Moody's: Top-Note von Paris, London und Wien wackelt

Ausblick für mehrere Länder auf "negativ" gesetzt. Italien und Spanien herabgestuft. Deutschland, Finnland, Luxemburg und Niederlande behalten die "AAA"-Wertung. Bundeskanzler Faymann verweist auf Sparpaket und niedriges Zinsniveau. Auch Vize Spindelegger glaubt, dass sich die Bewertung wieder zum positiven Ausblick ändert.

Für Frankreich wird der Spielraum als sicherer Schuldner enger. Nach der Aberkennung der Top-Note durch die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's äußert nun auch deren kleinere Rivalin Moody's Zweifel an der Bonität der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone. Dasselbe Urteil ereilte in der Nacht zum Dienstag Großbritannien, das nicht zur Währungsgemeinschaft gehört. Beiden Staaten und als Drittem im Bunde Österreich stellte Moody's einen Verlust des Spitzenratings AAA in Aussicht.

Zugleich beurteilte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens, der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Eurozone, schlechter und senkte deren Noten. Sie teilen dieses Schicksal mit Portugal, Malta, der Slowakei und Slowenien.

Moody's begründete seinen Schritt mit "einer Reihe von spezifischen Kreditrisiken, für die die öffentlichen Finanzen dieser Staaten besonders anfällig sind". Die Finanzierungsbedingungen blieben noch mehrere Quartale lang unsicher. Dies habe Folgen für die Kreditwürdigkeit der Staaten.

Euro und Pfund unter Druck

Euro und britisches Pfund gerieten daraufhin in Fernost unter Druck. Die Gemeinschaftswährung rutschte kurzfristig auf bis zu 1,3145 Dollar ab, bevor sie sich wieder auf 1,3162 Dollar erholte. Dem Aktienhandel nahm die Entscheidung allen Schwung. "Den asiatischen Märkten ist klar geworden, dass es noch keine Lösung gibt, und das hat die Sorgen wegen der europäischen Probleme wiederbelebt", sagte Frances Cheung von Credit Agricole CIB in Hongkong. "Der negative Ausblick für Großbritannien hat seinen Teil dazu beigetragen. Bisher galt das Land als ziemlich immun, weil es nicht zur Euro-Zone gehört."

Deutschland: 'Über jeden Zweifel erhaben'

Die Bonität Deutschlands ist dagegen auch aus Sicht von Moody's über jeden Zweifel erhaben. Die Agentur bezeichnete die Top-Note AAA für die größte Volkswirtschaft Europas als angemessen und bekräftigte dieses Rating zugleich für die Euro-Staaten Finnland, Luxemburg und die Niederlande sowie für Dänemark. Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF behält bei Moody's die Spitzenbewertung.

Je kreditwürdiger ein Land oder Anleihe-Emittent gilt, desto günstiger kommt es in aller Regel auf dem Kapitalmarkt an frisches Geld. Zudem sind viele institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen verpflichtet, beim Kauf von Schuldenpapieren ein möglichst geringes Risiko einzugehen.

Frankreich signalisierte umgehend, dass es den Warnschuss gehört hat. Finanzminister Francois Baroin beteuerte kaum eine halbe Stunde nach der Entscheidung von Moody's, das Land werde seine Reformen durchziehen und seinen Schuldenberg abtragen. "Die Regierung ist entschlossen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben, besonders durch die Reform der Finanzierung der Sozialsysteme, des Arbeitsmarkts und eine Senkung des Staatsdefizits", erklärte er.

Hohe Produktivität der französischen Wirtschaft

Zugleich lenkte Baroin den Blick auf die positive Seite des Rating-Urteils: Moody's habe die hohe Produktivität und breite Vielfalt der französischen Wirtschaft hervorgehoben. Der Ausblick für die weitere Entwicklung der Bonitätsnote sei wegen der Risiken in der Euro-Zone insgesamt auf negativ gesetzt worden. Staatspräsident Nicolas Sarkozy stellt sich voraussichtlich im Frühjahr der Wiederwahl. Sein härtester Gegner, der Sozialist Francois Hollande, hat zuletzt in den Umfragen zusehends mit Kritik an der Sparpolitik der konservativen Regierung gepunktet.

