Zwischen Terror und Wirtschaftskrise: Nawaz Sharif soll Pakistan aus der Krise führen

Zwischen Terror und Wirtschaftskrise: Nawaz Sharif soll Pakistan aus der Krise führen

Knapp 14 Jahre nach seinem Sturz durch einen Militärputsch in Pakistan steht Ex-Premierminister Nawaz Sharif vor der Rückkehr in das Amt des Regierungschefs. Landeskenner trauen dem 63-Jährigen unter den Politikern noch am ehesten Wirtschaftskompetenzen zu. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen.

Der Börsenindex in der Wirtschaftsmetropole Karachi bewegt sich trotz der ökonomischen Misere in Pakistan schon seit einiger Zeit nach oben. Allein seit Jahresbeginn konnte der KSE-100-Index um knappe 20 Prozent zulegen. Zuletzt stieg er zudem erstmals über die Marke von 20.000 und notiert somit auf Allzeithoch.

Aktienhändler spekulierten bei der Wahl am Samstag womöglich auf eine Ablösung der Volkspartei PPP, die das Land in eine tiefe Krise geführt hat. Nach vorläufigen Ergebnissen gelang die Muslim-Liga (PML-N) von Nawaz Sharif ein triumphaler Sieg. Viele Pakistaner hoffen nun, dass Sharif als Premierminister die Wirtschaft in Schwung bringt - und die anderen Probleme angeht, die die Atommacht bedrohen.

Sharif punktet mit Erfahrungen

Westliche Landeskenner trauen dem 63-Jährigen unter den Politikern noch am ehesten Wirtschaftskompetenz zu. In seinen beiden früheren Amtsperioden als Regierungschef in den 1990er Jahren verwirklichte Sharif zahlreiche wichtige Infrastrukturprojekte. Er ließ Straßen und Autobahnen, Häfen und Flughäfen bauen. Er schuf Arbeitsplätze und liberalisierte die Wirtschaft. Zwar gab es damals auch Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierungen - aber längst nicht in dem Ausmaß wie in den vergangenen Jahren gegen die PPP.

Nicht zuletzt hat Nawaz Sharif auch ein Eigeninteresse daran, die Wirtschaft anzukurbeln - und in diesem Zusammenhang auch die verheerende Energiekrise anzugehen. Stundenlange Stromausfälle sorgen nicht nur für Wut in der Bevölkerung, sondern verursachen auch Mehrkosten und Produktionsausfälle für Unternehmen. Sharifs Familie unterhält ein Wirtschaftsimperium, das unter anderem Stahl und Zucker produziert - beides ist energieintensiv.

Wirtschaftskrise und Terroristen

"Top-Priorität für die PML-N wird das Wiederbeleben der Wirtschaft sein", heißt es Wahlprogramm. Das Wirtschaftswachstum, das sich unter der PPP auf vier Prozent fast halbierte, will die PML-N wieder auf über sechs Prozent bringen. Sie will Investitionen erleichtern, Handel fördern und öffentliche Ausgaben kappen. Das Steuersystem soll auch gegen den Widerstand "von mächtigen Interessengruppen und starken Kartellen" reformiert werden.

Nicht nur im Bereich der Wirtschaft wird Sharif zu kämpfen haben. Weil das Land weiterhin Zufluchtsort für Terroristen ist, sind die Beziehungen zum wichtigen Geldgeber USA, zum Erzrivalen Indien und zum Nachbarn Afghanistan allesamt schwer belastet. Sharif hat angekündigt, sich um bessere Beziehungen zu bemühen. Bereits in seiner vorherigen Amtszeit leitete er einen Dialog mit Indien ein. Vor der Wahl versprach er, eine Untersuchungskommission zur Terrorserie im westindischen Mumbai Ende 2008 einzusetzen, deren Hintermänner nach Überzeugung Indiens in Pakistan sitzen.

Alle zählen auf Sharif

Die indische Regierung sandte noch während der Stimmenauszählung ein positives Signal nach Islamabad: Premierminister Manmohan Singh gratulierte Sharif zum "überzeugenden Sieg" und lud ihn zu einem Besuch ein. US-Präsident Barack Obama ließ mitteilen, seine Regierung freue sich auf die Zusammenarbeit mit der künftigen Regierung in Pakistan "als gleichwertige Partner".

Sharifs Verhältnis zum mächtigen Militär ist nicht erst belastet, seit ihn Armeechef Pervez Musharraf 1999 aus dem Amt putschte. Die Generäle werden Sharif genau beobachten - auch, was seinen Kurs gegenüber den pakistanischen Taliban (TTP) angeht.

Sharif wird immer wieder Nähe zu Extremisten nachgesagt, was er dementiert. Taliban-Experte Ahmed Rashid sagt: "Unter den Sharifs ist (deren Heimatprovinz) Punjab zum sicheren Hafen für Extremistengruppen geworden. Es gibt enormen Verdacht, dass es irgendeine Art von Absprache gibt" - und die Terroristen die Provinz daher weitgehend verschonten.

Sharif hat sich für Verhandlungen mit den Taliban ausgesprochen. Armeechef Ashfaq Parvez Kayani sagte dazu kürzlich warnend, Pakistan könne es sich nicht leisten, dass das Militär einen Krieg kämpfe, hinter dem die Regierung nicht stehe.

Auch die Zeitung "Daily Times" hält Sharifs Idee für heikel. "In der Vergangenheit wurden wiederholte Friedensabkommen von den militanten Gruppen dazu genutzt, sich zu regruppieren, zu stärken und ihre Terrorkampagnen noch brutaler fortzusetzen", kommentierte das Blatt. "Heute sagen die Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP): Mache erst einen Kniefall vor unserer Forderung nach einem islamischen Emirat (...), bevor es Gespräche geben kann."

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