Libro-Prozess - Huppmann verteidigt Aufwertung deutscher Tochter

Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann, derzeit bei Deloitte tätig, wurde am heutigen Freitag im Libro-Strafprozess zur Bilanzerstellung 1998/99 (per Ende Februar) mit der umstrittenen Aufwertung der bis dahin defizitären Libro Deutschland auf 140 Mio. Schilling (10,17 Mio. Euro) befragt. Die Bewertung der deutschen Tochter hätte die Bilanzersteller seit Jahren beschäftigt, sagte Huppmann aus. Für die Bilanz 1998/99 erhielt die Tochter von Libro einen Zuschuss zur Verlustabdeckung (ca. 18 Mio. Schilling, Anm.). Ohne das Geld hätte Libro Deutschland keinen Bestätigungsvermerk erhalten, so der Wirtschaftsprüfer.

Huppmann kannte Libro bereits zu Billa-Zeiten aus seiner Arbeit. Ab 1994 war er damals bei der Auditor für die Wirtschaftsprüfung des Buch- und Papierhändlers zuständig. Ob man als Wirtschaftsprüfer grundsätzlich dem Vorstand widerspreche, wollte Richterin Birgit Borns wissen und fragte weiters: "Welchen Ruf haben Sie?" Es gebe eine große Bandbreite bei den Wirtschaftsprüfern, er sei nicht lautstark, in der Sache gelte aber: "Was wiegt's, das hat's".

Grundsätzlich setze man bei der Prüfung von Unternehmen Schwerpunkte, dort wo es Fehler geben könnte, schilderte Huppmann die Tätigkeit eines Wirtschaftsprüfers. Man könne aber nicht alles prüfen.

Die Bewertung sei eine Art "Libro Deutschland Neu" gewesen und hätte mit der defizitären Libro Deutschland nicht sehr viel zu tun, verteidigte der studierte Jurist die Millionen-Aufwertung der deutschen Tochter. Es ginge um die Zukunftserwartungen. Allerdings müssten die Zukunftszahlen aus der Vergangenheit herleitbar sein. Er habe das "Gutachten" von der KPMG ohne weitere Plausibilisierung übernommen. Laut Aktenlage spricht die KPMG lediglich von einer "Stellungnahme". Bis zur Bilanz 1998/99 sei die deutsche Tochter mit ihren drei Filialen immer mit Null bewertet worden, antwortete Wirtschaftsprüfer auf Nachfrage von Richterin Borns.

Ihm sei aus seiner Tätigkeit bekannt, dass Unternehmen zunächst mit einigen Filialen in einen Markt hineingehen würden, um den Markt zu erforschen. Irgendwann komme die Entscheidung, "jetzt machen wir das; dann wird dort Gas gegeben", sagte Huppmann. Daher sei die Expansion in Deutschland damals durchaus plausibel gewesen - vor allem hinsichtlich der Aussagen des Vorstands dazu. Außerdem hätte es konkrete Standortüberlegungen in Deutschland gegeben. Anzeichen für eine Zahlungsunfähigkeit von Libro hat es 1999 Huppmann zufolge keine gegeben.

Der Wirtschaftsprüfer räumt auch ein, dass einige Buchungen, die ohne sein Wissen in einer bestimmten Art bei Libro vorgenommen wurden, so nicht hätten vorgenommen werden dürfen. Dies konnte er aber damals nicht erkennen. Dass es im KPMG-Gutachten heißt, dass es "auftragsgemäß" keine nähere Überprüfung der Marktchancen in Deutschland gegeben hätte, schränkte Huppmann zufolge die Bewertung für ihn nicht ein.

Nach einer intensiven Verhandlungswoche wird der Strafprozess in der Causa Libro am kommenden Donnerstag (27. Jänner) um 9 Uhr am Landesgericht Wiener Neustadt fortgesetzt. Richterin Birgit Borns will dann den Komplex über den Einstieg der Telekom Austria bei Libro behandeln.

Im Zuge des Libro-Börsegangs im November 1999 erwarb der Telekomanbieter unter Zeitdruck einen Anteil von 25 Prozent, geht aus der Anklageschrift hervor. Nach dem Closing am 8. März 2000 wurde der Kaufpreis von umgerechnet 85,45 Mio. Euro überwiesen. Staatsanwalt Johann Fuchs geht davon aus, dass die Libro-Aktien zu diesem Zeitpunkt nicht werthaltig waren. Ende 2000 schrieb die Telekom Austria schließlich ihre Libro-Aktien vollständig ab.

- APA

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