegen soll. Freilich müssen alle Gläubiger vorerst auf 100 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Die Bank Austria und Erste Bank koordinieren die Verhandlungen für die Banken.

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