Auch Großbritannien wertete das Urteil als Signal dafür, dass es mit seinem Sparkurs auf dem richtigen Weg ist. Die Entscheidung sei ein Beleg dafür, "dass Großbritannien in der gegenwärtigen globalen Lage nicht von seinem Kurs abweichen darf", erklärte Finanzminister George Osborne. "Dies sollte allen die Augen öffnen, die glauben, dass sich Großbritannien vor seinen Schulden wegducken kann." Die konservativ-liberale Regierung hat wegen ihrer Einschnitte an Popularität verloren.

Bei Moody's hat das Top-Rating AAA von Frankreich, Österreich und Großbritannien nun einen negativen Ausblick. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist.

Italien hat an Glaubwürdigkeit gewonnen

Die Kreditwürdigkeit der Wackelkandidaten Italien und Spanien wird von Moody's jetzt mit A3 bewertet. Damit liegen sie am unteren Rand der Noten, die Ausweis einer guten Kreditqualität sind. Die nächstniedrige Stufe ist bereits ein B-Rating. Italien rutschte um eine Stufe herunter, Spanien um zwei. Die Sorgen, die beiden Staaten drohten wie Griechenland, Portugal und Irland Hilfen ihrer Euro-Partner zu brauchen, haben zuletzt aber deutlich nachgelassen. Italien hat unter der Experten-Regierung von Mario Monti an den Märkten Glaubwürdigkeit zurückgewonnen.

Auch Malta hat nun die Note A3, die Slowakei und Slowenien liegen bei A2. Portugal ist auf Ba3 von Ba2 abgerutscht. Damit gilt eine Investition in Anleihen des Landes als spekulativ. Der Nachbar Spaniens ist jedoch bereits unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft und damit für seine Finanzierung vorerst nicht mehr vom Kapitalmarkt abhängig.

Standard & Poor's hat vor einem Monat neun der 17 Euro-Länder herabgestuft. Deutschland kam ungeschoren davon. Fitch senkte Ende Jänner den Daumen über Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien.

Faymann verweist auf Sparpaket

Auch Bundeskanzler Werner Faymann (S) hat in Reaktion auf den negativen Ausblick für Österreich der Ratingagentur Moody's auf das kürzlich von der Regierung präsentierte Sparpaket verwiesen. Dieses sei bei der Einschätzung der Agentur "noch nicht dabei", erklärte der Kanzler am Dienstag im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Vizekanzler Michael Spindelegger (V) zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Bewertung in Bälde ändern könne.

"Ich bin sicher, wenn die Sparmaßnehmen im Parlament beschlossen und der Budgetpfad nach Brüssel gemeldet ist, dass sich die Bewertung wieder ändert", so Spindelegger mit Verweis auf den Fahrplan für die Umsetzung der Konsolidierungsmaßnahmen. Außerdem sehe das Sparpaket sinkende Staatsschulden in den nächsten Jahren vor - nach Spindeleggers Ansicht ein weiteres Indiz dafür, dass Moody's dies bei seiner Bewertung noch nicht "eingestellt" habe.

Niedriges Zinsniveau

Faymann verwies auf das derzeit niedrige Zinsniveau für Österreich. Es zeige sich, dass Beurteilungen von Ratingagenturen lange nicht mehr dieselben Auswirkungen hätten wie früher. Dass die Ratingagentur die Situation der österreichischen Banken im osteuropäischen Ausland als schwierig einstufe, kommentierte der Kanzler wie folgt: Der starke Auftritt im osteuropäischen Raum sei eben in guten Zeiten eine Stärke und in schlechten eine Schwäche. Österreich sei nicht zuletzt deshalb darum bemüht in diesen Ländern stabilisierend zu wirken.

-Apa, Red.

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