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Metaller-KV - Moderate Forderung stößt auf wenig Gegenliebe

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5 Prozent wie 2018 gefordert würden Gewerkschaften heuer nie reichen
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Vergangenen Montag haben die Gewerkschaften ihre Forderung nach einer Lohnerhöhung in der Metallindustrie von 11,6 Prozent vorgelegt. Diesen Montag geht es in die erste Verhandlungsrunde. Zwei weitere Termine wurden bereits fixiert, eine Einigung schon übermorgen gilt als äußerst unwahrscheinlich. Die Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS haben die Forderung als moderat bezeichnet. Doch die Industrie will die Inflation "nicht doppelt bezahlen", so IV-Präsident Georg Knill.

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Vergangenen Montag haben die Gewerkschaften ihre Forderung nach einer Lohnerhöhung in der Metallindustrie von 11,6 Prozent vorgelegt. Diesen Montag geht es in die erste Verhandlungsrunde. Zwei weitere Termine wurden bereits fixiert, eine Einigung schon übermorgen gilt als äußerst unwahrscheinlich. Die Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS haben die Forderung als moderat bezeichnet. Doch die Industrie will die Inflation "nicht doppelt bezahlen", so IV-Präsident Georg Knill.

Dabei würden die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Forderung auf die schwächelnde Industrie Rücksicht nehmen, so WIFO und IHS. Rund 200.000 Beschäftigte hat die Metallindustrie, dazu kommen noch etwa gleich viele im Metallgewerbe, das auch kurz vor Verhandlungsbeginn steht. Auch hier haben die Arbeitgebervertreter schon angekündigt dass ihnen selbst die Abgeltung der Inflation der vergangenen zwölf Monate - die sogenannte rollierende Inflation - von 9,6 Prozent noch zu hoch ist.

Einen Abschluss darunter haben die Arbeitnehmervertreter von PRO-GE und GPA jedoch immer ausgeschlossen. Neben dem Geld geht es auch um das Rahmenrecht, also etwa ein früheres Erreichen der sechsten Urlaubswoche oder die individuelle Möglichkeit einer Freizeitoption (keine Lohnerhöhung, dafür mehr Freizeit).

Wie hoch der Abschluss aus Sicht von IV-Chef Knill Sicht ausfallen kann, wollte er am Samstag im Ö1-"Mittagsjournal" nicht einschätzen. Die Industriellenvereinigung ist kein Verhandlungspartner bei den KV-Verhandlungen, die von den Sozialpartnern - Wirtschaftskammer und Gewerkschaft - getragen werden. "Die Verhandlungen stehen unter besonders herausfordernden Zeichen", sagte auch IV-Chef Knill am Samstag. Sein Bruder Christian Knill ist einer der Verhandler für die Wirtschaftskammer und deren Sprecher.

"Es kann nicht sein, dass die Industriearbeitgeber alleine diese Last der hohen Inflation schultern", sagte Georg Knill im Radio. "Die Inflation ist ja nicht durch uns verschuldet worden. Man muss auch berücksichtigen, das zeigen auch Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank, dass durch die diversen Antiteuerungsmaßnahmen der Bundesregierung durchaus 80 bis 90 Prozent der Reallohnverluste kompensiert worden sind. Das heißt ich bin nicht gewillt und bereit, dass wir die Inflation doppelt bezahlen."

Weitere Gewerkschaftsforderungen betreffen unter anderem die rund 8.000 Lehrlinge in der Metallindustrie. Nach Abschluss ihrer Lehre sollen sie künftig bei der Einstufung dem Gehaltsschema von Absolventinnen und Absolventen höherer berufsbildender Schulen gleichgestellt werden. Zurzeit betrage der Einkommensunterschied in der Grundstufe 390 Euro brutto.

Dass hohe Abschlüsse zu einer Lohn-Preis-Spirale führen, wie es auch Georg Knill am Samstag neuerlich mutmaßte, sehen die Ökonomen vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und vom Institut für höhere Studien (IHS) nicht. Nicht zuletzt deswegen weil 80 Prozent der Produktion in den Export gehen würde. Und es wichtig sei, mit entsprechenden Lohnabschlüssen auch die Kaufkraft zu stärken. Nichtsdestotrotz schwebe über der Industrie das Gespenst der Rezession.

Durch die hohe Inflation in den vergangenen Monaten habe es einen Reallohnverlust gegeben, werde aber nun auf dem Niveau der rollierenden Inflation von 9,6 Prozent - bei gleichzeitig aktuell sinkender Teuerung - abgeschlossen, könnte es im kommenden Jahr wieder einen merkbaren Einkommensanstieg geben. Eine Messlatte für die Einigung bei den Metallern ist auch die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Pensionserhöhung von 9,7 Prozent. Laut Industrievertretern betragen die Lohnkosten in der Metalltechnischen Industrie rund zehn Milliarden Euro pro Jahr, entsprechend hoch wären die Mehrkosten selbst bei nur einem Prozent mehr Entgelt.

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