Italien immer stärker im Sog der Schuldenkrise

In Europa nehmen die Befürchtungen zu, dass Italien als nächstes Land in die Schuldenkrise im Euro-Raum gerissen wird. Seit Freitag hat der Druck auf das Kernland der EU deutlich zugenommen, Investoren fordern immer höhere Risikoaufschläge. Italien muss den Investoren für zehnjährige Anleihen inzwischen bereits 5,56 Prozent zahlen. Vergleichbare deutsche Bundesanleihen rentierten bei 2,7 Prozent.

Um Zweifel an seiner Kreditwürdigkeit zu beseitigen, will die italienische Regierung in den kommenden vier Jahren rund 40 Mrd. Euro einsparen. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, ein Hilfseinsatz für das Land könnte den Europäern wesentlich größere Probleme bereiten als die Unterstützung für Griechenland, Irland und Portugal.

OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Nowotny appellierte am Montagnachmittag an alle Verantwortlichen, in der Schuldenkrise kühlen Kopf zu wahren. Man sei an einem Zeitpunkt, an dem man auf jeden Fall einen "ruhigen Kopf, eine klare Perspektive und eine starke ruhige Hand haben muss". Nowotny riet allen, die längerfristige Perspektive zu behalten: "So schwere Krisen sind nicht kurzfristig zu bewältigen. Im Fall Mexikos ist das gelungen", so Nowotny. "Das sollten wir auch für Europa anstreben."

Bereits am Vormittag hatte Finanzministerin Fekter angekündigt, dass die Lage von Italien am Nachmittag beim Treffen der Euro-Finanzminister ein Thema sein wird. Sie werde den italienischen Finanzminister zur Lage des Landes befragen; eigentlich wollten die Euro-Finanzminister heute über Griechenland reden.

Italien ächzt unter einem Schuldenberg von 1,84 Bill. Euro - das Land ist damit allein für fast ein Viertel der Staatsschulden aller 17 Euroländer verantwortlich. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) waren das im vorigen Jahr rund 120 Prozent - nur Griechenland mit 143 Prozent kommt auf mehr.

"Italien wäre ein ganz anderes Kaliber als etwa Spanien und mit keinem Rettungsschirm bewerkstelligbar", sagte RZB-Chef-Analyst Peter Brezinschek am Montag zur APA. Die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien zog die Finanzmärkte europaweit in einen Abwärtsstrudel. Der Dax rutschte um 2,3 Prozent ab. Der Standardwerte-Index der Mailänder Börse schloss vier Prozent im Minus, der EuroStoxx50 sackte um 2,9 Prozent ab. Der VDax, der die Nervosität der Anleger am deutschen Aktienmarkt misst, schoss um 16 Prozent in die Höhe. In Wien fiel der ATX um 2,61 Prozent auf 2.672,05 Einheiten.

- APA

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