Irland schlüpft unter Euro-Rettungsschirm

Nach tagelangem Zögern flüchtet sich Irland nun doch unter den Euro-Rettungsschirm. Die Regierung in Dublin beantragte am Sonntagabend Hilfen aus dem Rettungsfonds, die EU-Finanzminister stimmten grundsätzlich zu. Während der Euro am Montag an den asiatischen Finanzmärkten zulegte, machten die Iren bei spontanen Demonstrationen ihrer Wut Luft.

Der irische Premier Cowen verkündete das Hilfegesuch nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Im Gegenzug für die finanzielle Hilfe werde mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein "starkes" Sparprogramm ausgehandelt, sagte er. Nach Angaben von EU-Diplomaten soll sich der Umfang des Rettungspakets auf 80 bis 90 Mrd. Euro belaufen. Laut dem irischen Finanzminister Lenihan soll die genaue Summe erst nach Ende der Verhandlungen in "mehreren Wochen" feststehen.

Die EU-Finanzminister gaben noch am Sonntagabend grünes Licht und begründeten die geplante Unterstützung Irlands mit dem Schutz ganz Europas. Nach Angaben des deutschen Finanzministers Schäuble sollen die Hilfen an "strenge Auflagen" gekoppelt werden.

"Es ist notwendig, Irland zu helfen, sonst wird der gesamte Euroraum gefährdet", erklärte Österreichs Finanzminister Pröll im Ö1-"Morgenjournal" . Anders als im Fall Griechenland werde kein Geld überwiesen: "Wir haften im Hintergrund, aber wir zahlen nicht."

Diplomaten zufolge sieht der Rettungsplan Hilfen der Euro-Staaten, des IWF und aus dem EU-Haushalt vor. Dies soll noch um bilaterale Kredite Großbritanniens und Schwedens ergänzt werden. Auch die USA und Kanada waren über die Gruppe der wichtigsten Industrieländer (G-7) in die Entscheidung eingebunden. Der Rettungsschirm in Höhe von insgesamt 750 Mrd. Euro war im Frühjahr als Konsequenz aus der Schuldenkrise in Griechenland geschaffen worden.

Der Euro ist am Montag nach dem Finanz-Hilfsgesuch Irlands deutlich über die Marke von 1,37 US-Dollar gestiegen. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,3767 Dollar und damit rund einen Cent mehr als am Freitagabend. Ein Dollar war 0,7264 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs Freitagmittag mit 1,3674 (Donnerstag: 1,3647) Dollar festgesetzt.

In Irland machte sich dagegen Wut über das Krisenmanagement der Regierung breit, Demonstranten versammelten sich vor den Regierungsgebäuden in Dublin. In den Schlagzeilen der irischen Zeitungen spiegelte sich am Montag der Ärger wider.

Irland kämpft mit massiven Haushaltsproblemen, weil die Regierung den durch die Finanzkrise angeschlagenen Banken des Landes mit Milliardenhilfen zur Seite gesprungen ist. Mit 32 Prozent liegt das irische Haushaltsdefizit derzeit zehnmal so hoch wie in der EU erlaubt. Dublin plant ein Sparpaket, das über vier Jahre Einsparungen in Höhe von 15 Mrd. Euro bringen soll.

- APA

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