James Bond und Batman retten Londons Immobilienmarkt

Die Finanz- und Schuldenkrise hat der erfolgsverwöhnten Londoner Immobilienbranche arg zugesetzt. Doch jetzt kommt unerwartet Schützenhilfe aus Hollywood. Vor allem die Projektentwickler freuen sich: Denn die noblen Bürohäuser, die sie in den vergangenen Jahren in der "City" für Banken, Versicherer und Fonds aus dem Boden gestampft haben und die nun vielerorts leer stehen, ziehen neuerdings scharenweise Film-Crews an.

Egal ob "James Bond", "Batman" oder "Johnny English" - sie alle suchen große Flächen, am liebsten mit Panoramablick, manchmal darf es auch etwas düsterer sein. Fest steht: Die Immobilienbranche macht gerne mit. Denn die unkonventionelle Kundschaft spült nicht nur Geld in die Kasse, sie bringt auch Aufmerksamkeit.

"Es gibt einen grundlegenden Wandel, wie die Vermieter heute mit dem hohen Leerstand umgehen", sagt Mark Hughes-Webb von der Agentur Space-2 Consulting, die Immobilien- und Filmbranche in der britischen Hauptstadt zusammenbringt und an dem neuen Trend über Provisionen ordentlich mitverdient. "Heute geht es bei den Immobilienfirmen vor allem um den Cashflow, die Aktionäre machen Druck." Bis zu 7000 Pfund werden pro Tag für Film-Sets gezahlt, berichtet er. Das lasse sich kaum jemand entgehen. Anders als etwa in Frankfurt, wo vor allem viele alte Bürogebäude leer stehen, sind es in London gerade die schicken Neubauten, für die händeringend Abnehmer gesucht werden. Das verbrennt besonders viel Geld, denn die Flächen müssen in Ordnung gehalten werden.

Die Not ist groß: In den Büros des Londoner Finanzviertels lag die Leerstandsquote im Januar bei sieben Prozent - doppelt so viel wie zu Beginn der Finanzkrise 2007. Das errechnete das Beratungshaus CBRE. Auch bei Space-2 hat sich seither etwas verdoppelt, und zwar der Umsatz. Das Geschäft brummt wie noch nie.

Ohne Vorvermietung läuft nichts

Heute werden Wolkenkratzer ohne Vorvermietung kaum mehr gebaut, schon gar nicht an so teuren Standorten wie London. Die angeschlagenen Hypothekenbanken machen nicht mehr mit. Vor der Krise war das allerdings noch anders - und das rächt sich jetzt: In der Nähe der Bank of England stehen zwei Büroblocks, deren Leerstand zusammengenommen der Fläche von elf Fußballplätzen entspricht. Einer der Blocks, Cannon Place, war zuletzt Schauplatz eines Spionagefilms der BBC. "Wir suchen solche Events ganz gezielt aus, um das Gebäude ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken", erklärt Mark Swetman vom Projektentwickler Hines. Im Prinzip sei die Publicity sogar wichtiger als Geld.

Doch nicht nur die Filmbranche mausert sich zur neuen Stammkundschaft. Schon jetzt mieten Nachrichtensender Dachterrassen an, um im Sommer bei den Olympischen Spielen und den Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum der Queen die beste Aussicht zu haben.

Top-Models in leeren Bürohäusern

Auch die Modeindustrie freut sich über leerstehende Gebäude. So baute die London Fashion Week unlängst einen der längsten Laufstege auf, den die Metropole je gesehen hat - in einem Bürokomplex neben der berühmten St. Paul's Kathedrale. Dem Eigner Land Securities spülte das mehr als 10.000 Pfund in die Kasse. Und auch Online-Einzelhändler wie Amazon, Ebay oder Google mieten neuerdings gerne mal für ein paar Wochen oder Monate Flächen an, um den Kunden ihre Produkte "live" vorzustellen, bevor sie als Wanderzirkus weiterziehen. Die Nachfrage ist enorm.

Doch es muss nicht immer spektakulär sein. Manchmal sind die langweiligsten Plätze die lukrativsten, wie Space-2-Mann Hughes-Webb zu berichten weiß. Nördlich der London Bridge gebe es eine Dach-Ecke, von der aus regelmäßig die endlos langen Pendlerströme gefilmt würden, unter anderem für die Abendnachrichten. "Dieser Quadratmeter ist wahrscheinlich das wertvollste Stückchen Grundbesitz in London."

Reuters

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