Libro-Urteil nach 10 Jahren Ermittlung: 4 Haftstrafen, 1 Freispruch

Nach 10 Jahren Ermittlungen: 3,5 Jahre Zusatzstrafe für Rettberg, 4 Jahre für Knöbl, jeweils 3 Jahre teilbedingt für Huppmann und Stiassny - Freispruch für Nowotny

Im Libro-Strafprozess wurden heute, Dienstag, am Landesgericht Wiener Neustadt vier Schuldsprüche und ein Freispruch gefällt. Ex-Libro-Chef Andre Maarten Rettberg wurde zu 3,5 Jahren Gefängnis als Zusatzstrafe zu einer bereits verhängten Strafe verurteilt. Ex-Libro-Finanzchef Johann Knöbl erhielt vom Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Borns 4 Jahre Haft. Jeweils 3 Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt, erhielten der frühere Libro-Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann und Ex-Libro-Aufsichtsratschef Kurt Stiassny. Der frühere Libro-Aufsichtsrats-vizepräsident Christian Nowotny wurde freigesprochen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig, alle vier Verurteilten meldeten noch in der Verhandlung Rechtsmittel an.

Ausgewiesener Bilanzgewinn um 9,67 Mio. Euro zu hoch

Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Borns bezifferte im heutigen Urteil in der Causa Libro den in der Bilanz 1998/99 ausgewiesenen Gewinn als um 133 Millionen Schilling (9,67 Mio. Euro) zu hoch. Die Ex-Manager hätten daraufhin eine "gemäß Aktiengesetz verbotene Sonderdividende" von 440 Mio. Schilling an die Zwischengesellschaft UDAG verfügt. Dazu hielt Richterin Borns in der Urteilsbegründung fest: Zwar könne eine Sonderdividende fremdfinanziert werden, allerdings "muss ein Gewinn vorliegen".

Auf die Strafhöhe hat sich Borns zufolge etwa die bisherige Unbescholtenheit und die lange Verfahrensdauer mildernd ausgewirkt. So seien die Strafen aufgrund der langen Verfahrensdauer um 18 Monate herabgesetzt worden, sagte sie in der Urteilsbegründung. Als strafverschärfend wurden die Begehung mehrere Taten sowie die hohen Schadensbeträge gewertet.

Richterin Borns nutzte in ihrer Begründung auch die Gelegenheit, sich für das gründliche Vorverfahren der Ermittlungsbehörden zu bedanken: Das sei so gewesen, wie man es sich als Richter wünsche. Im Laufe des Hauptverfahrens wurde der Akt lediglich "um drei oder vier Bände dicker", sagte sie.

Urteil nach 10 Jahren Ermittlung

Die Ermittlungen zur Causa Libro dauerten allerdings fast ein Jahrzehnt. Der Buch- und Papierhändler war 2001 in Ausgleich und 2002 in Konkurs gegangen, enttäuschte Anleger hatten in Folge der Insolvenz Anzeigen eingebracht.

Vom Vorwurf des Betrugs wurden alle fünf Angeklagten freigesprochen. Der Senat gehe nicht davon aus, dass Ex-Libro-Chef Andre Rettberg und Ex-Finanzvorstand Johann Knöbl die Telekom Austria im Zuge ihres Einstiegs bei Libro anlässlich des Börsegangs täuschen wollten. Sie hätten auch danach Libro-Aktien erworben und hätten an die Partnerschaft geglaubt, führte die Richterin aus.

-Red, Apa

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