Kernkraft auf der Kippe: AKW-Aktien brechen weltweit ein

Der vielzitierten Renaissance der Kernkraft droht ein jähes Ende. Nach den dramatischen Ereignissen in Japan verlieren die Anleger rund um die Welt das Vertrauen in die heikle Technik. Die Aktien der Hersteller von Atommeilern brachen am Montag reihum ein. Nur Siemens hatte Glück.

Am schlimmsten traf es den japanischen Branchenprimus Toshiba, dessen Wert um 16 Prozent einknickte. Mitsubishi Heavy verlor 10  Prozent. Die Papiere der staatlich kontrollierten französischen Areva büßten mehr als 8 Prozent ein. Und beim breit aufgestellten US-Mischkonzern General Electric ging es vorbörslich um mehr als 2 Prozent nach unten.

Die Konzerne hatten in den vergangenen Jahren auf die Wiederbelebung der jahrelang verpönten Kernkraft gesetzt. Nach einer Flaute entstehen vor allem in Schwellenländern wie China neue Reaktoren. Und selbst in Europa wird gebaut: Im finnischen Kraftwerk Olkiluoto ziehen Areva und Siemens gerade einen neuen Reaktorblock hoch.

Siemens liefert dabei die konventionelle Kraftwerkstechnik, zu der die Turbinen gehören. Die Deutschen hatten sich wegen andauernder Pannen beim Bau mit den Franzosen zerstritten und wollen schon seit zwei Jahren aus dem Gemeinschaftsunternehmen Areva NP aussteigen. Stattdessen streben sie eine Zusammenarbeit mit der russischen Atom-Holding Rosatom an.

Siemens kommt bei seinen Atomplänen aber nicht voran - was den Deutschen nun vielleicht zum Vorteil gereicht. Denn Siemens hat zwischenzeitlich die erneuerbaren Energien stark ausgebaut. Bei Windkraftanlagen gehört Siemens zu den größten Anbietern. Auch bei konventionellen Kraftwerken, die mit Gas oder Kohle befeuert werden, sind die Münchener stark. Die Aktie fiel am Montag mit dem Markt um moderate 1 Prozent.

Toshiba indes hatte eine teure Wette auf die Kernkraft abgeschlossen, als die Japaner 2006 für 5,4 Mrd. Dollar (3,87 Mrd. Euro) den US-Anbieter Westinghouse schluckten und zum Branchenprimus noch vor Areva aufstiegen. Die Leitung beim Bau des Katastrophen-Kraftwerks Fukushima I vor mehr als 40 Jahren lag jedoch bei General Electric.

- APA

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