Management Buy-Out bei Zielpunkt

Geschäftsführer Jan Satek, 45 (im Bild links), kauft die Lebensmittelkette Zielpunkt rückwirkend per 1. Jänner dem aktuellen Eigentümer, der luxemburgischen bluO-Gruppe, ab.

Zielpunkt-Chef Jan Satek hat dem deutsch-luxemburgischen Finanzinvestor BluO im Zuge eines Management Buy-Out gemeinsam mit zwei Investoren die noch defizitäre Lebensmittelkette Zielpunkt abgekauft. Damit habe er sich sein eigenes Lebensmittelgeschäft gekauft, denn rund einen siebenstelligen Betrag hat Satek aus seinem Privatvermögen in das Unternehmen gesteckt, verriet er am Dienstag vor Journalisten.

Satek: 'Weiterverkauf aber nicht ausgeschlossen'

In Summe übernahmen Satek und seine (nicht genannten) Investoren die Kette mit ihren 300 Standorten und 3.000 Mitarbeitern um einen zweistelligen Millionenbetrag rückwirkend per 1. Jänner 2012. Ein Weiterverkauf wird nicht dezidiert ausgeschlossen: "Wenn jemand mit einem Geldkoffer kommt, dann kann man darüber nachdenken", sagte Satek. Erst im Mai 2010 hatte BluO Zielpunkt um einen einstelligen Millionenbetrag von der deutschen Tengelmann-Gruppe (Kik, Obi) übernommen.

Auch wenn man derzeit "finanziell gut aufgestellt" sei und das Geld für die weitere Sanierung reiche, ist Satek auf der Suche nach weiteren Investoren. Er führe Gespräche mit Finanzinvestoren, wolle aber immer die Mehrheit an Zielpunkt behalten, betonte er.

Satek hat die Zielpunkt-Sanierung unter dem bisherigen Eigentümer BluO als Vorstandsvorsitzender vorangetrieben und die Lebensmittelbranche dadurch liebgewonnen, wie er erzählte. "Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich einmal Lebensmittelhändler werde, hätte ich das nicht gedacht. So bin ich jetzt ein Midlife-Greisler, wie ich immer sage." Bereits im Vorjahr habe BluO signalisiert, Zielpunkt wieder veräußern zu wollen, "und da habe ich ein Angebot gemacht", so Satek. Gestern habe er dann den Zuschlag erhalten. Seinen Angaben zufolge gab es auch andere Interessenten, der Großhändler Pfeiffer, dem immer wieder Interesse an Zielpunkt nachgesagt wurde, sei nicht darunter gewesen, meinte er.

Zielpunkt soll heuer den Turnaround schaffen

An dem eingeschlagenen Kurs soll sich mit der neuen Eigentümerschaft nichts ändern. Der Turnaround soll heuer gelingen, 2013 soll Zielpunkt wieder schwarze Zahlen schreiben. 2011 machte die Lebensmittelkette bei einem Umsatz von 540 Mio. Euro einen EBITDA-Verlust von 5 Mio. Euro. Satek möchte Zielpunkt als Nahversorger positionieren und die Eigenmarken "natürlich für uns" und "Jeden Tag" ausbauen. Der Non-Food-Bereich soll im Gegenzug verkleinert werden. Auch an den Expansionsplänen ändere sich nichts: Wie schon im Vorjahr würden etwa fünf neue Standorte aufgemacht und fünf geschlossen.

Kooperationen und Partnerschaften bleiben aufrecht

Aufrecht bleiben auch alle bisherigen Partnerschaften und Kooperationen. Um im hart umkämpften Lebensmittelhandel zu überleben, holte sich Zielpunkt für den Einkauf erst kürzlich internationale Unterstützung und schloss sich der Handels- und Dienstleistungskooperation Markant mit Sitz in der Schweiz an. Schon seit 2010 wird beim Einkauf mit dem Großhändler Pfeiffer kooperiert.

Gewerkschaft begrüßt Buy-Out

Das ist ein ernsthaftes Signal, dass an den gesicherten Weiterbestand des Unternehmens geglaubt und dass vor allem dafür gearbeitet wird", begrüßt Wolfgang Katzian, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus Papier (GPA-djp) den Eigentümerwechsel bei Zielpunkt, nachdem heute bekannt geworden ist, dass eine Investorengruppe rund um Jan Satek den heimischen Nahversorger gekauft hat. "Wir gehen davon aus, dass das neue Management alle Maßnahmen ergreift, um die Arbeitsplätze bei Zielpunkt nachhaltig zu sichern."

Kanzian für offenen Dialog mit dem Betriebsrat

In der GPA-djp habe man Jan Satek als seriösen Verhandlungspartner mit Handschlagqualität kennengelernt. Satek charakterisiere seine weitere Vorgangsweise als "sanieren statt demolieren", sei das ein Weg, den die GPA-djp gerne mit dem Unternehmen gemeinsam gehe, wenn die Qualität der Arbeitsbedingungen aufrecht erhalten werde, so Katzian abschließend: "In diesem Sinne gehen wir auch davon aus, dass das neue Management einen offenen und konstruktiven Dialog mit dem Betriebsrat als Vertreter der rund 3000 Beschäftigten sucht."

-Apa, Red.>/i>

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