Lage 'out of control': Neue Explosion und Brand im AKW Fukushima

Die Atomkatastrophe in Japan hat eine neue Dimension erreicht. Bei einer weiteren Explosion im Kraftwerk Fukushima wurde am Dienstag nach Regierungsangaben erstmals eine innere Schutzhülle eines Reaktors beschädigt. Die AKW-Betreibergesellschaft Tepco sprach von einer "sehr schlimmen" Lage.

Der Wind drehte tagsüber ins Landesinnere Richtung Süden. In Tokio wurden erhöhte Strahlenwerte gemessen.

Die Strahlung im AKW Fukushima ist unterdessen weiter gestiegen. Die gemessenen Werte seien so hoch, dass das Personal nicht weiter in den Kontrollräumen des Reaktors bleiben könne, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Laut der französischen Atomsicherheitsbehörde sind die Geschehnisse mit Stufe 6 bis 7 auf INES-Skala zu bewerten. Die österreichische Botschaft wird aufgrund der nicht einschätzbaren Lage von Tokio nach Osaka verlegt.

In Block 2 der Anlage Fukushima 1 ließ der gewaltige Druck den Reaktorblock stellenweise bersten. In Block 4 brach zwischenzeitlich ein Feuer aus. In der Außenwand des Reaktorgebäudes klaffen zwei acht Quadratmeter große Löcher. Ein Sprecher des AKW-Betreibers teilte mit, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es im Atomkomplex Fukushima 1 zu einer Kernschmelze komme. Die Umweltorganisation Greenpeace vermutet indes, dass die befürchtete Kernschmelze zumindest in Reaktor 1 des AKW Fuyujama bereits seit Samstag in Gang sei.

Über den Zustand der beschädigten Meiler gab es weiter nur unzureichende Angaben. Bei der Explosion in Block 2 um etwa 6.00 Uhr Ortszeit sei wahrscheinlich ein Teil des Reaktorbehälters beschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstagmittag (Ortszeit). Die Zahl der Einsatzkräfte in Block 2 sei von bisher 800 auf 50 Experten reduziert worden. Im Block 1 gab es bereits am Samstag, in Block 3 am Montag eine Wasserstoffexplosion.

In der Umgebung des Katastrophen-AKW stieg die Strahlung zunächst dramatisch, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Die Anrainer im Umkreis von 30 Kilometern um Fukushima wurden aufgefordert, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. In drei Präfekturen um das havarierte Atomkraftwerk begannen die Vorbereitungen für die Evakuierung. Die Regierung stellt in einem ersten Schritt rund 265 Millionen Euro als landesweite Notfallhilfe für die Bürger in Katastrophengebieten bereit.

Auch in der Hauptstadt und 35-Millionen-Metropole Tokio wurden gestiegene Strahlenwerte gemessen. Die Belastung sei um das 22-Fache höher als üblich, berichtete der Fernsehsender NHK. Viele Bewohner hatten sich schon auf den Weg in den weiter entfernten Süden des Landes gemacht. Die Regierung warnte vor Gesundheitsschäden. In Fukushima versuchten Einsatzkräfte weiterhin, mit Meerwasser die außer Kontrolle geratenen Reaktoren zu kühlen, wie ein Regierungssprecher mitteilte.

Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein folgender Tsunami hatten am Freitag weite Teile des asiatischen Landes verwüstet. Die offizielle Zahl der Toten stand am Dienstag bei 2.722, wie Kyodo unter Berufung auf die Polizei meldete. Die Behörden fürchten aber, dass mindestens 10.000 Menschen ihr Leben verloren haben. Am Dienstag konnten zwei Menschen lebend aus den Trümmern gerettet werden. Ebenfalls am Dienstag gab es auf Höhe der Präfektur Fukushima ein weiteres schweres Nachbeben der Stärke 6,3.

Die radioaktive Strahlung im Umkreis des Unglücks-Kraftwerks erreichte gefährliche Werte. "Wir reden jetzt über eine Strahlendosis, die die menschliche Gesundheit gefährden kann", sagte Regierungssprecher Edano. In einzelnen Bereichen des Kraftwerks wurden nach seinen Angaben 400 Millisievert gemessen - dies übersteigt den Grenzwert der Strahlenbelastung für ein Jahr um das 400-Fache, schrieb Kyodo.

- APA

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