Akademikerball: "Zur Zeit" vergleicht Proteste mit "Kristallnacht"

Akademikerball: "Zur Zeit" vergleicht Proteste mit "Kristallnacht"

Alles nur Satire? Herausgeber der "Zur Zeit" Andreas Mölzer verteidigt den umstrittenen Cartoon seiner Wochenzeitung. Der EU-Abgeordnete befindet den Vergleich der Kristallnacht mit der Zerstörung von "Linksfaschisten" am Abend des Akademikerballs für angemessen.

Die Wochenzeitung "Zur Zeit" zieht im Zusammenhang mit den gewalttätigen Protesten gegen den Akademikerball einen drastischen Vergleich: Ein Cartoon, in dem Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) einander die Schuld für die Ausschreitungen geben, wurde mit "Kristallnacht 2014" untertitelt. Herausgeber ist FP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Andreas Mölzer.


Bild: Screenshot e-paper Zur Zeit

Bereits vor zwei Jahren hatte ein von Medien kolportierter Vergleich von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache für Empörung gesorgt: Er soll die damals stattgefundenen Proteste gegen den Burschenschafter-Ball ebenfalls mit der "Reichskristallnacht" verglichen und "Wir sind die neuen Juden" gesagt haben. Damit gemeint sind die Novemberpogrome, also von den Nationalsozialisten angefachte gewalttätige Ausschreitungen gegen Juden 1938. Strache sprach damals von einer politisch motivierten "Schlammschlacht" gegen seine Person und die FPÖ.

Mölzer verteidigte im Gespräch mit der APA den Cartoon: Erstens handle es sich dabei um "Satire", zweitens nehme man damit Bezug auf "Linksfaschisten, die entsprechende Zerstörung anrichten", wie etwa das Einschlagen von Schaufenstern in der Wiener Innenstadt. Er sieht im Zusammenhang mit möglicher Kritik an dem Vergleich mit der Reichskristallnacht "Heuchler unterwegs".

Auch die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe von "Zur Zeit" könnte noch für Diskussionen sorgen. Ein Artikel zum Thema "Armutsmigration" wird betitelt mit "Die Zigeuner kommen". Herausgeber sind laut Impressum neben Mölzer auch der einstige FPÖ-Volksanwalt Hilmar Kabas und der ehemalige Chefredakteur in der ORF-Generaldirektion, Walter Seledec.

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