Mächtiger Medienmogul in der Krise

Auch mit 80 Jahren hat der mächtige Medienmogul Rupert Murdoch noch keine Lust, sich auf das Altenteil zurückzuziehen. Mit cleveren Zukäufen, geschickten Manövern und einer Menge Geschäftssinn hat er in den vergangenen sechs Jahrzehnten sein Imperium News Corporation auf- und immer wieder ausgebaut. Der Konzern sollte eigentlich um den Zukauf der restlichen Anteile des britischen Bezahlsenders BSkyB noch weiter wachsen.

Doch angesichts der neuen Enthüllungen in der Abhöraffäre, in die mehrere seiner britischen Blätter verwickelt sein sollen, zog Murdoch nun noch einmal die Reißleine. Nach der Einstellung der "News of the World" blies er am Mittwoch inmitten der wachsenden Kritik an seinem Imperium auch die BSkyB-Übernahme kurzerhand ab.

Murdoch ist Sohn eines angesehenen australischen Journalisten und arbeitete auch selbst als Journalist. Mit dem Tod seines Vaters erbte der gebürtige Melbourner 1952 mit Anfang 20 zwei Zeitungen: "The Aidelaide News" und die "Sunday Mail". Sie waren der Ausgangspunkt für den Aufbau seiner milliardenschweren Mediengruppe. Sein News-Corp-Konzern ist heute in Australien, Europa, Asien, Lateinamerika und in den USA vertreten. Neben Zeitungen, Magazinen und Buchverlagen gehören auch zahlreiche Kabel- und Satellitensender zum Konzern - Umsatz im Jahr 2010: 33 Milliarden US-Dollar (23 Milliarden Euro).

Nach der Eroberung des australischen Zeitungsmarktes begab sich Murdoch 1969 auf Einkaufstour nach Großbritannien. Jahre nach seinem Studium der Volkswirtschaft in Oxford kaufte er dort die "News of the World" und "The Sun". Später griff er nach der renommierten "The Times" und der "Sunday Times." Um auch auf dem Medienmarkt in den USA Fuß fassen zu können, erwarb Murdoch 1985 auch die US-Staatsbürgerschaft. Dort verleibte er seinem Konzern den Fernsehsender Fox News und die angesehene Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" ein.

Murdoch ist in erster Linie Unternehmer. Wo er in den vergangenen Jahrzehnten Gelegenheiten für lohnende Zukäufe sah, war er dabei - aber auch ebenso schnell wieder heraus, wenn sich ein publizistisches Engagement nicht wie gehofft auszahlte. So stieg er nach der Wende in Deutschland mit beim ostdeutschen Boulevardblatt "Super" ein, ließ das Projekt einer Ost-Alternative zu "Bild" aber schon 1992 wieder fallen. Ein Jahr später beteiligte er sich am Fernsehsender ProSieben, 1994 auch am Kölner Sender Vox mit zeitweise fast der Hälfte der Anteile, stieß aber seine Anteile später wieder ab. Darüber hinaus gehört ihm fast die Hälfte der Anteile am Bezahlsender Sky Deutschland, der früheren Premiere AG.

Kritiker werfen dem 80-Jährigen vor, seine private Meinung zur Meinung seiner Zeitungen und Fernsehsender zu machen. Murdoch ist konservativ bis in die Knochen und macht auch keinen Hehl daraus. Er bewundert Margaret Thatcher und Ronald Reagan, findet Gewerkschaften überflüssig und Steuern nur in geringer Höhe in Ordnung. In Großbritannien zählten seine Zeitungen zu leuchtenden Anhängern von Thatcher und ihrem Nachfolger John Major. Nur bei der britischen Parlamentswahl 1997 sorgte er für eine Überraschung, als er sich für den Labour-Politiker Tony Blair einsetzte. Dem US-Magazin "New Yorker" zufolge dürfte Blair ihn zwei Jahre zuvor beeindruckt haben, als er für die Teilnahme an einer News-Corp-Konferenz eine Anreise von 14.000 Kilometer auf sich nahm.

Eines Tages will Rupert Murdoch sein Imperium an seinen jüngsten Sohn James übergeben, der seit März stellvertretender Geschäftsführer der News Corp ist. Aber noch macht er keine Anstalten, sich zurückzuziehen. "Wer erwartet, dass er in Rente geht, wird sehr enttäuscht sein", sagte der australische Journalist Hugh Lunn anlässlich Murdochs 80. Geburtstag am 11. März. Rupert sei "weit davon entfernt", sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Einen Rückzug inmitten weiter einprasselnder Kritik in Großbritannien fände der gern so einflussreiche Rupert Murdoch wohl auch nicht angemessen.

- APA

Wirtschaft

12 Fragen: Den Brexit verstehen

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Versicherung

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession

Wirtschaft

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession