Jetzt hat auch Norwegen seine Immo-Bubble

Zum einen würden Spekulanten geradezu eingeladen, die Entschlossenheit der Zentralbanker zu testen, zum anderen werde eine sich entwickelnde Blase am Immobilienmarkt begünstigt.

Zentralbank-Chef Oeystein Olsen (Bild) hatte erklärt, er werde keinen weiteren Wertzuwachs bei der Norwegischen Krone tolerieren. Er senkte den Leitzins um 25 Basispunkte auf nun nur noch 1,5 Prozent. Die meisten Volkswirte waren im Vorfeld von keiner Änderung ausgegangen.

Die Entscheidung der Zentralbank folgte auf eine Rally, welche die Krone gegenüber dem Euro auf ein Neun-Jahres-Hoch geführt hatte. Viele Händler hatten ihren Blick auf Norwegen und die hohen Ölvorkommen des Landes gerichtet, um sich so gegen die Euro-Staatsschuldenkrise abzusichern.

“Ich bin ein wenig schockiert”, sagte Olav Chen, leitender Portfolio-Manager bei Storebrand Asset Management in Oslo. “Es gab absolut fehlleitende Signale vor der Entscheidung.” Seiner Auffassung nach hat die Zentralbank offenbar eine Grenze, bis zu der sie Aufwertungen bei der Krone akzeptiert. Genau das “könnte nun den Weg bereiten für spekulative Attacken, um diese Grenze ausfindig zu machen”.

Olsen versicherte, dass es eine solche Grenze nicht gibt. Die Zinsen würden nur insoweit auf den Wechselkurs reagieren, als dieser den Inflationsausblick beeinflusse. “Wir haben nicht die Absicht, einen Dialog einzugehen oder ein Spiel zu starten mit Blick auf die Devisenmärkte insgesamt”, sagte der Zentralbank-Chef.

Die Anstrengungen von Olsen, die Währung der siebtgrößten Erdöl-Nationen durch Zinssenkungen im Zaum zu halten, dürften letztlich nach hinten losgehen. Zu dieser Einschätzung kam Kyrre Aamdal, ein führender Volkswirt bei DNB ASA, Norwegens größter Bank. Seinen Worten zufolge ist der Wertzuwachs bei der Krone eher getrieben vom Erdölpreis - und weniger durch die Senkung der Leitzinsen des Landes.

Zudem könnte die Zinssenkung das Risiko einer Blasenbildung am Immobilienmarkt, befeuert durch günstige Kredite, vergrößern, warnte Aamdal. Die Finanzaufsicht des Landes hatte erst in dieser Woche davor gewarnt, dass ein überhitzter Immobilienmarkt die größte nationale Gefahr für Norwegens Wirtschaft darstelle. Denn viele Kreditnehmer würden von weiterhin niedrigen Zinsen ausgehen.

Das Wort “Blase” benutze er nicht, sagte Olsen in einem Interview mit Bloomberg News. “Wir glauben nicht, dass wir uns nahe an einer Blase auf dem Immobilienmarkt befinden, zumindest nicht im klassischen Sinne.”

Immo-Bubble hat sich schon gebildet

Robert Shiller, Erfinder des S&P/Case-Shiller-Hauspreis- Index, sieht das offenbar etwas anders. Im Januar warnte er davor, dass sich Norwegen bereits in den Fängen einer Blase bei den Immobilienpreisen befindet, welche sich für die Wirtschaft als “gefährlich” herausstellen könnte.

Die Statistiken legen den Schluss nahe, dass diese These nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Die Verschulung der Haushalte in Nordwegen ist zuletzt beispielsweise auf das höchste Niveau seit mindestens 1988 angeschwollen, wie Schätzungen der Notenbank belegen. Und die Hauspreise waren im vergangenen Monat auf Jahressicht um 7 Prozent angezogen. Das belegen Daten des norwegischen Verbandes der Immobilienmakler.

“Lasst uns nur hoffen, dass Norwegen nicht zu einer weiteren Schweiz wird”, sagte John Hydeskov, Chef-Analyst bei Danske Bank A/S in London, auf eine Anfrage von Bloomberg News.
Die Schweizerische Nationalbank verteidigt seit Monaten einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro - eine Strategie, die sie öffentlich verkündet hat. Zuvor war der Franken stark gestiegen, was die heimischen Exporte belastete.

“Die norwegische Zentralbank weiß sehr genau, dass eine Leitzinssenkung von 25 Basispunkten die Aufwertungen der Krone nicht groß stoppen wird. Eine Zinssenkung signalisiert: ‘Wir sind wachsam’. Sie hoffen jetzt ganz einfach, dass der symbolische Wert letztlich genug ist."

Bloomberg/hahn

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