Kreuzfahrten werden nach Buchungsknick wieder boomen

Nach der Havarie der "Costa Concordia" hatten viele Reiseveranstalter befürchtet, dass die lange boomende Branche vor einer Durststrecke steht. Und so überraschte der abrupte Buchungseinbruch nach dem Unglück vor Italien nicht. Doch in dem Maße, wie die Berichterstattung vom Wrack abebbte, nahmen die Buchungen wieder zu. Langfristig dürfte der Boom weitergehen.

Ähnliches sei auch nach Flugzeugabstürzen zu beobachten, sagt Larry Pimentel, Chef des Royal-Caribbean-Ablegers Azamara, zu Reuters. "Langfristig wird der Vorfall die Leute nicht davon abhalten, wieder an Bord von Schiffen zu gehen, ähnlich wie sie auch wieder in Flugzeuge steigen." Ganz ähnlich sieht das GfK -Chef Matthias Hartmann. "Sobald ein Thema aus der öffentlichen Diskussion verschwindet, kehren die Reisenden sehr schnell zurück." Royal Carribbean spürte diesen Effekt bereits Ende Februar: Nachdem die Medienberichterstattung abflaute, seien auch wieder mehr Buchungen eingegangen. "Wie bei jedem anderen unerwarteten Ereignis, ob nun durch menschliches Versagen oder höhere Gewalt verursacht, lernen Leute dazu und machen weiter", sagt Taleb Rifai, Generalsekretär der UN-Tourismusorganisation, zu Reuters. "Werden die Zwischenfälle der Kreuzfahrtindustrie dauerhaft schaden? Sicherlich nicht."

Auch in Deutschland dürfte der Unfall die Urlauber nicht nachhaltig verschrecken. Einige Anbieter erwarteten lediglich einen kurzfristigen Rückgang der Nachfrage, sagte Sebastian Ahrens, Experte des Deutschen Reiseverbands. Mittel- und langfristig werde die Branche wachsen. Für die Industrie steht viel auf dem Spiel: Der Kreuzfahrt-Markt wächst schnell und erreichte vergangenes Jahr in Deutschland ein Volumen von 2,4 Milliarden Euro. Noch mehr geben die Urlauber nur in den USA und Großbritannien für Vergnügungsfahrten auf hoher See aus. Wachstum kostet das Concordia-Desaster die Industrie aber auf jeden Fall. Global werde die Branche dieses Jahr nicht mehr an die zweistelligen Wachstumsraten von 2011 herankommen, sagt Michael Thamm, Präsident der Carnival-Tochter Aida.

Auf hoher See...

Ein Rest Unsicherheit bleibt aber bei den Reisefirmen. "Wir können noch nicht sagen, ob sich das Verhalten unserer Kunden ändert", sagte eine Sprecherin des Anbieters TUI Cruises. Derzeit läuft in Deutschland die neue Buchungsperiode an. TUI Cruises - ein Joint-Venture des Reisegigangten mit Royal Caribbean - begann etwa schon vor einer Woche damit, die Kapazitäten für den Sommer 2013 und auch schon für den Winter 2013/14 zu verkaufen. Es gebe in der Branche viele, die davon ausgingen, dass Interessenten nun vorsichtiger würden, sagt Pimentel. Allerdings habe er noch keine Zahlen gesehen, die das belegten. "Wer schonmal auf einem der Schiffe war und die Abläufe an Bord sah, wird der Sicherheit vollkommen vertrauen", sagt Dominic Paul, Europamanager beim weltweit zweitgrößten Kreuzfahrtkonzern Royal Caribbean.

Das Unglück der "Costa Concordia" hinterließ tiefe Spuren in den Bilanzen der großen Kreuzfahrtkonzerne. Concordia-Eigner Carnival strich bereits im Januar seine Gewinnprognose zusammen. Rivale Royal Caribbean folgt wenige Wochen später und warnte davor, dass im ersten Quartal mit weniger Buchungen und einem Gewinneinbruch zu rechnen sei.

Die "Costa Concordia" war im Jänner vor der toskanischen Küste auf Grund gelaufen. Dabei kamen mindestens 25 Menschen ums Leben. Ende Februar hatte die Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Allegra" für Aufsehen gesorgt, das zur selben Reederei wie die Concordia gehört. Nach einem Brand im Maschinenraum musste das manövrierunfähige Schiff zur nächsten Insel geschleppt werden - Passagiere und Besatzung mussten mehrere Tage bei großer Hitze und ohne Strom auf dem Schiff ausharren.

Reuters/hahn

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