Murdoch-Skandal: Polizeichef zurückgetreten

Die Affäre um die Zeitung "News of the World " zieht immer weitere Kreise. Gestern Abend trat Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson im Zusammenhang mit dem Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung zurück. Premierminister David Cameron bedauerte den Rücktritt.

Dies sei ein "trauriger Moment für ihn". Cameron selbst steht wegen seiner einst engen Kontakte zu den Medien des Unternehmers Rupert Murdoch selbst in der Kritik.

Mailboxen abgehört

"News of the World"-Reporter sollen seit Jahren die Mailboxen tausender Menschen, darunter Prominente, Verbrechensopfer und Angehörige der Opfer der Terroranschläge vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn angezapft haben. Auch Witwen von im Irak-Krieg gefallenen Soldaten sollen Opfer der illegalen Praktiken geworden sein. Für besondere Empörung sorgte das Abhören der Mobil-Mailbox des Entführungsopfers Milly Dowler. "News of the World"-Reporter sollen die Mailbox der 13-Jährigen manipuliert und damit die Hoffnungen der Eltern und die Ermittlungen der Polizei in die Irre geleitet haben.

Murdoch entschuldigte sich daraufhin öffentlich und stellte die Zeitung nach 168 Jahren ein. Doch der Skandal zog immer weiteren Berichten sollen Reporter der "News of the World" auch versucht haben, dass Mobiltelefon des ehemaligen Premiers Gordon Brown zu knacken.

Milliarden-Übernahme geplatzt

Auf Druck der britischen Politik gab Murdoch daraufhin die geplante Milliarden-Übernahme des PayTV-Senders BSkyB auf. Die Offerte für die 61 Prozent der BSkyB-Aktien wurden zurückgezogen.

FBI ermittelt

Am Donnerstag schaltete sich die US-Bundespolizei FBI in den Fall ein. Sie geht dem Verdacht nach, dass Mitarbeiter von Murdochs Medienkonzern News Corp. die Telefone von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 angezapft haben. Auch will das FBI der Frage nachgehen, ob es Versuche gegeben habe, Polizisten zu bestechen, um an Informationen zu gelangen.

Rücktritte und Verhaftungen

Am Freitag trat schließlich die frühere Chefredakteurin des Blattes und enge Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks zurück. Brooks war zur Zeit des Abhörskandals Chefredakteurin von "News of the World" gewesen, später des Boulevardblattes "The Sun" aus dem Murdoch-Imperium. Später stieg sie zur Verlagsmanagerin auf. Sie hat stets angegeben, nichts von den illegalen Abhörpraktiken gewusst zu haben. Am Dienstag soll die 43-Jährige zusammen mit Murdoch und seinem Sohn James im Medienausschuss des britischen Unterhauses zu der Affäre Stellung nehmen.

Ein anderer ehemaliger Chefredakteur von „News of the World“ Andy Coulson war bereits 2007 wegen eines Skandals abgetreten, Cameron machte ihn aber zu seinem Kommunikationschef. Zu einem der einflussreichsten Personen in der Downing Street aufgestiegen, musste Coulson im Jänner auch dort gehen. Er wird nicht nur beschuldigt, er habe von den Praktiken seiner Reporter gewusst - ihm wird sogar vorgeworfen, Schmiergeldzahlungen an Polizisten abgesegnet zu haben.

Kürzlich nahm die Polizei sowohl ihn als auch Rebekah Brooks vorübergehend fest. Ein Schicksal das auch Neil Wallis, von 2003 bis 2007 stellvertretender Chefredakteur und von 2007 bis 2009 Chefredakteur des Skandalblatts teilte.

Verabschieden muss sich Murdoch auch von einer weiteren wichtigen Führungsfigur in seinem Imperium: Les Hinton, Chef der Tochterfirma Dow Jones, deren Aushängeschild das "Wall Street Journal" ist, trat ebenfalls zurück. Hinton hatte über Jahre die britische News-Corp.-Verlagstochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt "News of the World" bis zu seiner jüngsten Einstellung gehörte.

Opposition fordert Zerschlagung des Medienimperiums

Mittlerweile fordert der britische Oppositionsführer Ed Miliband eine Zerschlagung des Medienimperiums von Rupert Murdoch in Großbritannien. "Ich denke wir müssen uns mit der Situation beschäftigen, dass eine Person mehr als 20 Prozent des Zeitungsmarktes, die Sky-Plattform und Sky News besitzen kann", sagte Miliband am Sonntag. "Das ist ungesund, denn soviel Macht in der Hand einer Person hat eindeutig zu Machtmissbrauch innerhalb seiner (Murdochs) Organisation geführt." Eine solche Machtkonzentration sei daher "ziemlich gefährlich".

Rupert und James Murdoch sowie Rebekah Brooks werden am kommenden Dienstag vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Abhöraffäre aussagen. Dabei wird erwartet, dass Murdoch Anschuldigungen zurückweisen wird. Unter anderem hatte der frühere britische Premierminister Gordon Brown den gesamten Verlag News International als "kriminell" bezeichnet. Brown liege "komplett falsch" sagte Murdoch dem "Wall Street Journal" und fügte hinzu, die Browns seien "immer Freunde von uns" gewesen.

- APA, Red.

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