Zypern: Panicos Demetriades – Der verzweifelte Kampf eines Notenbankers

Zypern: Panicos Demetriades – Der verzweifelte Kampf eines Notenbankers

Die Geschichte von Demetriades ist die Geschichte eines Mannes, der mehr als zwei Jahrzehnte an englischen Universitäten unterrichtete und sich plötzlich inmitten der größten Krise seines Heimatlandes seit der türkischen Invasion, die das Land 1974 in zwei Teile aufspaltete, wiederfand.

Als am 16. März gegen 7 Uhr das Telefon von Panicos Demetriades klingelte, hatte der zypriotische Notenbank-Chef, der sein Land auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) vertritt, die schlechten Nachrichten schon gelesen. Am anderen Ende der Leitung war sein damaliger Vize Spyros Stavrinakis. Er informierte seinen Chef darüber, dass der Staatspräsident in der Nacht im über 3000 Kilometer entfernten Brüssel als Gegenleistung für ein Rettungspaket zugestimmt hatte, jedes Konto im Inselstaat mit einer Abgabe zu belasten.

Die Bedingungen der Rettung wurden zwar später gelockert, doch für Demetriades wurde das Leben nicht leichter. Ein Jahr, nachdem der 54-Jährige seinen Lehrstuhl an einer englischen Universität aufgegeben hat, steht der Notenbank-Chef immer noch im Schatten der Affäre - einschließlich Morddrohungen und einer Untersuchung im Parlament.

“Als Akademiker hat man diese Art von Druck in aller Regel eigentlich nicht”, sagt Professor Stephen Hall, ein früherer Kollege von Demetriades an der Universität Leicester und zudem Berater der griechischen Notenbank.

Demetriades gibt nicht auf und steht zu seinem Vorgehen. Nach mehreren Morddrohungen hat er aber sicherheitshalber seine Frau und die Kinder außer Landes geschafft. Sie leben jetzt quasi im Exil. Eine der Drohungen kam von der “Einlagen-Rettungs-Gruppe”.

Den Posten als Zentralbank-Chef hatte er im Mai vergangenen Jahres angetreten, nachdem ihn die vorherige Regierung für die Stelle verpflichten konnte. Er übernahm Verantwortung für eine Volkswirtschaft, die mit ausufernden Haushaltsdefiziten und einem Ausschluss von den internationalen Anleihe-Märkten zu kämpfen hatte. Die zypriotischen Geschäftsbanken, die in der Vergangenheit voll auf griechische Anleihen gesetzt hatten, bluteten aus. Ihre Verluste addierten sich auf bis zu 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Politik gegen Notenbank

Als der Schaden offenbar wurde, verschlechterte sich die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Demetriades und der neuen Regierung unter Nicos Anastasiades weiter. Es ging so weit, dass die Regierung den Verkauf der Goldreserven in Aussicht stellte, ohne die eigenen Zentralbank auch nur von ihrer Absicht zu informieren.

“Die Unabhängigkeit der Notenbank ist wichtig für Finanz- Märkte, weil genau das einen Schutz vor politischer Einmischung schafft”, sagt Anatoli Annenkov, leitender Volkswirt bei der französischen Societe Generale SA.
Zwei öffentliche Untersuchungen laufen gegen Demetriades, doch er sagt, er habe nicht falsch gemacht. “Täglich wurde ich aus der Regierung und aus dem Parlament heraus krimineller Vergehen beschuldigt”, sagte Demetriades am 13. April in einem Interview mit Bloomberg News in Dublin. Das politische Gerangel “behindert meine Fähigkeit, eine sehr schwierige Situation zu kontrollieren.”

Der Kernvorwurf, den Präsident Anastasiades in einem Brief vom 15. April an EZB-Chef Mario Draghi erhob, lautet, Demetriades habe die inzwischen abgewickelte Laiki Bank in der zweiten Hälfte 2012 künstlich am Leben erhalten. Damit habe er erreichen wollen, dass das Land die Wahlen im Februar 2013 erreiche, ohne ein Rettungspaket beantragen zu müssen.
Die Vorwürfe kommen aus der zypriotischen Politik. Weil er von der nominal kommunistischen Vorgängerregierung ernannt wurde, war Demetriades von dem Augenblick an manövrierunfähig, als der Mitte-Rechts-Politiker Anastasiades die Macht übernahm.

Eine weitere Attacke gegen Demetriades kam von seinem Vorgänger bei der zypriotischen Notenbank, Athanasios Orphanides. Er führte sie von 2007 bis 2012. Seinen Worten zufolge hat Demetriades absichtlich die Rekapitalisierungs-Nöte der Banken übertrieben dargestellt - um zu verschleiern, das das zwischen 2008 und 2013 regierende Kabinett von Demetris Christofias zu viel Geld ausgegeben habe.

Für den Ex-Kollegen Stephen Hall ist klar, weshalb Demetriades trotz der Widrigkeiten an seinem Amt festhält: “Er ist der Meinung, dass ein Rücktritt jetzt wie ein Eingeständis wirken würde, dass die Dinge, die über ihn gesagt werden, wahr sind”.

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