IWF spendiert Griechenland 28 Milliarden Euro

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Griechenland nach dem Schuldenschnitt für private Investoren einen Kredit über 28 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Das Darlehen soll über einen Zeitraum von vier Jahren gewährt werden und ist Teil des zweiten Rettungspaketes für das hoch verschuldete Land. IWF-Chefin Christine Lagarde (Bild) erklärte, sie wolle einen entsprechenden Vorschlag dem Direktorium des Fonds in der kommenden Woche vorlegen. Private Investoren wie Banken oder Versicherungen hatten sich bereiterklärt, auf mehr als 100 Milliarden Euro ihrer Forderungen zu verzichten und damit das zweite Rettungspaket ermöglicht. Griechenland kann so die Staatspleite vorerst abwenden.

Lagarde sagte, Umfang und Laufzeit des Kredites seien Zeichen dafür, dass der IWF in Griechenland engagiert bleibe, dessen Probleme nur langfristig gelöst werden könnten. Bislang war unklar, in welchem Umfang sich der Fonds an dem neuen Programm beteiligt, das einen Umfang von 130 Milliarden Euro haben soll. Beim ersten Hilfspaket war der IWF mit einem Drittel dabei. Die 28 Milliarden Euro für das zweite Paket sind mehr als viele erwartet hatten.

An dem Tausch von Anleihen für einen Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben der griechischen Regierung 85,8 Prozent der Privatgläubiger. Da die angestrebte Quote von 90 Prozent knapp verfehlt wurde, sollen die unwilligen Investoren zum Verzicht gezwungen werden. Wegen der umstrittenen Zwangsklauseln werden Kreditausfallversicherungen in Milliardenhöhe fällig. Der Internationale Derivateverband Isda stufte den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger als Kreditereignis ein, der die Credit Default Swaps (CDS) auslöst. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden, dass die CDS fällig werden. Daher hielten sich die Reaktionen an den Handelsplätzen am Freitagabend in Grenzen.

Unter dem Strich stehen noch Ausfallversicherungen über etwa 2,6 Milliarden Euro aus. Ursprünglich waren viel höhere Summen im Gespräch. Das hatte Befürchtungen ausgelöst, es könne wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 zu einer Kettenreaktion kommen. Die genaue Summe der CDS ist unklar, da der Markt für diese Papiere undurchsichtig ist.

Profitieren dürften vor allem Hedgefonds, die auf die Aktivierung der Klauseln gewettet hatten. Dieses Vorgehen stieß in der Politik auf heftige Kritik - auch weil sich Spekulanten mit den CDS gegen einen Ausfall von Anleihen versichern können, die sie nicht selbst besitzen.

Hoffnung auf Geld von Investitionsbank

Griechenland, das seit Jahren in der Rezession steckt, hofft unterdessen auf weitere Geldgeber. Die Einheitsregierung von Ministerpräsident Lukas Papademos und die EU-Kommission wollen nach den Worten des Regierungsberaters Gikas Hardouvelis die Europäische Investitionsbank (EIB) überzeugen, eine Milliarde Euro zur Ankurbelung der Wirtschaft beizutragen. "Nach meiner Meinung wird es letztlich dazu kommen", sagte der Experte im Fernsehsender Mega. Die EIB sei aber besorgt, sich in Griechenland mit zuviel Geld zu engagieren.

Ein Regierungssprecher bestätigte am Samstag, dass die Griechen frühestens am 29. April und möglicherweise erst im Mai ein neues Parlament wählen werden. Ursprünglich waren Neuwahlen für Mitte Februar anvisiert worden, doch war der Termin verschoben worden, um Papademos mehr Zeit für die Verhandlungen mit der EU und dem IWF zu geben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte gar angeregt, die Parlamentswahl noch weiter zu verschieben, um Papademos mehr Zeit für die Umsetzung der Reformen zu geben.

Reuters

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