Trend Logo

Metaller-KV - Arbeitnehmer warten auf Angebot der Industrie

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Die Rezession heizt die Metaller-KV-Verhandlungen zusätzlich an
©APA/APA/dpa-Zentralbild/Waltraud Grubitzsch
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Am kommenden Montag gehen die Sozialpartner der Metalltechnischen Industrie in die zweite Kollektivvertragsrunde. Am Tisch liegt die Forderung der Gewerkschaften PRO-GE und GPA nach 11,6 Prozent mehr Lohn und Verbesserungen bei Urlaub und Lehrlingen, das Gegenangebot der Arbeitgeber steht noch aus. Hier dürften die Arbeitnehmer am Montag auf eine Zahl pochen. Kommt es zu Wochenbeginn, wie erwartet, zu keiner Einigung, werden wohl die Gewerkschaften den Druck erhöhen.

von

Am kommenden Montag gehen die Sozialpartner der Metalltechnischen Industrie in die zweite Kollektivvertragsrunde. Am Tisch liegt die Forderung der Gewerkschaften PRO-GE und GPA nach 11,6 Prozent mehr Lohn und Verbesserungen bei Urlaub und Lehrlingen, das Gegenangebot der Arbeitgeber steht noch aus. Hier dürften die Arbeitnehmer am Montag auf eine Zahl pochen. Kommt es zu Wochenbeginn, wie erwartet, zu keiner Einigung, werden wohl die Gewerkschaften den Druck erhöhen.

Erste Stufe im Streit um mehr Geld und/oder Freizeit ist traditionell ein Betriebsrätetreffen, es folgen Betriebsversammlungen, die dann in Warnstreiks übergehen können, zuerst befristet, dann unbefristet. Wobei Streiks in Österreich eher unüblich sind. Die Streikstatistik in der Metallindustrie weist zwei größere Arbeitsniederlegungen in der jüngeren Vergangenheit aus: 2011 kam es zu Streiks in rund 200 Betrieben mit 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie 2018 in über 240 Betrieben mit mehr als 70.000 Beschäftigten. Aktuell gibt es einen Konflikt beim Tiefkühlkosthersteller Ardo in Niederösterreich, bereits angelaufene Arbeitsniederlegungen wurden inzwischen ausgesetzt.

Etwas zeitversetzt mit der Metallindustrie verhandeln auch das Metallgewerbe sowie der private Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich. Bei letzteren fand am Dienstag die Übergabe der Forderungen der Gewerkschaften GPA und vida statt, verlangt wird eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 15 Prozent, mindestens aber 400 Euro. In die Herbstlohnrunde starten auch drei klassische Niedriglohnbranchen: Fahrradkuriere, Reinigungsdienste und der Bewachsungssektor.

Ebenfalls im Herbst steigt die größte Arbeitnehmergruppe in den Ring, der Handel. Hier liegt der Mindestlohn für einen Vollzeitjob bei brutto 1.945 Euro pro Monat. Zum Vergleich: Bei den Reinigungsdiensten sind es 1.833 Euro, in der Metallindustrie werden 2.236 Euro brutto als Einstiegsgehalt ausgezahlt. Bei den Pensionistinnen und Pensionisten liegt die Ausgleichszulage (Mindestpension) bei 1.110 Euro (14 Mal pro Jahr).

Das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut hat kürzlich vorgerechnet, wie sich die Lohnquote entwickelt hat. Dieser Wert gibt den Anteil der Löhne und Gehälter am gesamten Volkseinkommen an und gilt als Maßstab für die Einkommensverteilung. Demnach lag die Lohnquote in den Boomjahren der Wirtschaft 1961-1980 zwischen 70 und 76 Prozent. Mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit ab 1982/83 sank die Lohnquote rapide und fiel auf den tiefsten Stand von 60 Prozent zu Beginn der Finanzkrise 2008. Seither lag sie mit kleinen Schwankungen konstant unter 64 Prozent.

Laut dem Tariflohntracker des Wifo sanken die Reallöhne ab März 2022, da die Lohnsteigerungen geringer waren als die Preissteigerungen. "Aufgrund der Lohnverhandlungen im November steigen die Reallöhne wieder an, können aber die Preissteigerungen nicht aufholen. Da seit November 2022 die Preise bei gleichbleibenden Löhnen weiter gestiegen sind, hat sich auch der Reallohn weiter negativ entwickelt", berichteten die Wirtschaftsforscher.

Weiters heißt es von den Wifo-Experten: "Für die Lohnverhandlungen im November 2021 zeigt sich, dass die Lohnsteigerungen der Benya-Formel entsprechend und sich aus der Summe der rollierenden Inflation und dem Produktivitätswachstum ergeben. Bei den Lohnverhandlungen im November 2022 hingegen wurde nur die rollierende Inflation abgegolten."

WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf meinte hingegen zu Wochenbeginn: "Wenn die Rezession anhält und die Arbeitskosten steigen, wird es vielen Unternehmen nicht mehr möglich sein, ihre Beschäftigten alle zu halten." Umso wichtiger sei es daher, die Unternehmen im Zuge der Lohnverhandlungen nicht zu überfordern.

Wifo und IHS haben heute ihre Konjunkturprognose gegenüber der Juni-Schätzung deutlich nach unten korrigiert und rechnen nun für heuer mit einer "milden Rezession" in Österreich. Erwartet wird für 2023 ein Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 bzw. 0,4 Prozent.

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Photovoltaik-Paneele über Obstkulturen produzieren nicht nur Strom
Nachrichtenfeed
Photovoltaik über Obstbau schützt vor Regen und Frost
Die Bundesregierung will Verbraucherrechte im Energiesektor stärken
Nachrichtenfeed
Sondergesetz soll mehr Wettbewerb am Energiemarkt bringen
Inflation sinkt in Österreich auf niedrigsten Wert seit September 2021
Nachrichtenfeed
Inflation im April bei 3,5 % - Fünfthöchster Wert in EU
Wintersaison: Bereinigt um Inflation und Kalendertage durchwachsen
Nachrichtenfeed
Tourismus - Nächtigungsrekord mit sparsameren Urlaubern
Weitere Proteste in mehreren Bundesländern geplant
Nachrichtenfeed
Fahrradboten setzen Warnstreiks nach Pfingsten fort
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Nachrichtenfeed
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Nachrichtenfeed
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Die Addiko Bank könnte an die slowenische Bank gehen
Nachrichtenfeed
Addiko Bank rückt ins Visier von Investoren
Ausbau der Ladestellen kommt rasch voran
Nachrichtenfeed
Elektroautos im Vormarsch, aber hohe Preise schrecken ab
Der Vertrag von ÖBAG-Chefin Hlawati wurde bis Februar 2027 verlängert
Nachrichtenfeed
ÖBAG-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen
Viele Unternehmen sind nach dem Angriff Russlands geblieben
Nachrichtenfeed
Nur wenige ausländische Firmen kehrten Russland den Rücken
Selbstbediener-Kassen haben sich in Österreich noch nicht durchgesetzt
Nachrichtenfeed
Hofer will in bis zu 200 Filialen Selbstbedienungskassen