Alpine Bau–Desaster zeichnete sich ab

Alpine Bau–Desaster zeichnete sich ab

Er habe die Probleme bei der Alpine Bau gesehen und nichts dagegen tun können. "Das tut einem Betriebsrat weh." Die spanische Konzernführung habe die Zahlungen letztlich "enorm überraschend" eingestellt.

Die Eigentümer aus Spanien hätten zuletzt klargemacht, dass sie zu viel Geld und letztlich die Geduld mit der Alpine verloren hätten. Die Muttergesellschaft FCC hatte in den vergangenen sieben Jahren rund 700 Mio. Euro in die Alpine gepumpt.

Der Aufsichtsrat sei mit Spaniern besetzt, "das Controlling auch nicht dementsprechend eingesetzt", sonst wären Ungereimtheiten im Ausland schon vor vier oder fünf Jahren aufgefallen und der Schaden bei weitem nicht so groß gewesen, kritisierte Haneder, der als Personalvertreter die Aufsichtsratssitzungen begleitete. Derart dramatische Entwicklungen seien aber nicht absehbar gewesen.

Haneder leidet mit den vielen Leuten, die es nun trifft - vor allem auch die Zulieferer wie Elektriker oder Tischler, die auf Rechnungen über 100.000 oder 300.000 Euro sitzenbleiben und nun "zusperren" könnten. Bei den Lieferanten treffe es noch einmal so viele wie die Alpine Beschäftigte hat, so Haneder, der auch Chef der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) ist.

Billiganbieter Alpine Bau – "25 Prozent unter anderen Angeboten"

Probleme könnte es im Verlauf bei der Weiterführung der Baustellen der Alpine Bau geben. Einige Auftraggeber von Baustellen, auf denen die Alpine die Tätigkeiten ausführte, "werden für die Weiterführung ins Tascherl greifen müssen". Das sagte ein Branchenkenner heute, Dienstag, zur APA. Grund sei, dass die Alpine im Preiskampf am Bau oft der günstigste Anbieter war - "25 Prozent unter anderen Angeboten". Andere Baufirmen würden diese Aufträge zum Alpine-Preis daher nicht übernehmen können.

Der Spartenobmann Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Österreich und ÖVP-Abeordneter zum Nationalrat, Konrad Steindl, sagte am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag, dass bis zu 7.000 Betriebe von der Alpine-Insolvenz mehr oder weniger hart betroffen sein dürften. "Zur Stunde ist aber unbekannt, wie hoch die Ausfälle für einzelne Betriebe sind." Das Fortführen von Baustellen der Alpine sei "leichter gesagt als getan". Es habe bisher einen "mörderischen Wettbewerb am Bau und in dessen Nebengewerben gegeben".

Sicher würden die Auftraggeber bemüht sein, ihre Baustellen fertigzubringen. "Es sind aber Maßnahmen zur Absicherung und regionale Bemühungen notwendig - die Situation ist nicht einfach." Steindl erinnerte auch daran, dass die "Alpine Österreich nicht das große Problem gewesen ist, aber die grenzenlose Expansion" im Ausland.

ÖBB: Wiener Hauptbahnhof wird weiter gebaut

Die Großbaustelle Wiener Hauptbahnhof ist nach Angaben der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von der Alpine-Insolvenz nicht betroffen. "Am Hauptbahnhof wird jeden Tag weitergebaut", erläuterte ÖBB-Sprecher Michael Braun auf Anfrage der APA. Die Alpine Bau sei am Hauptbahnhof in einem Konsortium mit den Baukonzernen Strabag, Porr sowie Pittel & Brausewetter beteiligt.

Da es über die Bauleistung eine Solidarhaftung gebe, müssen die anderen Konsortialpartner entsprechend einspringen. Die anderen Baufirmen seien bereits von den ÖBB angeschrieben worden, dass diese Vertragsklauseln angewendet werden.

Das geplante Datum der Fertigstellung des Hauptbahnhofs - Dezember 2014 für die Verkehrsstation, Dezember 2015 für die Vollinbetriebnahme inklusive Drehscheibenfunktion - werde eingehalten. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Festen für einzelne Zielgruppen werde der Hauptbahnhof schon jetzt "ins Gespräch gebracht".

Anders schaue es hingegen bei ÖBB-Projekten aus, wo die Alpine alleine auftrete. Ein Beispiel ist die Verbindung vom Hauptbahnhof zum Flughafen Wien: Hier ist die Alpine für Erd- und Betonierarbeiten zuständig, für den Brückenbau eine andere Gesellschaft. Während die Brücken weitergebaut würden, stehen die Erd- und Betonierarbeiten im Moment. Ob diese Unterbrechung aber wirklich zu einer Verzögerung führen werde und der erste Zug auf dieser Strecke dann nicht wie geplant im Dezember 2014 fahren könne, wisse man heute noch nicht, so der ÖBB-Sprecher.

Für die ÖBB entstünden aus der Alpine-Pleite jedenfalls keine direkten finanziellen Schäden, da man bei den Projekten nicht in finanzielle Vorleistung gehe, betonte Braun.

Von der Pleite der Alpine GmbH betroffen sind rund 4.900 Mitarbeiter in Österreich - die gesamte Alpine-Gruppe hat hierzulande rund 7.500 Beschäftigte.

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